Torticollis ist eine medizinische Bezeichnung für eine schiefe Kopfhaltung, bei der der Kopf meist zur Seite geneigt und oft leicht verdreht ist. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „verdrehter Hals“.
Wie zeigt sich ein Torticollis?
Bei einem Torticollis ist der Hals so verändert, dass der Kopf nicht mehr gerade gehalten werden kann. Meist neigt sich der Kopf zur einen Seite, während das Kinn zur anderen Seite zeigt. Häufig fällt auf, dass sich die Beweglichkeit des Halses einschränkt. Manchmal sind auch Schmerzen oder eine Verhärtung der Nackenmuskulatur zu spüren. Besonders auffällig ist die Haltung, weil sie oft plötzlich auftritt oder bei kleinen Kindern schon kurz nach der Geburt bemerkt wird.
Ursachen: Warum entsteht ein Torticollis?
Es gibt verschiedene Formen und Auslöser. Am häufigsten ist der sogenannte muskuläre Torticollis. Dabei ist ein bestimmter Halsmuskel, der sogenannte Kopfwender (medizinisch: Musculus sternocleidomastoideus), verkürzt oder verhärtet. Das kann zum Beispiel durch eine ungünstige Lage im Mutterleib, eine Geburt mit Saugglocke oder Zange oder durch Verletzungen während der Geburt passieren. Bei Erwachsenen kann eine Muskelverspannung, ein Unfall, eine Entzündung oder auch eine plötzliche Bewegung zu einer schiefen Kopfhaltung führen. In seltenen Fällen steckt eine Veränderung der Wirbelsäule, eine Entzündung oder eine Erkrankung des Nervensystems dahinter. Dann spricht man von einem symptomatischen oder auch neurogenen Torticollis.
Eine besondere Form ist der sogenannte Schiefhals bei Babys und Kleinkindern, der meist schon in den ersten Lebenswochen auffällt. Hier ist häufig eine einseitige Verkürzung des Kopfwender-Muskels die Ursache. Bei Erwachsenen tritt der sogenannte akute Torticollis oft nach dem Schlafen in ungünstiger Position oder nach Zugluft auf.
Ist ein Torticollis gefährlich?
Die meisten Menschen sorgen sich, wenn sie bei sich selbst oder ihrem Kind eine plötzliche schiefe Kopfhaltung bemerken. In den allermeisten Fällen ist ein muskulärer Torticollis zwar unangenehm, aber nicht gefährlich. Er lässt sich gut behandeln und bildet sich oft vollständig zurück. Kritischer wird es, wenn die Ursache in einer Verletzung, einer Entzündung oder einer Erkrankung des Nervensystems liegt. Dann ist eine genaue Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt wichtig. Bei Babys sollte ein Torticollis immer untersucht werden, weil eine längere Fehlhaltung zu einer Verformung des Kopfes führen kann.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose ergibt sich meist schon durch das typische Aussehen und die Beweglichkeit des Halses. Die Ärztin oder der Arzt achtet darauf, wie der Kopf gehalten wird und ob die Nackenmuskulatur verhärtet ist. Bei Säuglingen wird geprüft, ob der Kopfwender-Muskel dicker oder härter als normal erscheint. Gegebenenfalls kommen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen zum Einsatz, um andere Ursachen auszuschließen. In seltenen Fällen sind weitere Untersuchungen notwendig, etwa wenn der Verdacht auf eine Entzündung, eine Wirbelverletzung oder eine Erkrankung des Nervensystems besteht.
Behandlungsmöglichkeiten bei Torticollis
Die Therapie hängt von der Ursache ab. Bei einem muskulären Torticollis, wie er bei Babys und Kindern am häufigsten vorkommt, helfen meist gezielte Dehnübungen und Physiotherapie. Eltern werden angeleitet, wie sie ihr Kind lagern und beim Spielen zur Bewegung auf die andere Seite motivieren. In seltenen Fällen, wenn sich die Fehlhaltung nicht bessert, kann eine Operation notwendig sein.
Bei Erwachsenen steht die Behandlung der Schmerzen und die Lockerung der Muskulatur im Vordergrund. Das kann durch Wärmeanwendungen, Massagen, Bewegungsübungen oder manchmal auch durch Medikamente gegen Muskelverspannungen geschehen. Bei sehr starken Beschwerden oder wenn eine neurologische Ursache vorliegt, sind weitere Therapien wie Botulinumtoxin-Injektionen oder spezielle neurologische Behandlungen möglich.
Wenn ein Torticollis durch eine Entzündung, eine Verletzung oder eine andere Erkrankung ausgelöst wird, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Ursache.
Was kann man selbst tun?
Im Alltag hilft es, den Nacken warm zu halten und auf eine entspannte Haltung zu achten. Bei akuten Verspannungen kann Wärme, etwa durch ein warmes Tuch oder eine Wärmflasche, die Beschwerden lindern. Leichte Dehnübungen, die von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten gezeigt wurden, unterstützen die Beweglichkeit. Bei Babys ist es hilfreich, sie beim Liegen und Spielen zu motivieren, den Kopf zur nicht betroffenen Seite zu wenden. Auch das Anbieten von Spielzeug auf der Gegenseite kann helfen.
Wenn die Beschwerden nicht nach wenigen Tagen nachlassen, sich verschlimmern oder mit anderen Symptomen wie Fieber, starken Schmerzen oder Taubheitsgefühlen einhergehen, sollte zeitnah eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Wie sind die Aussichten?
In den meisten Fällen heilt ein muskulärer Torticollis mit der richtigen Behandlung vollständig aus. Je früher mit Übungen und Physiotherapie begonnen wird, desto besser sind die Chancen auf eine normale Kopfhaltung. Bei Babys kann eine längere Fehlhaltung zu einer leichten Verformung des Kopfes führen, die sich aber mit gezielter Therapie meist zurückbildet. Bei Erwachsenen verschwinden die Beschwerden oft innerhalb weniger Tage bis Wochen. Bleibt die Kopfhaltung jedoch dauerhaft schief oder treten zusätzliche Beschwerden auf, ist eine weiterführende Abklärung nötig.
Ein Torticollis ist also meist gut behandelbar und selten ein Grund zur Sorge, solange die Ursache erkannt und gezielt behandelt wird.