Woran du eine Pyometra erkennst
Das Zeichen, das den meisten Halter:innen zuerst auffällt, ist ein deutlich gesteigerter Durst: Der Napf ist ständig leer, und die Hündin muss auch nachts oder plötzlich wieder in der Wohnung Wasser lassen. Dazu kommen Mattigkeit und Schlappheit, wenig oder gar kein Appetit, Erbrechen, manchmal Fieber und ein aufgetriebener, dicker wirkender Bauch. Bei der offenen Form läuft zusätzlich eitriger oder blutig-eitriger Ausfluss ab, der oft unangenehm riecht.
Jedes dieser Zeichen für sich kann harmlos sein. Zusammen mit einer Läufigkeit, die einige Wochen zurückliegt, und einer Hündin, die nicht kastriert ist, ergeben sie aber genau das Bild, bei dem in der Tierarztpraxis sofort an eine Pyometra gedacht wird. Warte in dieser Situation nicht ab, ob es am nächsten Tag besser aussieht, sondern ruf noch am selben Tag in der Praxis an und sag, dass deine Hündin nicht kastriert und vor Kurzem läufig war.
Mit Ausfluss und ohne: die offene und die geschlossene Form
Ob Eiter nach außen abfließt oder nicht, hängt daran, ob der Muttermund geöffnet oder verschlossen ist. Der Muttermund ist der Ausgang der Gebärmutter zur Scheide hin, und danach werden die beiden Formen benannt.
Die offene Form
Ist der Muttermund geöffnet, läuft der Eiter ab. Halter:innen finden dann Flecken auf dem Liegeplatz, verklebtes Fell unter dem Schwanz, oder ihnen fällt auf, dass die Hündin sich auffällig oft leckt. Das ist die häufigere der beiden Formen, in einer Untersuchung an 111 erkrankten Hündinnen betraf sie rund zwei Drittel der Tiere. Der sichtbare Ausfluss ist unangenehm, aber er ist auch der Grund, warum diese Form oft früher bemerkt wird.
Die geschlossene Form
Ist der Muttermund verschlossen, bleibt der Eiter in der Gebärmutter, die sich dabei immer weiter füllt. Nach außen ist nichts zu sehen, und trotzdem kann es der Hündin sehr schlecht gehen. In derselben Untersuchung waren die Hündinnen mit geschlossener Form bei der Vorstellung in der Klinik im Schnitt kränker, und eine Blutvergiftung war bei ihnen deutlich häufiger. Gemeint ist damit, dass die Infektion nicht mehr auf die Gebärmutter begrenzt bleibt, sondern den ganzen Körper erfasst und Kreislauf und Organe belastet.
Das heißt nicht, dass die geschlossene Form zwangsläufig die tödlichere wäre, denn in dieser Untersuchung starben die fünf Hündinnen, die es nicht schafften, sogar alle an der offenen Form. Tückisch ist sie aus einem anderen Grund: Das auffälligste Warnzeichen fehlt, und deshalb kommen diese Hündinnen leicht später in die Praxis, als sie es bräuchten.
Wie eine Gebärmuttervereiterung entsteht und wie schnell es geht
Nach jeder Läufigkeit stellt sich der Körper der Hündin auf eine mögliche Trächtigkeit ein. Das Gelbkörperhormon Progesteron lässt die Gebärmutterschleimhaut dicker werden und Sekret bilden, und gleichzeitig ist die Abwehr in der Gebärmutter in dieser Zeit heruntergefahren. Genau dann können Bakterien, die aus der Scheide aufsteigen, in der Gebärmutter ideale Bedingungen vorfinden und sich stark vermehren, meist Kolibakterien, die normalerweise im Darm leben. Weil sich dieses hormonelle Muster mit jeder Läufigkeit wiederholt und die Schleimhaut über die Jahre umbaut, trifft es ältere Hündinnen häufiger als junge.
Deshalb liegt der gefährliche Zeitraum in den Wochen nach einer Läufigkeit und nicht während der Blutung selbst. Von den ersten unauffälligen Anzeichen bis zu einer wirklich kranken Hündin kann es dann schnell gehen, sodass sich der Zustand innerhalb weniger Tage spürbar verschlechtert. Das ist der Grund, warum bei dieser Kombination aus Vorgeschichte und Symptomen nicht bis zum Wochenende oder bis zum nächsten regulären Termin gewartet wird.
Was in der Tierarztpraxis passiert
Die Diagnose ist meist schnell gestellt. Im Ultraschall lässt sich eine mit Flüssigkeit gefüllte, erweiterte Gebärmutter gut erkennen, und dieses Bild zusammen mit der Vorgeschichte reicht in der Regel schon aus. Eine Blutuntersuchung zeigt zusätzlich, wie stark der Körper insgesamt betroffen ist, vor allem an den weißen Blutkörperchen als Zeichen der Infektion und an den Nierenwerten. Hilfreich ist, wenn du sagen kannst, wann deine Hündin zuletzt läufig war und was sich seitdem verändert hat.
Wie behandelt wird
Die Operation
Der Standard ist die Operation, bei der Gebärmutter und Eierstöcke entfernt werden, also eine Kastration, die zugleich den Krankheitsherd beseitigt. Begleitend bekommt die Hündin Infusionen zur Kreislaufstabilisierung und ein Antibiotikum. Die Aussichten sind dabei gut: In einer Untersuchung aus dem Jahr 2022 an 133 operierten Hündinnen, teils in Überweisungskliniken, teils in ambulanten Praxen, überlebten 97 Prozent bis zur Entlassung. Für eine Erkrankung, die unbehandelt tödlich verläuft, ist das eine sehr beruhigende Zahl, und sie gilt für Hündinnen, die rechtzeitig in Behandlung kamen.
Wenn Medikamente infrage kommen
Für einen Teil der Hündinnen kommt eine Behandlung mit dem Wirkstoff Aglepriston infrage, oft ergänzt durch ein Antibiotikum. Aglepriston hebt die Wirkung des Gelbkörperhormons an der Gebärmutter auf, sodass sich der Muttermund öffnet und die Gebärmutter sich entleeren kann. Das kommt vor allem für jüngere, kreislaufstabile Hündinnen mit offener Form und Zuchtwunsch infrage, nicht für schwer kranke Tiere.
Wie gut das ausgeht, schwankt allerdings stark. In einer kleineren Nachbeobachtung von 28 Hündinnen, die den Wirkstoff allein bekamen, erholten sich rund drei von vier, aber knapp die Hälfte davon erkrankte im Lauf des folgenden Jahres erneut. In einer größeren Serie mit 174 Hündinnen, bei denen zusätzlich ein Medikament die Entleerung der Gebärmutter unterstützte, erholten sich fast alle und Rückfälle waren selten. Wie erfolgreich dieser Weg ist, hängt also spürbar vom genauen Behandlungsschema ab, und eine dauerhafte Lösung ist er nicht: Solange die Gebärmutter bleibt, kann eine Pyometra wiederkommen.
Was den Verlauf gefährlich machen kann
Gefährlich wird eine Pyometra vor allem dann, wenn die Infektion den ganzen Körper erfasst und Kreislauf und Organe mitleiden. Besonders die Nieren geraten dabei unter Druck. In einer Untersuchung an 41 erkrankten Hündinnen hatten diejenigen, die trotz Behandlung starben, deutlich schlechtere Nierenwerte als die überlebenden Tiere. Genau deshalb wird bei der Erstuntersuchung Blut abgenommen, und ebenso zählt der Zeitpunkt: Je früher die Gebärmutter versorgt ist, desto weniger kann der Körper Schaden nehmen.
Was davor schützt
Eine kastrierte Hündin kann keine Pyometra bekommen, weil mit Gebärmutter und Eierstöcken sowohl das betroffene Organ als auch der hormonelle Auslöser wegfallen. In seltenen Fällen kann sich nach einer Kastration am verbliebenen Gebärmutterstumpf trotzdem eine Entzündung entwickeln, etwa wenn Eierstockgewebe zurückgeblieben ist. Zeigt eine kastrierte Hündin diese Beschwerden, gehört sie deshalb genauso in die Tierarztpraxis. Wie hoch das Risiko ohne Kastration ist, zeigt eine große schwedische Auswertung von Tierversicherungsdaten mit über 200.000 Hunden: Unter den nicht kastrierten Hündinnen erkrankte etwa jede vierte bis zum zehnten Lebensjahr mindestens einmal, je nach Rasse deutlich seltener oder deutlich häufiger. Diese Auswertung stammt aus den 1990er-Jahren und ist damit alt, wird aber bis heute als Bezugsgröße herangezogen, weil keine neuere Untersuchung dieser Größenordnung vorliegt.
Ob und wann kastriert wird, ist trotzdem keine Entscheidung, die sich auf eine Zahl reduzieren lässt. Alter, Rasse, Gesundheitszustand, Zuchtpläne und die Lebenssituation spielen genauso hinein, und dafür ist das Gespräch in der Tierarztpraxis der richtige Ort. Wenn deine Hündin nicht kastriert ist, hilft schon eine einfache Gewohnheit: Notier dir, wann sie läufig war, und geh in den Wochen danach bei starkem Durst, Mattigkeit, Erbrechen oder Ausfluss lieber einmal zu früh in die Praxis als einmal zu spät.
Quellen
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