Vesikoureteraler Reflux: Ursachen, Folgen, Behandlung

Vesikoureteraler Reflux: Ursachen, Folgen, Behandlung

14.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Vesikoureteraler Reflux bezeichnet den Rückfluss von Urin aus der Harnblase zurück in einen oder beide Harnleiter, also die Röhren, die den Urin von den Nieren zur Blase transportieren.

Was genau passiert bei einem vesikoureteralen Reflux?

Normalerweise sorgt ein Ventilmechanismus am Übergang von Harnleiter zu Blase dafür, dass der Urin nur in eine Richtung fließt: von der Niere über den Harnleiter in die Blase und dann nach außen. Beim vesikoureteralen Reflux funktioniert dieses Ventil nicht richtig. Dadurch kann Urin aus der Blase zurück in den Harnleiter und manchmal sogar bis in die Niere gelangen. Besonders häufig tritt das Problem bei Kindern auf, seltener bei Erwachsenen.

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Warum tritt der Rückfluss auf?

Die Ursache liegt meist in einer angeborenen Schwäche des Verschlussmechanismus zwischen Harnleiter und Blase. Bei manchen Kindern ist dieser Bereich noch nicht vollständig ausgereift. In anderen Fällen kann eine Narbe oder eine Verengung durch eine frühere Infektion dazu führen, dass das Ventil nicht mehr richtig schließt. Auch eine zu hohe Druckbelastung in der Blase, zum Beispiel durch eine Blockade beim Wasserlassen, kann den Rückfluss begünstigen.

Welche Folgen kann das haben?

Das Hauptproblem beim vesikoureteralen Reflux besteht darin, dass Bakterien aus der Blase mit dem Urin bis in die Niere gelangen können. Dort können sie eine Nierenbeckenentzündung auslösen, was im schlimmsten Fall zu bleibenden Narben am Nierengewebe führen kann. Wiederholte Entzündungen erhöhen das Risiko für eine langfristige Schädigung der Niere. Viele Kinder mit vesikoureteralem Reflux haben jedoch keine Beschwerden und bei ihnen heilt das Problem mit dem Wachstum oft von selbst aus.

Typische Anzeichen und Beschwerden

Häufig bleibt der Rückfluss unbemerkt und wird erst entdeckt, wenn eine Harnwegsinfektion oder eine Nierenbeckenentzündung auftritt. Symptome können Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen, Bauchschmerzen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sein. Bei kleinen Kindern äußert sich das manchmal nur durch Unruhe, Erbrechen oder schlechten Appetit. Manche Betroffene haben jedoch auch gar keine spürbaren Beschwerden. In diesen Fällen fällt der Reflux oft nur zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung oder im Rahmen einer Diagnostik nach wiederholten Infektionen auf.

Wie wird vesikoureteraler Reflux festgestellt?

Die Diagnose beginnt meist mit einem Ultraschall der Nieren und Harnwege. Damit lässt sich erkennen, ob die Nieren oder Harnleiter erweitert sind. Um den Rückfluss direkt sichtbar zu machen, wird häufig eine sogenannte Miktionszysturethrographie durchgeführt. Dabei wird ein Kontrastmittel über einen Katheter in die Blase eingebracht, und während des Wasserlassens werden Röntgenbilder gemacht. So kann genau verfolgt werden, ob und wie weit der Urin zurückfließt.

Ist das schlimm? Muss man sich Sorgen machen?

Viele Eltern sind beunruhigt, wenn sie von diesem Befund hören. Die Sorge vor einer bleibenden Nierenschädigung ist verständlich. Wichtig zu wissen: Nicht jeder vesikoureterale Reflux führt automatisch zu Problemen. Bei einem Großteil der Kinder verschwindet der Rückfluss mit dem Wachstum und der Ausreifung des Blasenverschlusses von selbst. Entscheidend ist, ob es immer wieder zu Infektionen kommt und wie stark der Rückfluss ausgeprägt ist. Bei leichten Formen und ohne Entzündungen reicht oft eine regelmäßige Kontrolle aus.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad und dem Alter. Bei leichten Formen und kleinen Kindern wird häufig abgewartet und regelmäßig überprüft, ob das Problem von alleine verschwindet. Um Infektionen zu verhindern, kann manchmal eine vorbeugende Gabe von Antibiotika sinnvoll sein. Bei wiederholten Harnwegsinfektionen oder einem starken Rückfluss kann eine Operation nötig werden. Hierbei wird der Übergang zwischen Harnleiter und Blase so verändert, dass der Rückfluss gestoppt wird. Die Entscheidung für oder gegen einen Eingriff hängt immer von der individuellen Situation ab.

Was kann man selbst tun?

Einige Dinge helfen, das Risiko für Infektionen zu senken. Wichtig ist, regelmäßig und vollständig die Blase zu entleeren und auf eine gute Intimhygiene zu achten. Viel trinken unterstützt die Durchspülung der Harnwege. Bei kleinen Kindern sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu lange einhalten. Wenn Fieber oder Anzeichen einer Harnwegsinfektion wie Brennen beim Wasserlassen oder übler Geruch des Urins auftreten, sollte rasch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie geht es weiter? Langfristige Aussichten

Die meisten Kinder mit vesikoureteralem Reflux haben gute Chancen, dass sich das Problem im Laufe der Zeit von selbst gibt. Bleibende Schäden an den Nieren sind selten, wenn Infektionen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Regelmäßige Kontrollen beim Kinderarzt oder Urologen helfen, mögliche Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Erwachsene mit einem ehemaligen oder bestehenden Rückfluss sollten ihre Nierenfunktion gelegentlich überprüfen lassen.

Mehr zur Anatomie der Harnleiter findest du im Artikel Ureter – was ist das?

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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