Myoklonien sind unwillkürliche, plötzliche Muskelzuckungen, die meist sehr kurz andauern und einzelne Muskeln oder Muskelgruppen betreffen können. Solche Zuckungen kennt fast jeder: Typisch ist etwa das „Einschlafen zucken“, wenn beim Wegdämmern plötzlich ein Arm oder Bein ruckartig zuckt. Doch Myoklonien können auch andere Ursachen haben und in verschiedenen Situationen auftreten.
Was steckt hinter Muskelzuckungen?
Im medizinischen Alltag beschreibt der Begriff eine rasche, meist schlagartige Bewegung eines Muskels, die nicht bewusst gesteuert werden kann. Das Wort selbst setzt sich aus den griechischen Begriffen „mys“ für Muskel und „klonos“ für Zucken zusammen. Es handelt sich also um eine Bewegungsstörung, bei der das Nervensystem für einen kurzen Moment einen starken Impuls an einen Muskel sendet. Diese Impulse können so schwach sein, dass sie kaum auffallen, oder so stark, dass der ganze Körper kurz zusammenzuckt.
Viele Menschen erleben harmlose Myoklonien ganz ohne Krankheit, etwa beim Einschlafen, nach plötzlichem Erschrecken oder wenn man sich sehr anstrengt. In diesen Fällen sind die Zuckungen meist ungefährlich und verschwinden von allein wieder.
Wann sind Myoklonien ein Grund zur Sorge?
Obwohl solche Muskelzuckungen oft harmlos sind, fragen sich viele: Wann sollte man aufmerksam werden? Myoklonien können auch im Rahmen von Erkrankungen auftreten, etwa bei Epilepsie, bestimmten Stoffwechselstörungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Wenn die Zuckungen sehr häufig, stark ausgeprägt oder mit anderen Beschwerden wie Bewusstseinsstörungen, Schwäche oder Verwirrtheit einhergehen, kann das auf eine zugrunde liegende Krankheit hinweisen.
Auch chronische oder immer wiederkehrende Myoklonien, die den Alltag beeinträchtigen oder im Zusammenhang mit anderen Symptomen stehen, sollten ärztlich abgeklärt werden. Gerade wenn die Zuckungen neu auftreten, plötzlich sehr stark sind oder mit Stürzen, Sprachstörungen oder anderen Auffälligkeiten einhergehen, ist eine Untersuchung sinnvoll.
Wie werden Myoklonien festgestellt?
Um die Ursache zu klären, beginnt die Diagnostik meist mit einer ausführlichen Befragung. Dabei ist wichtig, wann und wie oft die Zuckungen auftreten, wie sie sich anfühlen und ob weitere Beschwerden bestehen. Eine körperliche Untersuchung folgt, bei der gezielt auf neurologische Auffälligkeiten geachtet wird.
Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dazu zählen zum Beispiel eine Elektroenzephalografie (EEG), um die Aktivität des Gehirns zu messen, oder eine Magnetresonanztomografie (MRT), um das Gehirn genauer zu betrachten. Auch Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen oder Entzündungen auszuschließen. Manchmal ist es hilfreich, die Zuckungen in einem Video festzuhalten, damit Ärztinnen und Ärzte die Bewegungen besser beurteilen können.
Mögliche Ursachen und Formen
Myoklonien können viele verschiedene Auslöser haben. Häufig sind sie völlig harmlos, wie beim Einschlafen oder nach plötzlichem Erschrecken. Es gibt aber auch Formen, die im Rahmen von Erkrankungen auftreten. Dazu zählen:
Bei Epilepsien können Myoklonien Teil eines Anfalls sein, manchmal auch ohne Bewusstseinsverlust. Bestimmte Stoffwechselerkrankungen, wie Nieren- oder Leberversagen, führen gelegentlich ebenfalls zu Muskelzuckungen. Auch nach Sauerstoffmangel, bei schweren Infektionen oder als Nebenwirkung von Medikamenten (zum Beispiel bei bestimmten Schlafmitteln oder Antidepressiva) sind Myoklonien möglich.
Es gibt seltene erbliche Erkrankungen, bei denen Myoklonien ein Hauptsymptom sind. In manchen Fällen bleibt die genaue Ursache aber unklar.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich immer nach der Ursache. Bei harmlosen Einschlafzuckungen oder gelegentlichen, leichten Myoklonien ist meist keine Behandlung nötig. Treten die Zuckungen im Rahmen einer Krankheit auf, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Bei Epilepsien kommen zum Beispiel spezielle Medikamente zum Einsatz, die die Erregbarkeit des Gehirns verringern.
Wenn Medikamente die Auslöser sind, kann eine Umstellung helfen. Bei Stoffwechselstörungen oder Infektionen wird gezielt die zugrundeliegende Erkrankung behandelt. In seltenen Fällen, in denen sehr ausgeprägte Myoklonien den Alltag stark beeinträchtigen, können spezielle Arzneimittel verschrieben werden, die die Muskelaktivität dämpfen.
Was kann man selbst tun?
Wer gelegentlich unter harmlosen Muskelzuckungen leidet, muss sich meist keine Sorgen machen. Stress, Übermüdung und starker Koffeinkonsum können Myoklonien begünstigen – ausreichend Schlaf, Entspannung und ein bewusster Umgang mit Genussmitteln helfen, das Risiko zu senken. Bei Unsicherheit oder starken, anhaltenden Zuckungen ist ein ärztliches Gespräch ratsam.
Wichtig ist, auf den eigenen Körper zu achten. Werden die Zuckungen häufiger, treten sie in Ruhe oder im Schlaf auf, oder kommen weitere Symptome dazu, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Nur so lässt sich herausfinden, ob eine harmlose Ursache vorliegt oder ob eine gezielte Behandlung nötig ist.
Myoklonien sind in den meisten Fällen ungefährlich und verschwinden von selbst. Sie können aber auch ein Hinweis auf eine Erkrankung sein, besonders wenn sie neu auftreten, sehr stark sind oder mit anderen Beschwerden einhergehen. Wer unsicher ist, sollte sich nicht scheuen, das Thema bei der Hausärztin oder dem Hausarzt anzusprechen.