Kardiomyolysen: Herzmuskelschaden und seine Folgen

Kardiomyolysen: Herzmuskelschaden und seine Folgen

14.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Kardiomyolysen sind Schädigungen oder Auflösungen von Herzmuskelzellen, die meist durch eine starke Belastung, Durchblutungsstörungen oder bestimmte Erkrankungen entstehen.

Was steckt hinter dem Begriff?

Der Ausdruck stammt aus dem Griechischen: „Kardio“ steht für das Herz, „myo“ für Muskel und „lyse“ bedeutet Auflösung oder Zerfall. Gemeint ist damit, dass Zellen des Herzmuskels zerstört werden. Diese Veränderungen lassen sich manchmal im Labor nachweisen, wenn bestimmte Enzyme oder Eiweiße im Blut ansteigen, die normalerweise nur in Herzmuskelzellen vorkommen. Ein typisches Beispiel ist das sogenannte Troponin, das bei einer Schädigung des Herzmuskels freigesetzt wird.

Wie entstehen Kardiomyolysen?

Herzmuskelzellen sind besonders empfindlich, weil sie ständig Sauerstoff und Nährstoffe brauchen. Wird die Versorgung gestört, etwa durch einen Verschluss eines Herzkranzgefäßes oder eine schwere Entzündung, können die Zellen Schaden nehmen. Auch eine starke Überlastung, zum Beispiel bei extremer körperlicher Anstrengung, kann zu einer Kardiomyolyse führen. In seltenen Fällen lösen Medikamente, Giftstoffe oder schwere Infekte diesen Prozess aus.

Meistens treten Kardiomyolysen im Rahmen anderer Erkrankungen auf, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt, bei schweren Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) oder nach Wiederbelebungsmaßnahmen. Auch bestimmte Autoimmunerkrankungen oder Vergiftungen können den Herzmuskel schädigen.

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Welche Symptome treten auf?

Kardiomyolysen selbst verursachen keine ganz typischen Beschwerden, sondern hängen davon ab, wie stark das Herz betroffen ist. Viele bemerken zunächst allgemeine Symptome wie Schwäche, Kurzatmigkeit oder Schmerzen in der Brust. Bei schweren Verläufen kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. In manchen Fällen treten die Veränderungen nur im Labor auf, ohne dass direkt Beschwerden spürbar sind.

Wie wird eine Kardiomyolyse festgestellt?

Die Diagnose erfolgt meist durch eine Kombination aus Laborwerten, EKG und bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder MRT des Herzens. Im Blut werden vor allem sogenannte Herzenzyme gemessen. Sie steigen an, wenn Herzmuskelzellen beschädigt werden. Besonders wichtig ist hier das Troponin. Auch das CK-MB, ein spezielles Muskelenzym, kann erhöht sein. Im EKG zeigen sich manchmal typische Veränderungen, die auf eine Schädigung des Herzmuskels hindeuten. Bildgebende Verfahren helfen, das Ausmaß und die Ursache der Schädigung genauer einzugrenzen.

Ist das gefährlich?

Die Bedeutung einer Kardiomyolyse hängt stark davon ab, wie ausgeprägt die Schädigung ist und wodurch sie ausgelöst wurde. Kleine, vorübergehende Veränderungen sind nicht immer bedrohlich und können sich wieder zurückbilden, wenn die Ursache beseitigt wird. Größere Schädigungen, wie sie zum Beispiel bei einem Herzinfarkt auftreten, können jedoch zu bleibenden Schäden führen und das Risiko für Herzschwäche oder Rhythmusstörungen erhöhen.

Viele machen sich Sorgen, wenn sie den Begriff im Arztbrief lesen. Das ist verständlich, denn Herzmuskelschäden wirken bedrohlich. Entscheidend ist aber immer der Zusammenhang: Nicht jede Kardiomyolyse bedeutet gleich eine schwere Herzerkrankung. Manchmal sind es nur vorübergehende Veränderungen, etwa nach starker körperlicher Belastung oder bei leichteren Infekten. In anderen Fällen steckt eine ernsthafte Erkrankung dahinter, die gezielt behandelt werden muss.

Was passiert bei der Behandlung?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Steckt zum Beispiel ein Herzinfarkt dahinter, steht die schnelle Wiederherstellung der Durchblutung im Vordergrund. Bei Entzündungen des Herzmuskels werden meist Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem dämpfen oder Infektionen bekämpfen. Ist ein Medikament oder eine Vergiftung die Ursache, wird versucht, den schädlichen Stoff so schnell wie möglich aus dem Körper zu entfernen und das Herz zu entlasten.

In vielen Fällen ist es wichtig, sich körperlich zu schonen und regelmäßige Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. So kann frühzeitig erkannt werden, ob das Herz wieder vollständig gesund ist oder ob eine dauerhafte Überwachung nötig bleibt.

Was kann man selbst tun?

Wer eine Kardiomyolyse diagnostiziert bekommen hat, sollte auf Warnzeichen wie zunehmende Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Herzstolpern oder starke Schwäche achten und diese zeitnah ärztlich abklären lassen. Körperliche Überanstrengung sollte zunächst vermieden werden, bis klar ist, wie stark das Herz betroffen ist. Eine ausgewogene Ernährung, Rauchverzicht und regelmäßige Bewegung, angepasst an die Belastbarkeit, unterstützen die Herzgesundheit. Medikamente, die das Herz belasten könnten, sollten nur in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin eingenommen werden.

Wann ist ärztlicher Rat besonders wichtig?

Wenn plötzlich starke Brustschmerzen, Luftnot oder Herzrhythmusstörungen auftreten, ist rasches Handeln gefragt. In solchen Fällen kann eine schwere Herzmuskelschädigung oder ein akuter Herzinfarkt dahinterstecken. Dann sollte sofort der Notruf gewählt werden.

Im Zweifel lohnt sich immer eine Rücksprache mit einer kardiologischen Fachperson, um die genaue Ursache und das weitere Vorgehen zu klären. Auch bei Unsicherheit oder anhaltenden Beschwerden ist eine Kontrolle sinnvoll. Oft lassen sich so Komplikationen vermeiden und die Herzgesundheit langfristig erhalten.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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