Virostatikum: Wann ist die Behandlung nötig?

Virostatikum: Wann ist die Behandlung nötig?

14.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Virostatikum ist ein Medikament, das speziell dazu eingesetzt wird, Viren im Körper zu bekämpfen oder ihre Vermehrung zu hemmen. Anders als Antibiotika, die gegen Bakterien wirken, richten sich Virostatika gezielt gegen Viren wie zum Beispiel das Grippevirus, Herpesviren oder das HI Virus.

Wie wirken Virostatika im Körper?

Die meisten Viren können sich nur in lebenden Zellen vermehren. Virostatika greifen an unterschiedlichen Stellen im Lebenszyklus der Viren ein, um ihre Ausbreitung zu verhindern. Manche blockieren die Aufnahme des Virus in die Zelle, andere verhindern, dass das Virus seine Erbinformation vervielfältigt, oder sie stören den Zusammenbau neuer Virenpartikel. Dadurch kann das Immunsystem die Infektion besser kontrollieren.

Typische Vertreter dieser Medikamentengruppe sind Aciclovir, Oseltamivir oder Remdesivir. Sie kommen bei unterschiedlichen Virusinfektionen zum Einsatz, etwa bei Herpes, Influenza oder COVID 19.

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Wann werden Virostatika eingesetzt?

Nicht jede Virusinfektion erfordert eine Behandlung mit einem Virostatikum. Bei vielen Erkältungsviren hilft das Immunsystem allein. Virostatika werden vor allem dann eingesetzt, wenn ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht oder wenn eine Infektion besonders gefährlich ist. Das kann zum Beispiel bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, bei bestimmten chronischen Erkrankungen oder bei Neugeborenen der Fall sein.

Auch bei Infektionen wie einer Gürtelrose, einer schweren Grippe oder HIV werden Virostatika gezielt eingesetzt. In manchen Fällen kann eine frühzeitige Behandlung den Verlauf abmildern und Komplikationen verhindern.

Sind Virostatika immer wirksam?

Nicht jedes Virus spricht auf jedes Virostatikum an. Es gibt viele verschiedene Viren, und jedes benötigt eine gezielte Strategie. Manche Medikamente wirken nur gegen bestimmte Viren. Zudem können Viren im Laufe der Zeit Resistenzen entwickeln, das heißt, sie werden unempfindlich gegen ein bestimmtes Medikament. Deshalb ist es wichtig, das richtige Mittel auszuwählen und die Therapieempfehlungen genau einzuhalten.

Bei manchen Virusinfektionen, wie den meisten normalen Erkältungen, sind Virostatika nicht sinnvoll, weil sie keinen Einfluss auf den Verlauf nehmen.

Nebenwirkungen und Verträglichkeit

Wie alle Medikamente können auch Virostatika Nebenwirkungen verursachen. Häufig sind Magen Darm Beschwerden, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen oder Problemen mit der Niere oder Leber kommen. Die meisten Menschen vertragen Virostatika jedoch gut, vor allem, wenn sie nur für kurze Zeit eingenommen werden.

Wer bereits andere Medikamente nimmt oder an Vorerkrankungen leidet, sollte die Einnahme immer mit einer Ärztin oder einem Arzt absprechen. So lassen sich Wechselwirkungen und Risiken vermeiden.

Was kann man selbst tun?

Auch wenn Virostatika in bestimmten Situationen sehr hilfreich sind, bleibt das eigene Immunsystem der wichtigste Schutz. Ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen die körpereigene Abwehr. Bei Anzeichen einer Virusinfektion helfen außerdem Ruhe, viel Flüssigkeit und das Vermeiden von Ansteckungsquellen.

Impfungen bieten bei vielen Viruserkrankungen einen wirksamen Schutz, sodass es gar nicht erst zu einer Infektion kommt. Für einige Viren, wie das Grippevirus oder das Coronavirus, stehen Impfstoffe zur Verfügung.

Ein Blick auf die wichtigsten Anwendungsgebiete

Virostatika werden in ganz unterschiedlichen Situationen eingesetzt. Bei Herpesinfektionen können sie die Dauer und Schwere der Beschwerden verkürzen. Bei einer Gürtelrose verhindern sie Komplikationen wie Nervenschmerzen. Bei HIV Infektionen sind Virostatika ein zentraler Bestandteil der Therapie und ermöglichen ein weitgehend normales Leben. Auch bei schweren Grippeverläufen oder im Rahmen der Behandlung von COVID 19 kommen bestimmte Virostatika zum Einsatz.

In jedem Fall entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob und welches Medikament sinnvoll ist. Eine eigenständige Einnahme ohne ärztlichen Rat ist nicht zu empfehlen.

Zusammenfassung

Ein Virostatikum ist ein Medikament, das gezielt Viren bekämpft oder ihre Ausbreitung hemmt. Eingesetzt wird es vor allem bei schweren oder komplizierten Virusinfektionen. Die Auswahl und Anwendung hängen immer von der Art des Virus und den individuellen Gegebenheiten ab. Nebenwirkungen sind möglich, treten aber meist nur leicht auf. Das Immunsystem bleibt der wichtigste Schutz, und vorbeugende Maßnahmen wie Impfungen sind oft der beste Weg, um Virusinfektionen zu vermeiden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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