Intrathekal beschreibt in der Medizin alles, was sich im oder in Zusammenhang mit dem sogenannten Liquorraum, also dem Flüssigkeitsraum rund um das Rückenmark und Gehirn, abspielt.
Was bedeutet intrathekal genau?
Der Begriff stammt aus dem Griechischen und Lateinischen und setzt sich aus „intra“ für „innen“ und „theka“ für „Hülle“ oder „Behälter“ zusammen. Gemeint ist damit der Raum innerhalb der sogenannten harten Hirnhaut, die das zentrale Nervensystem umgibt. In diesem Bereich zirkuliert der sogenannte Liquor, eine klare Körperflüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark schützt und versorgt. Wird in einem Arztbrief oder Bericht das Wort intrathekal verwendet, bezieht sich das also immer auf diesen speziellen Bereich im Körper.
Wo taucht der Begriff auf?
In der Praxis begegnet einem das Wort intrathekal vor allem bei bestimmten medizinischen Verfahren oder Medikamentengaben. Besonders bekannt ist die intrathekale Injektion, bei der ein Medikament oder ein Betäubungsmittel gezielt in den Liquorraum eingebracht wird. Das unterscheidet sich deutlich von einer normalen Spritze in den Muskel oder unter die Haut, weil der Wirkstoff direkt an das zentrale Nervensystem gelangt. Ein klassisches Beispiel dafür ist die sogenannte Spinalanästhesie, die häufig bei Operationen im Unterleib oder an den Beinen eingesetzt wird. Mehr dazu findest du im Artikel zur Spinalanästhesie.
Auch in Zusammenhang mit bestimmten Schmerztherapien oder bei der Behandlung einiger Krebsarten kann eine intrathekale Medikamentengabe notwendig sein. In seltenen Fällen wird der Begriff verwendet, um die Lage bestimmter Katheter oder Pumpen zu beschreiben, die dauerhaft Medikamente in den Liquorraum abgeben.
Warum wird ein Medikament intrathekal gegeben?
Der Liquorraum ist durch mehrere Schichten von Körpergewebe geschützt. Viele Medikamente, vor allem größere Moleküle, können diese Barriere nicht einfach überwinden, wenn sie als Tablette eingenommen oder in die Vene gespritzt werden. Durch die direkte Gabe in den Liquorraum erreicht der Wirkstoff gezielt das zentrale Nervensystem, ohne vorher den gesamten Körper durchlaufen zu müssen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn eine schnelle oder sehr gezielte Wirkung auf das Rückenmark oder das Gehirn benötigt wird.
Ein typisches Beispiel ist die Behandlung von starken, chronischen Schmerzen, bei denen andere Methoden nicht ausreichend helfen. Auch bei bestimmten Formen von Leukämie oder Hirntumoren kann eine intrathekale Therapie notwendig sein, um die Tumorzellen direkt im zentralen Nervensystem zu bekämpfen.
Wie läuft eine intrathekale Injektion ab?
Für die intrathekale Medikamentengabe wird meist eine sehr feine Nadel im Bereich der Lendenwirbelsäule vorsichtig zwischen zwei Wirbelkörper geführt. Dort durchdringt sie die harten Hüllen des Rückenmarks, bis sie den Liquorraum erreicht. Das Verfahren erinnert in seiner Technik an die Entnahme von Nervenwasser (Liquorpunktion), die ebenfalls in der Lendenregion stattfindet. Die genaue Durchführung erfolgt unter sterilen Bedingungen und wird von speziell geschultem medizinischem Personal vorgenommen.
Die eigentliche Injektion dauert meist nur wenige Minuten. Danach wird die Nadel entfernt und die Einstichstelle kurz überwacht. In manchen Fällen, zum Beispiel bei einer dauerhaften Schmerztherapie, wird ein dünner Katheter gelegt, über den Medikamente über längere Zeiträume direkt in den Liquorraum gelangen.
Gibt es Risiken oder Nebenwirkungen?
Wie bei jedem medizinischen Eingriff gibt es auch bei der intrathekalen Medikamentengabe mögliche Risiken. Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen vorübergehende Kopfschmerzen, die durch einen kleinen Verlust von Nervenwasser entstehen können. In seltenen Fällen kann es zu Infektionen, Blutungen oder einer Reizung der Nerven kommen. Bei fachgerechter Durchführung sind schwerwiegende Komplikationen jedoch selten.
Besonders wichtig ist es, die genaue Dosierung und Art des Medikaments zu beachten, da das zentrale Nervensystem empfindlich auf viele Substanzen reagiert. Deshalb wird die intrathekale Therapie immer sorgfältig geplant und überwacht.
Intrathekal im Vergleich zu anderen Begriffen
Manchmal taucht im medizinischen Sprachgebrauch auch das Wort „epidural“ auf. Damit ist ein Bereich gemeint, der zwar ebenfalls in der Nähe des Rückenmarks liegt, aber außerhalb der harten Hirnhaut. Die meisten sogenannten Periduralanästhesien, wie sie zum Beispiel bei Geburten eingesetzt werden, sind also nicht intrathekal, sondern epidural. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass bei der intrathekalen Methode das Medikament direkt in den Liquorraum gelangt, während es bei der epiduralen Methode nur in den Raum außerhalb der schützenden Hülle gespritzt wird.
Wo findet sich der Begriff noch?
In medizinischen Berichten, Befunden oder Arztbriefen kann das Wort intrathekal auch im Zusammenhang mit Diagnosen oder speziellen Messungen auftauchen. So spricht man zum Beispiel von intrathekalen Antikörpern, wenn bestimmte Abwehrstoffe im Nervenwasser nachgewiesen werden. Das spielt zum Beispiel bei der Diagnose von Entzündungen im Gehirn oder Rückenmark eine Rolle.
Zusammengefasst
Immer wenn von intrathekal die Rede ist, geht es um den Raum innerhalb der schützenden Hüllen von Gehirn und Rückenmark, in dem das Nervenwasser zirkuliert. Medikamente, die auf diesem Weg verabreicht werden, wirken direkt auf das zentrale Nervensystem. Der Begriff taucht vor allem bei bestimmten Betäubungsverfahren, speziellen Schmerztherapien und der Behandlung einiger Erkrankungen des Nervensystems auf. Wer mehr über die Anwendung bei Operationen erfahren möchte, findet weitere Informationen im Artikel zur Spinalanästhesie.