Thorakolumbalskoliose: Risiken und Symptome

Thorakolumbalskoliose: Risiken und Symptome

PD Dr. med. Witold Polanski

Thorakolumbalskoliose bezeichnet eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule, die im Bereich zwischen Brustwirbelsäule (Thorakalbereich) und Lendenwirbelsäule (Lumbalbereich) auftritt. Diese Form der Skoliose betrifft also das Übergangsstück zwischen Brustkorb und unterem Rücken.

Was steckt hinter dem Begriff?

Die Wirbelsäule ist normalerweise von hinten betrachtet gerade. Bei einer Skoliose bildet sie jedoch eine oder mehrere seitliche Bögen. Eine Thorakolumbalskoliose sitzt dabei genau im mittleren Abschnitt, dort wo die Brustwirbelsäule in die Lendenwirbelsäule übergeht. Der Begriff setzt sich zusammen aus „thorakal“ für den Brustbereich, „lumbal“ für die Lendenregion und „Skoliose“ für die seitliche Verbiegung der Wirbelsäule.

Wie macht sich eine Thorakolumbalskoliose bemerkbar?

Oft fällt eine solche Verkrümmung zunächst kaum auf. In manchen Fällen zeigt sich beim Blick in den Spiegel eine leichte Schieflage des Beckens oder der Schultern. Auch ein unterschiedlich hoher Rippenbogen oder ein leichtes Hervortreten der Rippen auf einer Seite können Hinweise sein. Bei ausgeprägteren Formen können Rückenschmerzen, Verspannungen oder sogar Bewegungseinschränkungen entstehen.

Manchmal wird eine Thorakolumbalskoliose zufällig bei einer Röntgenaufnahme entdeckt, etwa im Rahmen einer Untersuchung nach einem Sturz oder wegen anhaltender Rückenschmerzen. Die meisten Skoliosen entwickeln sich schleichend, vor allem während des Wachstums in der Kindheit und Jugend. Selten tritt eine Skoliose erst im Erwachsenenalter auf, etwa durch Verschleißerscheinungen oder nach Verletzungen.

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Ist eine solche Verkrümmung gefährlich?

Die Frage, ob eine Thorakolumbalskoliose „schlimm“ ist, beschäftigt viele Betroffene. Entscheidend ist, wie stark die Wirbelsäule verbogen ist und ob Beschwerden auftreten. Leichte Verkrümmungen verursachen häufig keinerlei Probleme und werden oft nur beobachtet. Erst wenn der seitliche Winkel einen bestimmten Wert überschreitet oder Beschwerden wie Schmerzen, Verspannungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit dazukommen, wird eine Behandlung erwogen.

Sehr ausgeprägte Skoliosen können langfristig zu Problemen führen, etwa durch eine einseitige Belastung der Bandscheiben und Gelenke, was wiederum Rückenschmerzen oder Abnutzungserscheinungen begünstigen kann. In seltenen Fällen kann eine starke Verkrümmung sogar die Atmung beeinflussen, wenn der Brustkorb eingeengt wird. Das ist jedoch bei einer Thorakolumbalskoliose meist erst bei sehr großen Winkeln der Fall.

Wie wird eine Thorakolumbalskoliose festgestellt?

Die Diagnose beginnt in der Regel mit einer körperlichen Untersuchung. Dabei achtet der Arzt oder die Ärztin auf die Haltung, den Stand des Beckens, die Schulterhöhe und mögliche Unterschiede im Rippenbogen. Ein klassischer Test ist der sogenannte Vorbeugetest, bei dem sich zeigt, ob eine Seite des Rückens stärker hervortritt.

Um das Ausmaß der Skoliose genau zu bestimmen, wird meist eine Röntgenaufnahme der gesamten Wirbelsäule angefertigt. Hier lässt sich der sogenannte Cobb-Winkel messen, der die Stärke der Krümmung angibt. Je nach Ergebnis wird entschieden, ob nur eine Beobachtung nötig ist oder weitere Maßnahmen empfohlen werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach dem Alter, dem Ausmaß der Krümmung und möglichen Beschwerden. Leichte Formen ohne Beschwerden erfordern oft keine Behandlung, sondern lediglich regelmäßige Kontrollen, um eine Verschlechterung frühzeitig zu erkennen.

Bei fortschreitender Skoliose oder deutlichen Beschwerden kommen verschiedene Maßnahmen infrage. Krankengymnastik und spezielle Übungen helfen, die Rückenmuskulatur zu stärken und Verspannungen zu lösen. In manchen Fällen kann auch ein individuell angepasstes Korsett sinnvoll sein, um das Fortschreiten der Verkrümmung während des Wachstums zu bremsen.

Nur selten ist eine Operation notwendig, etwa wenn die Skoliose sehr stark ist oder andere Maßnahmen nicht ausreichen. Ziel ist immer, die Wirbelsäule möglichst beweglich und schmerzfrei zu halten.

Was kann man selbst tun?

Regelmäßige Bewegung und gezielte Übungen für den Rücken sind hilfreich, um die Muskulatur zu stärken und die Wirbelsäule zu entlasten. Schwimmen, Radfahren oder sanftes Yoga eignen sich besonders gut. Bei Unsicherheiten zu passenden Übungen empfiehlt sich eine Beratung durch Physiotherapeutinnen oder Physiotherapeuten.

Wichtig ist, auf eine aufrechte Haltung zu achten und langes, einseitiges Sitzen möglichst zu vermeiden. Wer viel am Schreibtisch arbeitet, sollte auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten und regelmäßige Pausen zum Dehnen einplanen.

Ängste und Unsicherheiten im Alltag

Viele Menschen machen sich Sorgen, wenn sie die Diagnose Skoliose erhalten. Die Angst vor bleibenden Schäden oder einer Verschlechterung ist verständlich. In den meisten Fällen verläuft eine Thorakolumbalskoliose jedoch mild und beeinträchtigt das Leben kaum. Wichtig ist, die Entwicklung im Blick zu behalten und bei Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Gerade im Jugendalter besteht oft die Sorge, dass die Wirbelsäule „immer krummer“ wird. Hier hilft es, regelmäßig zur Kontrolle zu gehen und die empfohlenen Übungen konsequent umzusetzen. Bei Unsicherheiten oder Fragen zur Prognose kann ein Gespräch mit einer Fachperson weiterhelfen.

Abgrenzung zu anderen Wirbelsäulenveränderungen

Nicht jede seitliche Verbiegung ist gleich eine Skoliose. Es gibt auch sogenannte skoliotische Fehlhaltungen, die meist durch Muskelverspannungen oder eine einseitige Belastung entstehen und sich oft wieder zurückbilden, wenn die Ursache behoben wird. Mehr dazu findest du im Artikel zur skoliotischen Fehlhaltung.

Eine echte Skoliose bleibt dagegen auch im Liegen bestehen und ist auf Veränderungen der Wirbel selbst zurückzuführen.

Zusammengefasst

Thorakolumbalskoliose beschreibt eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule im Übergang zwischen Brust und Lendenbereich. Die meisten Fälle verlaufen mild und benötigen keine aufwendige Behandlung. Entscheidend ist, regelmäßig den Verlauf zu kontrollieren, auf den eigenen Körper zu achten und bei Beschwerden aktiv zu werden. So lässt sich die Lebensqualität meist problemlos erhalten.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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