Cerenia beim Hund: Wirkung ohne Ursachenklärung

Cerenia beim Hund: Wirkung ohne Ursachenklärung

Cerenia ist ein verschreibungspflichtiges Medikament gegen Erbrechen und Übelkeit beim Hund, das den Wirkstoff Maropitant enthält. Cerenia ist dabei nur der Handelsname, Maropitant der Stoff, der tatsächlich wirkt, und es gibt ihn als Tablette und als Injektionslösung, die in der Tierarztpraxis unter die Haut gespritzt wird. Das Mittel stoppt das Erbrechen, es klärt aber nicht, woher das Erbrechen kommt. Deshalb bleibt die tierärztliche Untersuchung auch dann nötig, wenn dein Hund die Tablette oder die Spritze schon bekommen hat und es ihm sichtbar besser geht.

Wie Cerenia im Körper wirkt

Ob ein Hund erbricht, entscheidet sich nicht im Magen, sondern in einer kleinen Schaltstelle im Hirnstamm, dem sogenannten Brechzentrum. Dort laufen Meldungen aus dem Magen und Darm, aus dem Gleichgewichtsorgan im Innenohr und aus dem Blut zusammen, und wenn genug davon eintrifft, löst dieses Zentrum den Brechreflex aus. Weitergegeben werden diese Meldungen von einem Botenstoff namens Substanz P, der an einer bestimmten Andockstelle der Nervenzellen ansetzt, dem NK1-Rezeptor. Maropitant besetzt genau diese Andockstelle. Die Meldung kommt also noch an, wird aber nicht mehr in den Brechreflex übersetzt.

Vereinfacht gesagt schaltet der Wirkstoff das Alarmsignal im Gehirn ab, statt am Magen anzusetzen. Weil er so zentral eingreift, hilft er gegen ganz unterschiedliche Auslöser: gegen Übelkeit durch eine Chemotherapie, gegen Reiseübelkeit im Auto und gegen Erbrechen, das von einer Reizung im Magen-Darm-Trakt ausgeht. Ob Maropitant darüber hinaus auch Schmerzen dämpfen kann, wird in der Tiermedizin diskutiert, gesichert belegt ist dieser Zusatznutzen bislang aber nicht.

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Wann das Mittel zum Einsatz kommt

Zugelassen ist Maropitant beim Hund für mehrere Situationen, und die unterscheiden sich stärker voneinander, als es auf den ersten Blick wirkt.

Bei akutem Erbrechen und bei Übelkeit

Der häufigste Fall: Ein Hund erbricht, etwa bei einer Magenschleimhautentzündung, einer Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer Darminfektion. Hier wird das Mittel eingesetzt, um das Erbrechen zu stoppen oder ihm vorzubeugen, während die eigentliche Ursache behandelt wird. Dazu gehören immer auch unterstützende Maßnahmen wie Schonkost und der Ausgleich der verlorenen Flüssigkeit, denn wer erbricht, verliert Wasser und Salze. Auch Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie fällt in diese Gruppe.

Bei Reisekrankheit im Auto

Für die Reisekrankheit gilt ein eigenes Anwendungsschema, das sich vom Schema bei gewöhnlichem Erbrechen deutlich unterscheidet: eine andere Menge, nur an wenigen aufeinanderfolgenden Tagen und erst ab einem höheren Mindestalter des Hundes. Die Tablette soll mindestens eine Stunde vor Fahrtantritt gegeben werden, dann hält der Schutz laut Fachinformation mindestens einen halben Tag.

Zwei Punkte werden dabei oft verwechselt. Erstens ist die Injektionslösung für die Reisekrankheit ausdrücklich nicht empfohlen, dafür sind ausschließlich die Tabletten vorgesehen. Zweitens ist Maropitant kein Beruhigungsmittel und macht auch nicht müde. Ein Hund, der im Auto hechelt, zittert, jault und vor Aufregung nicht zur Ruhe kommt, wird durch das Mittel nicht entspannter, sondern erbricht nur nicht mehr. Gegen die Angst selbst braucht es etwas anderes, und darüber solltest du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt sprechen.

Rund um eine Narkose

Als Spritze wird der Wirkstoff außerdem eingesetzt, um Übelkeit und Erbrechen rund um eine Operation zu verhindern und Hunden das Aufwachen nach starken Schmerzmitteln aus der Morphingruppe zu erleichtern. Diese Anwendung entscheidet die Tierarztpraxis, sie liegt nicht in der Hand der Halter:innen.

Warum das Erbrechen trotzdem abgeklärt werden muss

Maropitant unterdrückt ein Symptom, und Erbrechen ist ein Warnsignal. Die Fachinformation warnt deshalb ausdrücklich davor, es einfach abzuschalten, ohne nach der Ursache zu suchen: Erbrechen kann Ausdruck einer ernsten, sogar lebensbedrohlichen Erkrankung sein, unter anderem eines Darmverschlusses durch einen verschluckten Fremdkörper oder durch einen ineinandergeschobenen Darmabschnitt. Wird in so einem Fall nur das Erbrechen gedämpft, wirkt der Hund vorübergehend ruhiger, während sich das eigentliche Problem im Bauch ungestört weiterentwickelt. Das Mittel verschafft also Erleichterung, es ersetzt aber keine Diagnose.

Wann Erbrechen ein Notfall ist

Es gibt Situationen, in denen ein erbrechender Hund sofort in die Tierarztpraxis oder Tierklinik gehört und in denen ein Mittel gegen Erbrechen für sich allein die falsche Antwort wäre. Dazu zählen anhaltendes, erfolgloses Würgen und ein aufgeblähter, harter Bauch, was auf eine Magendrehung hindeuten kann, sowie der Verdacht, dass dein Hund einen Gegenstand verschluckt oder etwas Giftiges gefressen hat. Auch blutiges Erbrechen, Erbrechen zusammen mit Fieber, starken Schmerzen oder auffälliger Teilnahmslosigkeit und Erbrechen, das über mehrere Tage anhält, gehören abgeklärt. Bei einer nicht kastrierten Hündin, die erbricht und dabei Ausfluss aus der Scheide hat, viel trinkt und matt wirkt, kommt eine Gebärmuttervereiterung infrage, die schnell lebensbedrohlich werden kann.

Wie schnell und wie lange es wirkt

Nach der Gabe dauert es etwa eine Stunde, bis ausreichend Wirkstoff im Körper angekommen ist und die Wirkung einsetzt. Deshalb wird das Mittel dort, wo Übelkeit absehbar ist, mindestens eine Stunde im Voraus gegeben, also vor der Autofahrt oder vor einer Chemotherapie-Sitzung. Bei einem Hund, der akut erbricht, greift die Spritze in der Tierarztpraxis entsprechend nicht sofort, sondern im Lauf der folgenden Stunde.

Danach hält die Wirkung rund einen Tag an, und das ist der eigentliche praktische Vorteil gegenüber älteren Mitteln gegen Erbrechen: Eine Gabe pro Tag reicht, statt den Hund mehrfach täglich behandeln zu müssen. Wie zuverlässig das wirkt, zeigt eine Untersuchung an 222 Hunden, die vor einem Eingriff ein starkes Schmerzmittel aus der Morphingruppe bekamen. Von den Hunden, die vorher Maropitant erhalten hatten, erbrach oder würgte gut ein Drittel, in der Vergleichsgruppe ohne den Wirkstoff waren es rund drei von vier.

Wie lange und wie viel dein Hund bekommen darf

Die Dauer legt die Tierarztpraxis fest

Für die Anwendungsdauer gibt es eine klare Obergrenze, und sie ist je nach Darreichungsform und Anlass unterschiedlich: Die Spritze ist nur für einige Tage am Stück vorgesehen, die Tabletten dürfen bei anhaltendem Erbrechen über einen längeren, aber ebenfalls begrenzten Zeitraum gegeben werden, und für die Reisekrankheit sind nur wenige aufeinanderfolgende Tage zugelassen. Der Grund für diese Grenzen ist einfach: Wenn ein Hund über Tage hinweg erbricht, ist nicht die Dauerbehandlung des Symptoms die Lösung, sondern die Klärung der Ursache. Wie lange dein Hund das Mittel bekommt, legt deshalb die Tierärztin oder der Tierarzt fest, und wenn das Erbrechen nach dem Absetzen zurückkommt, ist das ein Grund für eine erneute Vorstellung, nicht für eine Verlängerung auf eigene Faust.

Warum du die Menge nicht selbst berechnen kannst

Wie viel dein Hund bekommt, richtet sich nach seinem Körpergewicht, nach der Darreichungsform und vor allem danach, wofür das Mittel gegeben wird, denn die Menge gegen Reisekrankheit ist eine andere als die gegen gewöhnliches Erbrechen. Genau deshalb findest du hier bewusst keine Zahlen. Dosierungsrechner aus dem Internet, Restbestände aus einer früheren Behandlung oder die Tabletten eines anderen Hundes führen leicht zu einer zu hohen oder einer wirkungslos niedrigen Menge, und bei jungen Welpen sowie bei tragenden und säugenden Hündinnen ist die Sicherheit ohnehin nicht ausreichend untersucht. Halte dich an die verordnete Menge und die mitgegebene Packung, und frag in der Tierarztpraxis nach, wenn dein Hund die Tablette wieder ausgespuckt hat oder du dir bei der Gabe unsicher bist.

Welche Nebenwirkungen möglich sind

Schmerz an der Einstichstelle

Die mit Abstand häufigste Nebenwirkung betrifft die Spritze: Der Einstich unter die Haut tut vielen Hunden kurz weh, das ist bei mehr als einem von zehn behandelten Tieren zu erwarten und damit sehr häufig. Manche Hunde zucken, fiepen oder drehen sich um. Das liegt nicht am Wirkstoff selbst, sondern an einem Konservierungsmittel in der Lösung. Praktisch lässt sich etwas dagegen tun, und die Fachinformation empfiehlt es ausdrücklich: Wird die Lösung gekühlt aus dem Kühlschrank gespritzt, fällt der Schmerz geringer aus. Wenn dein Hund beim letzten Mal deutlich reagiert hat, kannst du das in der Tierarztpraxis ansprechen. Der Schmerz ist kurz und hinterlässt in aller Regel keinen Schaden.

Seltene, aber ernste Reaktionen

Sehr selten, bei weniger als einem von 10.000 behandelten Tieren, kommt es zu einer allergieartigen Reaktion mit Schwellungen, Quaddeln auf der Haut, geröteter oder blasser Schleimhaut, Atemnot oder Kreislaufzusammenbruch. Ebenfalls sehr selten wurden ausgeprägte Teilnahmslosigkeit und Störungen des Nervensystems beobachtet, etwa ein schwankender Gang, Muskelzittern oder ein Krampfanfall. Solche Reaktionen sind ein Fall für die sofortige tierärztliche Vorstellung. Gemessen daran, wie oft der Wirkstoff eingesetzt wird, sind sie ausgesprochen ungewöhnlich.

Erbrechen als Nebenwirkung

Etwas widersprüchlich klingt die dritte Nebenwirkung: Nach der Tablette kann ein Hund erbrechen, meist innerhalb der ersten beiden Stunden und typischerweise vor einer Autofahrt, wenn die höhere Menge gegen Reisekrankheit gegeben wurde. Das kommt bei bis zu einem von zehn behandelten Hunden vor. Ärgerlich ist das vor allem, weil damit unklar ist, wie viel Wirkstoff im Hund geblieben ist. Ruf in dem Fall in der Tierarztpraxis an, statt einfach nachzugeben.

Wann besondere Vorsicht nötig ist

Formale Gegenanzeigen, bei denen das Mittel gar nicht gegeben werden darf, nennt die Fachinformation nicht. Es gibt aber Situationen, in denen Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden. Bei Hunden mit einer Herzerkrankung oder einer entsprechenden Veranlagung ist Vorsicht geboten, denn Maropitant beeinflusst in geringem Maß die elektrische Erholungsphase des Herzens; bei gesunden Hunden gilt das als klinisch nicht bedeutsam, bei einem vorbelasteten Herzen schaut die Tierärztin oder der Tierarzt aber genauer hin. Gleichzeitig mit Medikamenten aus der Gruppe der Calciumkanalblocker, die bei Herz- und Blutdruckproblemen eingesetzt werden, soll der Wirkstoff nicht angewendet werden.

Auch eine Lebererkrankung ist ein Grund zur Vorsicht, weil der Wirkstoff über die Leber abgebaut wird und sich bei längerer Anwendung im Körper anreichert; die Leberwerte werden dann im Blick behalten. Erwähne beim Termin deshalb alle Medikamente, die dein Hund sonst noch bekommt, und bestehende Vorerkrankungen. Und wenn dein Hund unter der Behandlung zwar nicht mehr erbricht, aber weiterhin schlapp ist, nicht frisst oder Bauchschmerzen zeigt, ist das kein Zeichen für Geduld, sondern für einen neuen Termin.

Quellen

Europäische Kommission, EMA. Cerenia 16/24/60/160 mg Tabletten für Hunde. Summary of Product Characteristics (Annex I). Stand Juni 2023. Quelle.

Veterinary Medicines Directorate (VMD). Cerenia 10 mg/ml Injektionslösung für Hunde und Katzen. Summary of Product Characteristics. Revidiert Februar 2024. Quelle.

Koh RB, Isaza N, Xie H, Cooke K, Robertson SA. Effects of maropitant, acepromazine, and electroacupuncture on vomiting associated with administration of morphine in dogs. J Am Vet Med Assoc. 2014;244(7):820-829. doi:10.2460/javma.244.7.820.

Deckers N, Ruigrok CA, Verhoeve HP, Lourens N. Comparison of pain response after subcutaneous injection of two maropitant formulations to beagle dogs. Vet Rec Open. 2018;5(1):e000262. doi:10.1136/vetreco-2017-000262.

Sharun K, Jambagi K, Arya M, et al. Clinical Applications of Substance P (Neurokinin-1 Receptor) Antagonist in Canine Medicine. Arch Razi Inst. 2021;76(5):1175-1182. doi:10.22092/ari.2021.356171.1797.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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