Antithrombinmangel – Risiko richtig einschätzen

Antithrombinmangel – Risiko richtig einschätzen

PD Dr. med. Witold Polanski

Antithrombinmangel bedeutet, dass der Körper zu wenig von dem Eiweiß Antithrombin herstellt oder dass dieses Eiweiß nicht richtig funktioniert. Antithrombin ist ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Schutzsystems gegen Blutgerinnsel.

Die Rolle von Antithrombin im Blut

Antithrombin ist ein Eiweiß, das in der Leber gebildet wird und im Blut zirkuliert. Seine Hauptaufgabe besteht darin, die Blutgerinnung zu bremsen. Es sorgt dafür, dass das Gleichgewicht zwischen Gerinnung und Auflösung von Blutgerinnseln erhalten bleibt. Ohne diese Bremse könnten sich im Körper zu leicht Gerinnsel bilden, die dann Blutgefäße verstopfen.

Blutgerinnung ist grundsätzlich ein lebenswichtiger Prozess. Sie schützt nach einer Verletzung vor zu starkem Blutverlust. Wird diese Gerinnung aber nicht rechtzeitig gestoppt, können sich auch ohne Verletzung gefährliche Blutgerinnsel entwickeln. Hier kommt Antithrombin ins Spiel: Es schaltet bestimmte Gerinnungsfaktoren aus und verhindert so, dass das Blut zu leicht verklumpt.

Mehr zu den Abläufen der Blutgerinnung findest du im Artikel zur Hämostaseologie.

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Was bedeutet ein Mangel an Antithrombin?

Bei einem Antithrombinmangel ist entweder zu wenig von diesem Eiweiß im Blut, oder das Antithrombin funktioniert nicht richtig. Das kann angeboren sein, also durch eine genetische Veränderung verursacht werden. Manchmal entsteht der Mangel aber auch erst im Laufe des Lebens, zum Beispiel durch bestimmte Erkrankungen der Leber, durch schwere Infektionen oder während einer Schwangerschaft.

Ein Antithrombinmangel führt dazu, dass das Blut leichter gerinnt als normalerweise. Die natürliche Bremse fehlt oder ist zu schwach. Das erhöht das Risiko, dass sich sogenannte Thrombosen bilden. Dabei handelt es sich um Blutgerinnsel, die meist in den tiefen Beinvenen entstehen. Gelangen solche Gerinnsel in die Lunge, kann es zu einer Lungenembolie kommen, einer ernsten und manchmal lebensbedrohlichen Situation.

Symptome und mögliche Folgen

Viele Menschen mit Antithrombinmangel merken zunächst nichts von der Störung. Beschwerden treten oft erst dann auf, wenn tatsächlich ein Blutgerinnsel entsteht. Typische Anzeichen einer Thrombose sind Schmerzen, Schwellungen und eine bläuliche Verfärbung des betroffenen Beins. Bei einer Lungenembolie können plötzlich Atemnot, Brustschmerzen und Herzrasen auftreten.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Person mit Antithrombinmangel entwickelt im Laufe des Lebens eine Thrombose. Das Risiko ist jedoch deutlich erhöht, besonders in Situationen, die eine Gerinnselbildung begünstigen, etwa nach Operationen, bei längerer Bettlägerigkeit, in der Schwangerschaft oder bei der Einnahme von bestimmten Medikamenten.

Wie wird ein Antithrombinmangel festgestellt?

Ein Verdacht auf Antithrombinmangel ergibt sich oft, wenn wiederholt Thrombosen auftreten oder wenn in der Familie bereits ähnliche Fälle bekannt sind. Die Diagnose erfolgt durch eine Blutuntersuchung. Dabei wird gemessen, wie viel Antithrombin im Blut vorhanden ist und ob es richtig funktioniert.

In manchen Fällen sind weitere Tests nötig, um herauszufinden, ob der Mangel angeboren oder erworben ist. Auch andere Gerinnungsstörungen werden oft gleichzeitig untersucht, um das persönliche Risiko besser einzuschätzen.

Ist Antithrombinmangel gefährlich?

Die Diagnose kann verunsichern, weil das Wort „Mangel“ schnell Angst macht. Für viele Menschen ist es beruhigend zu wissen, dass ein Antithrombinmangel nicht zwangsläufig zu schweren Problemen führen muss. Das Risiko für Thrombosen ist aber erhöht, und das sollte ernst genommen werden.

Gerade bei geplanten Operationen, längeren Reisen oder in der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht geboten. In diesen Situationen kann es sinnvoll sein, vorbeugend Medikamente einzunehmen, die die Blutgerinnung hemmen. Die Entscheidung darüber trifft immer eine Ärztin oder ein Arzt nach sorgfältiger Abwägung.

Behandlung und was du selbst tun kannst

Die Behandlung hängt davon ab, wie ausgeprägt der Mangel ist und ob bereits Thrombosen aufgetreten sind. Oft reicht es, das persönliche Risiko zu kennen und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. In besonderen Situationen, etwa bei Operationen oder Entbindungen, werden manchmal Medikamente wie Heparin gegeben, um die Gerinnung zu bremsen.

Bei schwerem oder wiederholt auftretendem Mangel kann auch ein Ersatz des fehlenden Antithrombins durch Infusionen notwendig sein. Das ist jedoch selten. In den meisten Fällen steht die Vorbeugung im Mittelpunkt.

Wer weiß, dass ein Antithrombinmangel vorliegt, kann einiges selbst tun: Viel Bewegung im Alltag, das Vermeiden von langem Sitzen oder Stehen, ausreichend Trinken und das Tragen von Kompressionsstrümpfen bei längeren Reisen helfen, das Thromboserisiko zu senken. Auch das Rauchen erhöht die Gefahr von Blutgerinnseln und sollte möglichst eingestellt werden.

Wann sollte auf Antithrombinmangel getestet werden?

Ein Test ist sinnvoll, wenn bereits in jungen Jahren Thrombosen auftreten, wenn es in der Familie bekannte Fälle von Antithrombinmangel oder wiederholten Thrombosen gibt oder wenn Thrombosen an ungewöhnlichen Stellen im Körper entstehen. Auch bei wiederholten Fehlgeburten kann eine Gerinnungsstörung als Ursache in Betracht gezogen werden.

Falls ein Antithrombinmangel festgestellt wird, ist es ratsam, dass auch nahe Verwandte untersucht werden. So können Risiken früh erkannt und vorbeugende Maßnahmen eingeleitet werden.

Leben mit Antithrombinmangel

Mit dem Wissen um die eigene Veranlagung lässt sich das Risiko für Komplikationen deutlich senken. Viele Menschen mit Antithrombinmangel leben ohne größere Einschränkungen. Wichtig ist, die typischen Warnzeichen einer Thrombose oder Lungenembolie zu kennen und im Zweifel frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und ein Bewusstsein für Risikosituationen helfen, Probleme zu vermeiden. Wer gut informiert ist, kann im Alltag meist unbesorgt bleiben und sich gezielt schützen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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