Syndesmophyten an der Wirbelsäule: Bedeutung und Risiken

Syndesmophyten an der Wirbelsäule: Bedeutung und Risiken

PD Dr. med. Witold Polanski

Syndesmophyten sind knöcherne Ausziehungen, die sich vor allem an der Wirbelsäule bilden und benachbarte Wirbelkörper miteinander verbinden können. Sie entstehen meist im Rahmen bestimmter entzündlicher Erkrankungen und sind auf Röntgenbildern oft gut zu erkennen.

Wie entstehen diese knöchernen Brücken?

Im Körper gibt es verschiedene Stellen, an denen Knochen, Bänder und Gelenke eng zusammenarbeiten. Die Wirbelsäule ist hier ein besonders komplexes System. Normalerweise sorgen elastische Bänder dafür, dass die Wirbel beweglich bleiben und Stöße abgefedert werden. Kommt es in diesem Bereich zu einer chronischen Entzündung, kann der Körper darauf reagieren, indem er an den Übergängen zwischen Knochen und Bandgewebe neues Knochenmaterial bildet. Diese neu entstandenen Knochenfortsätze wachsen im Verlauf und verbinden benachbarte Wirbel miteinander. Das Ergebnis ist eine Art knöcherne Brücke, die als Syndesmophyt bezeichnet wird.

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Wann treten Syndesmophyten auf?

Die Entstehung dieser Veränderungen ist typisch für bestimmte rheumatische Erkrankungen. Besonders häufig treten sie bei der sogenannten axialen Spondyloarthritis auf, zu der auch der Morbus Bechterew zählt. Bei dieser Krankheit entzündet sich das Bindegewebe an den Wirbelkörpern, wodurch der Körper mit einer verstärkten Knochenbildung reagiert. Im Laufe der Zeit können sich so mehrere Wirbel durch Syndesmophyten miteinander verbinden. Das führt dazu, dass die Wirbelsäule ihre Beweglichkeit verliert und im schlimmsten Fall sogar komplett versteifen kann.

Im Gegensatz dazu stehen sogenannte Spondylophyten, die eher auf Abnutzungserscheinungen beruhen und meist seitlich an den Wirbelkörpern entstehen. Mehr zu diesen Veränderungen gibt es im Artikel über Spondylophytäre Anbauten.

Wie lassen sich Syndesmophyten erkennen?

Meist werden diese Veränderungen bei einer Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule entdeckt. Dort zeigen sie sich als schmale, bandförmige Knochenstrukturen, die sich senkrecht zwischen zwei Wirbelkörpern erstrecken. Im Gegensatz zu anderen knöchernen Anbauten wachsen sie nicht seitlich, sondern direkt entlang der Wirbelsäule. Je nach Ausprägung kann der Arzt oder die Ärztin einschätzen, wie weit die Verknöcherung bereits fortgeschritten ist und ob bereits mehrere Wirbel betroffen sind.

Was bedeutet das für den Alltag?

Syndesmophyten selbst sind kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern immer ein Zeichen für eine zugrunde liegende Erkrankung. Die Auswirkungen hängen davon ab, wie viele dieser knöchernen Brücken sich gebildet haben und wie stark die Beweglichkeit der Wirbelsäule dadurch eingeschränkt ist. In frühen Stadien bemerkt man oft nur eine leichte Steifigkeit oder gelegentliche Rückenschmerzen. Schreitet die Verknöcherung weiter voran, kann die Beweglichkeit der Wirbelsäule deutlich abnehmen. In schweren Fällen ist sogar das Bücken oder Drehen des Rückens kaum noch möglich.

Ist das gefährlich?

Viele Betroffene fragen sich, ob Syndesmophyten bedrohlich sind. Die knöchernen Anbauten selbst verursachen in der Regel keine akuten Schmerzen oder unmittelbare Gefahr. Problematisch wird es, wenn die Beweglichkeit der Wirbelsäule stark eingeschränkt ist oder zusätzliche Entzündungen auftreten. Auch das Risiko für Knochenbrüche steigt, wenn die Wirbelsäule durch die Verknöcherung steif geworden ist. Entscheidend ist, die zugrunde liegende Erkrankung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um das Fortschreiten der Verknöcherung zu bremsen.

Welche Untersuchungen sind nötig?

Um Syndesmophyten sicher nachzuweisen, reicht meist eine einfache Röntgenaufnahme der Wirbelsäule. In manchen Fällen kommen weitere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie zum Einsatz, um Entzündungen oder Veränderungen an den Weichteilen genauer beurteilen zu können. Zusätzlich werden oft Blutuntersuchungen gemacht, um nach Hinweisen auf eine entzündliche Erkrankung zu suchen.

Was kann dagegen unternommen werden?

Die Behandlung richtet sich immer nach der Grunderkrankung, die zur Bildung von Syndesmophyten geführt hat. Bei entzündlich rheumatischen Erkrankungen wie Morbus Bechterew kommen meist entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Ziel ist es, die Entzündung zu kontrollieren und das Fortschreiten der Verknöcherung zu verlangsamen. Regelmäßige Bewegung und gezielte Physiotherapie helfen, die Beweglichkeit der Wirbelsäule möglichst lange zu erhalten und Schmerzen zu lindern. Spezielle Übungen, die auf die Dehnung und Kräftigung des Rückens abzielen, können dabei unterstützen, die Funktion der Wirbelsäule zu bewahren.

Was lässt sich selbst tun?

Auch wenn Syndesmophyten nicht rückgängig gemacht werden können, lohnt es sich, aktiv zu bleiben. Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren, um die Wirbelsäule geschmeidig zu halten. Schwimmen, Radfahren oder regelmäßige Spaziergänge sind besonders gut geeignet. Wer viel sitzt, sollte immer wieder Pausen einlegen und sich strecken. Hilfreich ist auch der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen oder Onlineforen. Dort gibt es viele praktische Tipps, wie der Alltag trotz Bewegungseinschränkungen gut bewältigt werden kann.

Syndesmophyten zeigen an, dass im Körper eine chronische Entzündung aktiv ist. Je früher die Ursache erkannt und behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden verhindern. Wer einen entsprechenden Befund im Arztbrief findet, sollte das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen und gemeinsam das weitere Vorgehen besprechen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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