Patient nutzt Simply Onno im Wartezimmer

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Studie in NEJM AI: Wer den eigenen Befund vorher versteht, bewertet das Arztgespräch besser

Studie in NEJM AI: Wer den eigenen Befund vorher versteht, bewertet das Arztgespräch besser

Pressemitteilung

15.10.2026

Studie in NEJM AI: Wer seinen Befund vorher versteht, bewertet das Arztgespräch besser

Berlin, 16. Oktober 2026. Patient:innen, die ihren Befund vor dem Termin in verständlicher Sprache gelesen hatten, bewerteten das anschließende Arztgespräch besser und fühlten sich stärker in Entscheidungen einbezogen. Gleichzeitig waren die Gespräche etwa sieben Minuten kürzer. Das zeigt die randomisierte Studie AI-INFOCARE der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum und der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus Dresden, die am 15.10.2026 im Fachjournal NEJM AI erschienen ist. Die Zusammenfassungen entstanden mit der Software des Berliner Start-ups Simply Onno, Kooperationspartner der Studie.

Die wichtigen Fragen fallen einem erst auf dem Heimweg ein

Die Situation kennen die meisten, die schon einmal einen Befund bekommen haben. Man sitzt im Termin, bekommt das Grundsätzliche erklärt und nickt. Für die Fragen, auf die es wirklich ankommt, bleibt keine Zeit, oder sie fallen einem erst später ein, auf dem Heimweg oder abends vor dem Laptop, wenn das erste Gehörte verdaut ist.

Genau an diesem Punkt setzt die Dresdner Studie an. Sie hat untersucht, was sich im Gespräch verändert, wenn Patient:innen ihren eigenen Befund schon vorher verstanden haben.

Wie die Studie aufgebaut war

Zwischen Mai 2025 und Januar 2026 bekam die Hälfte von 300 Patient:innen vor ihrem ersten Gespräch in der neurochirurgischen Ambulanz eine Übersetzung der eigenen Unterlagen in einfache Sprache, die andere Hälfte ging wie gewohnt in den Termin. Wer in welche Gruppe kam, entschied der Zufall. Beteiligt waren 17 behandelnde Ärztinnen und Ärzte. Onno übersetzt dabei nur die Dokumente, stellt keine Diagnose und ersetzt kein Arztgespräch.

Bessere Gespräche, vor allem bei der Entscheidung

Patient:innen mit Übersetzung bewerteten ihr Arztgespräch statistisch signifikant besser (4,42 gegenüber 4,25 von 5 Punkten). Am größten war der Unterschied bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung. Sie fühlten sich stärker einbezogen, wenn es darum ging, wie es mit ihrer Behandlung weitergeht, und erlebten die Unterstützung ihrer Selbstbestimmung als höher.

Eine Nutzerin hat dem Onno-Team gegenüber beschrieben, warum ihr genau das wichtig ist: „Es ist ja mein Körper. Das gibt einem auch was in die Hand, wo man sich mit dem Arzt auf Augenhöhe begegnen kann. Ich soll zu allem mein Einverständnis geben, aber ich verstehe es ja gar nicht.“

„Uns schreiben jeden Tag Menschen, die ihre medizinischen Dokumente endlich verstehen und dadurch wieder aktiv am Gespräch mit ihren Ärztinnen und Ärzten teilnehmen können. Dass genau diese Frage jetzt in einer randomisierten Studie untersucht wurde, bedeutet uns sehr viel“, sagt Karen Hentschel, Mitgründerin von Simply Onno.

Kürzer, aber nicht kühler

Bleibt die Sorge, KI könnte das Gespräch zwischen Patient:innen und ihren Ärztinnen und Ärzten kühler machen. In dieser Studie bewerteten beide Gruppen die Empathie im Gespräch gleich hoch. Und das, obwohl die Gespräche kürzer wurden: im Median 25 statt 33 Minuten, also rund ein Fünftel weniger Zeit bei besserer Bewertung.

„Ich hätte mit längeren Gesprächen gerechnet, weil informierte Patient:innen mehr nachfragen. Es war umgekehrt“, sagt Priv.-Doz. Dr. med. habil. Witold Polanski, Neurochirurg am Universitätsklinikum Dresden. „Und sie fühlten sich dabei stärker in die Entscheidung einbezogen, nicht weniger.“

Medizinisch genau und gleichzeitig verständlich

Die Studie hat auch die Qualität der Übersetzungen selbst geprüft. Eingesetzt wurde eine fest eingefrorene Version der Onno-Software aus dem Jahr 2025. Jede Zusammenfassung wurde automatisiert geprüft und per Checkliste mit dem Originaldokument abgeglichen. 75 zufällig gezogene Texte sahen sich zusätzlich zwei Ärzte an, ohne die Bewertung des jeweils anderen zu kennen. Keiner von beiden fand einen sachlichen Fehler, eine klinisch relevante Auslassung oder eine potenziell schädliche Aussage. Unerwünschte Ereignisse traten in der Studie nicht auf.

„Wir haben wahnsinnig viel Zeit und Mühe hineingesteckt, medizinisch genau zu werden, ohne dass die Texte dabei kompliziert werden. Genau in dieser Mischung liegt die Schwierigkeit“, sagt Marc Dantas Tiedemann, Mitgründer von Simply Onno. „Seit dem ersten Tag lesen Ärztinnen und Ärzte bei uns gegen, Satz für Satz, und das hört auch nicht auf. Dass dieser Anspruch jetzt in einer randomisierten Studie überprüft wurde und in NEJM AI nachzulesen ist, ist für uns ein tolles Ergebnis.“

Hinweis zur Transparenz: Priv.-Doz. Dr. med. habil. Witold Polanski ist neben seiner Tätigkeit am Universitätsklinikum Mitgründer und medizinischer Leiter von Simply Onno. An den Patientengesprächen, der Datenerhebung und der statistischen Auswertung der Studie war er nicht beteiligt. Die Studie wurde von den Forschenden selbst initiiert, nicht extern gefördert und vorab im Deutschen Register Klinischer Studien eingetragen (DRKS00036810).

Quellen

  • Originalarbeit: Benker-Hasani E, Richter S, Buszello C, Willkommen S, Prem M, Hijazi M, Martin KD, Juratli T, Eyüpoglu I, Polanski W. Effect of Previsit AI-Generated Document Summaries on Consultation Time and Patient-Physician Communication: The AI-INFOCARE Randomized Controlled Trial. NEJM AI 2026. https://ai.nejm.org/doi/10.1056/AIoa2600136

  • Pressemitteilung der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden: [Link einsetzen, sobald online]

  • Studienregistrierung: DRKS00036810. Studienprotokoll: JMIR Research Protocols 2025;14:e77204 https://www.researchprotocols.org/2025/1/e77204

Kontakt

Marc Dantas Tiedemann - [email protected]

Marc Dantas Tiedemann

[email protected]

Über Simply Onno

Simply Onno ist ein Berliner Healthtech-Start-up, das medizinische Dokumente mithilfe von KI in klare, verständliche Sprache übersetzt. Onno stellt keine Diagnosen und ersetzt kein Arztgespräch. Ein ärztliches Team prüft die Ergebnisse laufend. Gegründet wurde das Unternehmen 2024 von Karen Hentschel, Marc Dantas Tiedemann, Stephan Thiel und PD Dr. Witold Polanski. Simply Onno finanziert sich selbst, ist werbefrei und DSGVO-konform. 2025 gewann es den Deutschen KI-Start-up-Preis der WELT.

Zahlen und Fakten

  • Über 100.000 übersetzte Befunde in Deutschland (Stand Oktober 2026)

  • Mehr als 9 von 10 Rückmeldungen im laufenden Jahr bewerten den Dienst als „hilfreich“ oder „sehr hilfreich“

  • Kostenlose Zusammenfassung, ausführliche Erklärung für 18,50 €

  • Ohne Registrierung, anonym, werbefrei

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