Ein Kaposi-Sarkom ist ein Tumor, der von den Blutgefäßen ausgeht und sich meist als violett-bräunlich-rote Flecken oder Knötchen auf der Haut oder Schleimhaut zeigt, seltener an inneren Organen. Es ist eine besondere Krebsart, weil immer eine bestimmte Virusinfektion dahintersteckt und der Verlauf stark davon abhängt, wie gut die Immunabwehr arbeitet.
Wie sich die Veränderungen zeigen
Am auffälligsten sind die Hautveränderungen: rötlich-braune bis violette Flecken, die oft an beiden Beinen gleichzeitig auftreten und mit der Zeit zu Knötchen oder festen Erhebungen werden können, die Fachleute Plaques nennen. Diese Herde, also die veränderten Stellen, tun in der Regel nicht weh, und viele Menschen empfinden sie vor allem als kosmetisch störend. Auch die Schleimhaut kann betroffen sein, am ehesten im Mund.
Weil das Kaposi-Sarkom von Gefäßen ausgeht, kann es sich in fortgeschrittenen Fällen über die Haut hinaus ausbreiten, etwa in die Lymphknoten, den Magen-Darm-Trakt oder die Lunge. Solche inneren Herde sind seltener und machen sich je nach Ort ganz unterschiedlich bemerkbar. Gesichert wird die Diagnose mit einer kleinen Gewebeprobe aus einer der veränderten Stellen, und danach schaut das Behandlungsteam genau nach, ob nur die Haut betroffen ist oder mehr.
Was die Erkrankung auslöst
Ausgelöst wird ein Kaposi-Sarkom immer durch eine Infektion mit dem humanen Herpesvirus 8, kurz HHV-8, das in Befunden auch als KSHV auftauchen kann, weil es nach dem Kaposi-Sarkom benannt ist. Ohne dieses Virus entsteht die Erkrankung nicht. Weitergegeben wird es vor allem über Speichel und engen Kontakt, seltener über Blut oder beim Sex, und in manchen Weltregionen trägt es ein großer Teil der Bevölkerung in sich.
Das Virus allein reicht aber nicht aus, denn sehr viele Menschen tragen HHV-8 in sich, ohne je daran zu erkranken. Dazu kommen muss ein zweiter Faktor, und das ist fast immer eine geschwächte Immunabwehr: Solange sie gut arbeitet, hält sie das Virus in Schach, ist sie geschwächt, kann das Virus die Gefäßzellen zu unkontrolliertem Wachstum antreiben. Dahinterstecken kann eine nicht behandelte Infektion mit HIV, dem Virus, das genau diese Abwehr angreift, ebenso wie Medikamente nach einer Organtransplantation oder schlicht höheres Alter.
Vier Formen mit sehr unterschiedlichem Verlauf
Ärztinnen und Ärzte unterscheiden vier Formen, die unterschiedliche Menschen betreffen und sich unterschiedlich verhalten.
Die HIV- oder AIDS-assoziierte Form
Sie tritt auf, wenn eine HIV-Infektion nicht gut kontrolliert ist und die Abwehr bereits so weit geschwächt hat, dass vom fortgeschrittenen Stadium AIDS die Rede ist. Diese auch epidemisch genannte Form kann rascher und ausgedehnter verlaufen als die übrigen.
Die klassische Form
Sie betrifft vor allem ältere Männer, häufig mit Wurzeln im Mittelmeerraum oder in Osteuropa, und verläuft meist langsam und über Jahre eher harmlos, oft nur an den Beinen.
Die endemische Form
Sie kommt in Teilen Afrikas vor, wo das Virus schon im Kindesalter weit verbreitet und damit dauerhaft heimisch, also endemisch, ist.
Die iatrogene Form
Sie ist die Folge einer medizinischen Behandlung, daher der Fachname iatrogen: Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, etwa nach einer Organtransplantation, nehmen der Abwehr die Kraft, das Virus in Schach zu halten.
Welche Form vorliegt, bestimmt mit, wie behandelt wird und wie die Aussichten sind.
Ist ein Kaposi-Sarkom ansteckend?
Der Tumor selbst ist nicht ansteckend, man kann sich also weder durch Berührung noch durch eine Umarmung oder das Zusammenleben mit einer betroffenen Person damit anstecken.
Übertragbar ist allein das auslösende Virus HHV-8, hauptsächlich über Speichel, und Untersuchungen zeigen, dass es zwischen Menschen weitergegeben wird und in der Bevölkerung gar nicht selten ist. Bei Menschen mit gesundem Immunsystem löst es aber so gut wie nie eine Erkrankung aus, denn ein Kaposi-Sarkom wird daraus nur dann, wenn zusätzlich die Immunabwehr geschwächt ist. Für Angehörige im Alltag besteht deshalb praktisch kein Grund zur Sorge.
Was bei der Behandlung zuerst zählt
Wie ein Kaposi-Sarkom behandelt wird, hängt von der Form ab und vor allem davon, wie gut die Immunabwehr arbeitet. Oft ist der wichtigste Schritt, sie wieder zu stärken.
Die Immunabwehr wieder stärken
Bei der HIV-assoziierten Form steht deshalb die konsequente HIV-Therapie an erster Stelle, die im Arztbrief antiretrovirale Therapie oder kurz ART heißt. Erholt sich das Immunsystem darunter, bilden sich die Herde häufig schon allein dadurch zurück. Einen ähnlichen Weg geht man nach einer Organtransplantation, indem das Behandlungsteam die Medikamente anpasst, die das Immunsystem unterdrücken, was die Erkrankung ebenfalls zum Verschwinden bringen kann.
Wenn nur einzelne Hautstellen betroffen sind
Sind nur einzelne, begrenzte Hautstellen betroffen, reichen oft örtliche Verfahren: eine kleine Operation, eine Bestrahlung oder eine Spritze, mit der ein Medikament direkt in die veränderte Hautstelle gegeben wird. Ist die Erkrankung ausgedehnter oder sind innere Organe beteiligt, braucht es eine Therapie, die im ganzen Körper wirkt.
Medikamente, die im ganzen Körper wirken
Mittel der ersten Wahl ist in Deutschland nach der aktuellen Leitlinie (Onkopedia, Stand April 2025) liposomales Doxorubicin, ein Wirkstoff der Chemotherapie, der in winzige Fettbläschen verpackt ist, damit er sich vor allem im Tumorgewebe sammelt und den übrigen Körper weniger belastet. Als zweite Möglichkeit folgt Paclitaxel, ebenfalls ein Chemotherapie-Wirkstoff. Ein klarer Beweis, dass ein bestimmtes Medikament allen anderen überlegen wäre, fehlt bislang, weshalb das Behandlungsteam gemeinsam mit der betroffenen Person entscheidet, was im Einzelfall passt. In den USA ist seit 2020 zusätzlich der Wirkstoff Pomalidomid als Tablette für schwer behandelbare Fälle zugelassen, in Deutschland und Europa gilt diese Zulassung für das Kaposi-Sarkom aber nicht (Stand 2026).
Wie die Aussichten sein können
Für viele Menschen sind die Aussichten heute gut, denn ein Kaposi-Sarkom lässt sich in den allermeisten Fällen gut kontrollieren, besonders dann, wenn die Immunabwehr wiederhergestellt wird. Bei der HIV-assoziierten Form gelingt genau das mit einer gut eingestellten HIV-Therapie meist, und die Herde gehen dann oft deutlich zurück. Die klassische Form bei älteren Menschen verläuft ohnehin häufig langsam und über viele Jahre.
Eine feste Zahl, wie lange man mit der Erkrankung lebt, lässt sich nicht seriös nennen, weil der Verlauf stark von der Form, dem Allgemeinzustand und der medizinischen Versorgung abhängt. Zahlen aus schlecht versorgten Regionen der Welt sind auf die Situation in Deutschland nicht übertragbar: Hier stehen die konsequente HIV-Therapie und eine gute krebsmedizinische Betreuung zur Verfügung, und damit sind die Aussichten meist deutlich besser. Weil die Erkrankung dazu neigt, wiederzukommen, gehören regelmäßige Kontrollen dazu, und wie die persönliche Situation einzuschätzen ist, kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt am besten beurteilen.
Quellen
Cesarman E, Damania B, Krown SE, Martin J, Bower M, Whitby D. Kaposi sarcoma. Nature reviews. Disease Primers. 2019;5(1):9. DOI: 10.1038/s41572-019-0060-9.
Onkopedia-Leitlinie Kaposi-Sarkom, DGHO, Stand April 2025. Quelle.
Reid E, Suneja G, Ambinder RF, Ard K, Baiocchi R, Barta SK, et al. AIDS-Related Kaposi Sarcoma, Version 2.2019, NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology. Journal of the National Comprehensive Cancer Network : JNCCN. 2019;17(2):171–189. DOI: 10.6004/jnccn.2019.0008.
Liew YCC, Tam YCS, Oh CC. Treatments for AIDS/HIV-related Kaposi sarcoma: A systematic review of the literature. International Journal of Dermatology. 2022;61(11):1311–1324. DOI: 10.1111/ijd.16318.
Rohner E, Wyss N, Heg Z, Faralli Z, Mbulaiteye SM, Novak U, et al. HIV and human herpesvirus 8 co-infection across the globe: Systematic review and meta-analysis. International Journal of Cancer. 2016;138(1):45–54. DOI: 10.1002/ijc.29687.
Rohner E, Kasaro M, Msadabwe-Chikuni SC, Stinson K, Mohamed Z, Tweya H, et al. Treatment and outcome of AIDS-related Kaposi sarcoma in South Africa, Malawi and Zambia: an international comparison. The Pan African Medical Journal. 2017;28:261. DOI: 10.11604/pamj.2017.28.261.11300.