Amaurosis fugax bezeichnet eine plötzlich auftretende, meist nur wenige Minuten anhaltende Erblindung auf einem Auge, die in der Regel vollständig wieder verschwindet. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „flüchtige Blindheit“.
Wenn das Sehen plötzlich verschwindet
Stell dir vor, das Blickfeld auf einem Auge verdunkelt sich wie bei einem Vorhang, manchmal nur für Sekunden, manchmal für einige Minuten. Genau so beschreiben es viele Menschen, die eine amaurosis fugax erleben. Meistens tritt diese Sehstörung ganz unerwartet auf, oft ohne Schmerzen. Nach kurzer Zeit kehrt das Sehvermögen in den meisten Fällen von selbst zurück. Das Ereignis kann sehr beängstigend sein, weil es sich anfühlt, als würde das Auge plötzlich „ausfallen“.
Was steckt dahinter?
Die Ursache ist fast immer eine Durchblutungsstörung im Auge. Besonders häufig liegt ein vorübergehender Verschluss in einer der Arterien vor, die das Auge mit Sauerstoff versorgen. In den meisten Fällen ist die sogenannte Arteria centralis retinae betroffen. Verantwortlich dafür sind meist winzige Blutgerinnsel oder Ablagerungen, die aus anderen Bereichen des Körpers, zum Beispiel aus der Halsschlagader, ins Auge gelangen. Sie verstopfen kurzfristig das Gefäß, sodass die Netzhaut nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Sobald sich der Pfropf weiterbewegt oder auflöst, ist die Durchblutung wiederhergestellt und das Sehen kehrt zurück.
Warum ist eine amaurosis fugax ein Warnsignal?
Auch wenn sich das Sehvermögen nach kurzer Zeit normalisiert, steckt hinter einer amaurosis fugax oft mehr als nur eine harmlose Sehstörung. Sie gilt als Warnsignal für eine mögliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Das Risiko für einen Schlaganfall oder eine transitorisch ischämische Attacke (TIA) ist nach einem solchen Ereignis erhöht. Denn die gleichen Ablagerungen oder Gerinnsel, die das Auge betreffen, können auch andere Blutgefäße im Kopf verstopfen. Deswegen ist es so wichtig, die Ursache rasch abklären zu lassen und nicht einfach abzuwarten.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Nach einer amaurosis fugax sollte möglichst bald eine ärztliche Abklärung erfolgen. In der Regel beginnt die Untersuchung mit einer ausführlichen Schilderung des Vorfalls. Wichtig sind Fragen wie: Wie lange hielt die Erblindung an? War wirklich nur ein Auge betroffen? Gab es weitere Symptome wie Sprachstörungen, Schwächegefühl oder Taubheit? Anschließend folgt eine Untersuchung der Augen und der Blutgefäße am Hals. Häufig wird ein Ultraschall der Halsschlagader gemacht, um Ablagerungen oder Engstellen zu erkennen. Auch eine Blutuntersuchung und manchmal ein EKG gehören dazu, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen auszuschließen. Je nach Befund können weitere Untersuchungen wie ein MRT des Kopfes notwendig sein.
Ist eine amaurosis fugax gefährlich?
Viele Menschen erschrecken verständlicherweise, wenn sie plötzlich nichts mehr sehen. Die gute Nachricht: Das Sehvermögen kommt in den allermeisten Fällen nach kurzer Zeit zurück. Trotzdem sollte das Ereignis sehr ernst genommen werden, da es einen drohenden Schlaganfall ankündigen kann. Studien zeigen, dass das Risiko für einen Schlaganfall innerhalb der nächsten Tage und Wochen nach einer amaurosis fugax deutlich erhöht ist. Deshalb ist eine schnelle Abklärung so wichtig. Wer rechtzeitig behandelt wird, kann das Risiko für schwerwiegende Folgen deutlich senken.
Was kann man selbst tun?
Wer eine plötzliche, vorübergehende Erblindung erlebt, sollte nicht zögern und sofort ärztliche Hilfe suchen. Auch wenn das Sehen rasch wiederkehrt, ist es ratsam, sich spätestens am nächsten Tag in einer Klinik oder bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt vorzustellen. Bis zur Abklärung sollten keine besonderen Aktivitäten unternommen werden, die das Risiko für einen Sturz oder Unfall erhöhen könnten.
Langfristig helfen vor allem Maßnahmen, die die Gefäße schützen: Blutdruck und Blutzucker gut einstellen, auf eine ausgewogene Ernährung achten, regelmäßig bewegen und das Rauchen aufgeben. Wer bereits Medikamente gegen Blutgerinnsel oder zur Senkung des Cholesterins einnimmt, sollte diese konsequent weiternehmen und die ärztlichen Kontrollen wahrnehmen.
Behandlung und weitere Schritte
Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Wird eine Verengung der Halsschlagader entdeckt, kann eine Operation oder ein Eingriff zur Erweiterung des Gefäßes notwendig sein. Oft werden blutverdünnende Medikamente verschrieben, um das Risiko für weitere Durchblutungsstörungen zu senken. Wichtig ist auch, alle Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder hohe Cholesterinwerte optimal einzustellen. In manchen Fällen empfehlen Ärztinnen und Ärzte zusätzliche Untersuchungen, um andere Ursachen auszuschließen.
Was viele wissen möchten
Eine amaurosis fugax ist kein endgültiger Sehverlust, sondern ein Warnzeichen, das ernst genommen werden muss. Wer einmal ein solches Ereignis erlebt hat, sollte sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und auf eine gründliche Abklärung zu bestehen. Die Angst vor einem erneuten Anfall oder einem Schlaganfall ist verständlich, doch mit einer schnellen Diagnose und der richtigen Behandlung lässt sich das Risiko deutlich verringern. Wer auf Warnsignale des Körpers achtet und Risikofaktoren aktiv angeht, kann viel für die eigene Gesundheit tun.