Anomalie: Was eine Abweichung sagt

Anomalie: Was eine Abweichung sagt

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Eine Anomalie ist eine Abweichung von der normalen Entwicklung, Struktur oder Funktion eines Organs, Gewebes oder Prozesses im menschlichen Körper. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Unregelmäßigkeit“ oder „Abweichung vom Gewohnten“. In der Medizin wird damit beschrieben, dass etwas anders ist als bei den meisten Menschen, ohne dass damit sofort eine Krankheit gemeint sein muss.

Was bedeutet eine Anomalie im medizinischen Zusammenhang?

Im ärztlichen Befund taucht das Wort Anomalie oft auf, wenn bei einer Untersuchung eine Besonderheit entdeckt wird, die nicht der üblichen Norm entspricht. Das kann zum Beispiel eine ungewöhnliche Form eines Organs sein, eine zusätzliche Struktur oder eine Veränderung, die bei den meisten Menschen nicht vorkommt. Es handelt sich dabei nicht automatisch um eine Krankheit, sondern zunächst nur um eine Feststellung, dass etwas anders ist als erwartet.

Solche Abweichungen können angeboren sein, also bereits vor der Geburt entstehen, oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Ein bekanntes Beispiel ist eine zusätzliche Rippe am Hals, die sogenannte Halsrippe. Auch Veränderungen an Herzklappen, die von Geburt an bestehen, werden als Anomalien bezeichnet. In manchen Fällen bleibt eine Anomalie das ganze Leben lang unbemerkt und verursacht keinerlei Beschwerden.

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Wann ist eine Anomalie harmlos und wann nicht?

Nicht jede Anomalie ist automatisch gefährlich oder behandlungsbedürftig. Viele Menschen leben mit kleinen oder größeren Besonderheiten, ohne dass dies Auswirkungen auf die Gesundheit hat. So gibt es etwa Menschen mit einer leichten Verlagerung der Nieren oder einer ungewöhnlichen Form der Gebärmutter, die keinerlei Probleme bereiten.

Manche Anomalien können jedoch zu Beschwerden führen oder das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt davon ab, welche Funktion des Körpers betroffen ist und ob dadurch Symptome entstehen. Ein Beispiel: Eine Anomalie der Herzscheidewand, wie ein sogenanntes Vorhofseptumdefekt, kann, je nach Größe, unbemerkt bleiben oder zu Herzproblemen führen. In solchen Fällen wird nach genauer Untersuchung entschieden, ob ein Eingriff nötig ist.

Wie werden Anomalien festgestellt?

Ärztinnen und Ärzte entdecken Anomalien häufig im Rahmen von Routineuntersuchungen, bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, Röntgen oder MRT. Manchmal fallen sie auch erst bei speziellen Beschwerden auf, etwa wenn ein Organ nicht wie erwartet arbeitet. In vielen Fällen wird dann genauer geprüft, ob die Abweichung eine Bedeutung für die Gesundheit hat.

Gerade bei Schwangeren werden im Rahmen der pränatalen Diagnostik gezielt nach Anomalien beim ungeborenen Kind gesucht. Dabei können sehr unterschiedliche Veränderungen auffallen, von harmlosen Besonderheiten bis hin zu schwerwiegenden Fehlbildungen wie einer Anencephalie, bei der ein Teil des Gehirns nicht ausgebildet wird.

Typische Beispiele für Anomalien

Anomalien können viele verschiedene Formen annehmen. Häufige Beispiele sind zusätzliche Finger oder Zehen, eine ungewöhnliche Form der Wirbelsäule, Veränderungen an den Herzklappen oder auch seltene Blutgruppenkombinationen. In der Zahnmedizin spricht man von Zahnstellungsanomalien, wenn Zähne schief stehen oder sich überlagern. Auch bestimmte Veränderungen im Erbgut, sogenannte genetische Anomalien, können vorliegen und zu unterschiedlichen Krankheitsbildern führen.

Nicht immer sind solche Besonderheiten mit gesundheitlichen Problemen verbunden. Oft sind sie eher eine medizinische Kuriosität, die im Alltag keine Rolle spielt.

Was tun, wenn eine Anomalie festgestellt wird?

Der Fund einer Anomalie im Befund oder Arztbrief ist zunächst eine sachliche Beschreibung. Ob daraus ein Handlungsbedarf entsteht, hängt von vielen Faktoren ab. Wichtig ist, zu klären, ob die Abweichung Beschwerden verursacht oder das Risiko für Folgeerkrankungen erhöht. In manchen Fällen empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Falls Symptome auftreten oder die Funktion eines Organs eingeschränkt ist, wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt das weitere Vorgehen besprochen.

Es ist ganz normal, bei einer solchen Feststellung zunächst verunsichert zu sein. Viele Anomalien sind jedoch harmlos und bedürfen keiner Behandlung. Entscheidend ist, die Bedeutung der jeweiligen Besonderheit im Zusammenhang mit der eigenen Gesundheit zu betrachten.

Gibt es Möglichkeiten, selbst etwas zu tun?

Bei den meisten Anomalien handelt es sich um angeborene oder zufällig entdeckte Besonderheiten, auf die kein Einfluss genommen werden kann. Wichtig ist, auf Veränderungen im eigenen Befinden zu achten und ärztliche Empfehlungen zu befolgen. Eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen und das offene Gespräch mit Fachleuten helfen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu handeln, falls es notwendig wird.

Bei Unsicherheiten ist es sinnvoll, gezielt nachzufragen, was die festgestellte Anomalie im eigenen Fall bedeutet. So lässt sich am besten einschätzen, ob eine Kontrolle, weitere Diagnostik oder gar eine Behandlung erforderlich ist, oder ob die Besonderheit einfach Teil der eigenen Individualität bleibt.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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