Long Covid nach Corona: Wenn Symptome bleiben

Long Covid nach Corona: Wenn Symptome bleiben

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Long Covid beschreibt Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion bestehen bleiben oder neu auftreten, obwohl die eigentliche Infektion bereits überstanden ist.

Wenn die Erholung ausbleibt

Nach einer Infektion mit dem Coronavirus fühlen sich viele Menschen innerhalb weniger Tage oder Wochen wieder fit. Doch es gibt einen Teil, bei dem die Beschwerden nicht verschwinden oder sogar neue Symptome dazukommen. Genau das wird als Long Covid bezeichnet. Manchmal taucht auch die Bezeichnung Post Covid Syndrom auf, vor allem wenn die Symptome länger als drei Monate anhalten. Diese Begriffe meinen im Alltag meist das Gleiche: anhaltende oder wiederkehrende gesundheitliche Probleme nach einer überstandenen Corona-Erkrankung.

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Welche Beschwerden können auftreten?

Die Liste möglicher Symptome ist lang und sehr unterschiedlich. Häufig berichten Betroffene über eine starke Erschöpfung, die selbst nach ausreichend Schlaf nicht besser wird. Dieser Zustand wird auch Fatigue genannt. Viele spüren Konzentrationsprobleme oder eine Art „Gehirnnebel“, bei dem das Denken schwerfällt. Hinzu kommen oft Kurzatmigkeit, Husten, Herzrasen oder Schmerzen in Muskeln und Gelenken. Auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Geruchsverlust, depressive Verstimmung oder Angstgefühle sind keine Seltenheit. Manchmal treten diese Beschwerden schubweise auf und wechseln in ihrer Intensität.

Wie häufig ist Long Covid?

Nicht jeder, der eine Corona-Infektion hatte, entwickelt Long Covid. Nach aktuellen Schätzungen sind etwa zehn bis zwanzig Prozent betroffen, wobei Kinder und Jugendliche seltener darunter leiden als Erwachsene. Besonders häufig trifft es Menschen, die während der akuten Infektion schwere Beschwerden hatten oder im Krankenhaus behandelt werden mussten. Doch auch nach milden Verläufen kann es vorkommen, dass die Symptome nicht abklingen.

Ist das gefährlich?

Viele machen sich Sorgen, weil sie nach Wochen immer noch nicht „die Alten“ sind. Die Symptome können sehr belastend sein und den Alltag deutlich einschränken. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit, manchmal allerdings nur langsam. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Einschränkungen lange bestehen bleiben. Lebensbedrohlich ist Long Covid in der Regel nicht, aber die Lebensqualität kann stark leiden. Besonders die Unsicherheit, wie lange die Beschwerden anhalten und ob sie wieder verschwinden, macht vielen zu schaffen.

Wie wird Long Covid festgestellt?

Eine eindeutige Untersuchung, mit der Long Covid sicher nachgewiesen werden kann, gibt es bisher nicht. Die Diagnose stützt sich vor allem auf das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Wichtig ist, dass andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Dazu können Blutuntersuchungen, Lungenfunktionstests, EKG oder auch spezielle Belastungstests gehören. Wenn die Symptome sehr vielfältig sind, arbeiten oft verschiedene Fachrichtungen zusammen, zum Beispiel Lungenheilkunde, Neurologie oder Kardiologie.

Behandlungsmöglichkeiten und was du selbst tun kannst

Eine spezielle Therapie, die gezielt gegen Long Covid wirkt, gibt es bislang nicht. Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Beschwerden. Bei starker Erschöpfung kann es helfen, den Alltag gut zu strukturieren und körperliche Belastung langsam zu steigern. Manche profitieren von Physiotherapie, Atemübungen oder gezielten Trainingsprogrammen. Wer unter Konzentrationsproblemen leidet, kann mit Gedächtnisübungen oder kleinen Alltagstricks gegensteuern. Bei anhaltender Kurzatmigkeit oder Husten sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen sinnvoll, um andere Erkrankungen auszuschließen.

Wichtig ist, sich nicht zu überfordern und auf die Signale des Körpers zu achten. Viele erleben, dass sie nach einer scheinbaren Besserung wieder einen Rückschlag bekommen, wenn sie zu schnell zu viel wollen. Geduld und eine schrittweise Steigerung sind oft der beste Weg. Unterstützung durch Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen kann helfen, den Umgang mit der Situation zu erleichtern.

Was tun bei anhaltenden oder schweren Symptomen?

Wenn die Beschwerden nach mehreren Wochen nicht besser werden oder sich sogar verschlimmern, ist ein erneuter Arztbesuch ratsam. Besonders bei Atemnot, starken Herzbeschwerden oder deutlichen neurologischen Ausfällen sollte nicht gezögert werden. Auch psychische Belastungen wie Angst oder depressive Verstimmungen sollten ernst genommen werden. Es gibt spezialisierte Ambulanzen und Anlaufstellen, die sich auf die Betreuung von Menschen mit Long Covid spezialisiert haben.

Was ist über die Ursachen bekannt?

Warum manche Menschen nach einer Corona-Infektion lange Beschwerden haben und andere nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet werden eine anhaltende Entzündung, Störungen im Immunsystem oder eine verzögerte Heilung von Gewebe. Auch psychische Belastungen während der Erkrankung und in der Zeit danach können eine Rolle spielen. Die Forschung dazu läuft weltweit auf Hochtouren.

Wie kann man Long Covid vorbeugen?

Der beste Schutz ist nach wie vor, eine Infektion möglichst zu vermeiden. Impfungen senken nicht nur das Risiko für schwere Verläufe, sondern können auch das Risiko für Long Covid verringern. Wer sich trotz Impfung infiziert, hat nach bisherigen Erkenntnissen seltener anhaltende Beschwerden. Auch eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, ausgewogener Ernährung und Stressabbau kann helfen, das Immunsystem zu stärken.

Long Covid ist ein noch junges Krankheitsbild, das viele Fragen aufwirft. Mit Geduld, guter medizinischer Begleitung und einem offenen Umgang mit den eigenen Grenzen gelingt es jedoch oft, Schritt für Schritt wieder mehr Lebensqualität zu gewinnen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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