Spastik bezeichnet eine krankhafte Erhöhung der Muskelspannung, bei der sich Muskeln unwillkürlich und dauerhaft zusammenziehen. Dadurch fällt es schwer, Bewegungen flüssig auszuführen oder bestimmte Körperteile zu kontrollieren. Oft tritt dieser Zustand bei Menschen auf, die eine Schädigung des Gehirns oder Rückenmarks erlitten haben, etwa nach einem Schlaganfall, bei Multipler Sklerose oder nach einer Hirnverletzung.
Was passiert bei einer Spastik?
Im gesunden Zustand sorgen Nervenbahnen dafür, dass Muskeln gezielt angespannt und wieder entspannt werden können. Bei einer Spastik ist genau dieses Gleichgewicht gestört. Die Signale aus dem Gehirn oder Rückenmark kommen nicht mehr richtig an. Das führt dazu, dass sich Muskeln dauerhaft anspannen, ohne dass du das beeinflussen kannst. Besonders häufig sind Arme oder Beine betroffen. Typisch ist, dass die betroffenen Muskeln steif wirken und sich schwer bewegen lassen. Oft ist auch die Beweglichkeit der Gelenke eingeschränkt.
Die Ursache liegt meist in einer Schädigung des sogenannten zentralen Nervensystems. Das kann durch einen Unfall, eine Erkrankung wie Multiple Sklerose, eine Hirnblutung oder einen Schlaganfall passieren. Auch Kinder mit einer frühkindlichen Hirnschädigung, etwa bei einer Zerebralparese, entwickeln häufig Spastiken.
Wie zeigt sich eine Spastik?
Die Symptome einer Spastik können sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen spüren nur eine leichte Steifigkeit, andere haben starke Muskelverkrampfungen, die sogar Schmerzen verursachen können. Häufig werden Bewegungen langsamer, unkontrollierter oder wirken abgehackt. Besonders auffällig: Die Muskelspannung ist immer erhöht, auch wenn du dich entspannen möchtest. In manchen Fällen kommt es zu sogenannten Spasmen, plötzlichen, unkontrollierten Zuckungen oder Verkrampfungen der Muskulatur.
Neben der Steifigkeit treten oft weitere Beschwerden auf. Dazu gehören Schmerzen, Fehlstellungen der Gliedmaßen, Bewegungseinschränkungen und Probleme bei alltäglichen Aktivitäten. Zum Beispiel kann es schwerfallen, die Hand zu öffnen, einen Arm zu heben oder das Bein beim Gehen durchzustrecken. Auch Krämpfe in der Nacht oder nach bestimmten Bewegungen sind möglich.
Mehr zu den Hintergründen einer krankhaften Muskelanspannung findest du im Artikel zur Tonuserhöhung.
Ist das gefährlich?
Eine Spastik an sich ist nicht lebensbedrohlich, kann aber den Alltag stark beeinträchtigen. Viele Menschen sorgen sich, ob die Beschwerden schlimmer werden oder ob sie irgendwann gar nicht mehr gehen oder greifen können. Tatsächlich besteht das Risiko, dass sich die Beweglichkeit weiter verschlechtert, wenn die Spastik nicht behandelt wird. Es können sich Fehlstellungen an Gelenken entwickeln, etwa eine sogenannte Spitzfußstellung am Bein. Auch Schmerzen, Hautprobleme oder eine eingeschränkte Hygiene können die Folge sein, wenn sich Gliedmaßen nicht mehr gut bewegen lassen.
Eine Spastik ist immer ein Hinweis darauf, dass das Nervensystem geschädigt ist. Die Ursache und das Ausmaß der Schädigung bestimmen, wie schwer die Symptome sind und wie sie sich im Laufe der Zeit verändern. In manchen Fällen bleibt die Spastik über Jahre stabil, in anderen kann sie sich verstärken oder durch gezielte Behandlung sogar bessern.
Wie wird eine Spastik festgestellt?
Die Diagnose erfolgt meist durch eine neurologische Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte prüfen, wie stark die Muskelspannung erhöht ist, wie beweglich die Gelenke sind und ob es zu unwillkürlichen Bewegungen kommt. Auch die Vorgeschichte spielt eine wichtige Rolle: Wurde vor Kurzem ein Schlaganfall, eine Hirnverletzung oder eine andere Erkrankung des Nervensystems festgestellt, liegt der Verdacht auf eine Spastik nahe.
Zusätzlich werden manchmal bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt, um die genaue Ursache zu klären. In manchen Fällen sind weitere Tests nötig, etwa um die Nervenleitung oder die Muskelkraft zu überprüfen. Entscheidend ist, dass die Spastik von anderen Ursachen für Muskelsteifigkeit unterschieden wird. Nicht jede Bewegungseinschränkung ist automatisch eine Spastik.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Therapie richtet sich danach, wie stark die Spastik ausgeprägt ist und welche Körperbereiche betroffen sind. Ziel ist es immer, die Beweglichkeit zu erhalten oder zu verbessern, Schmerzen zu lindern und die Selbstständigkeit im Alltag zu fördern. Häufig kommen mehrere Maßnahmen gleichzeitig zum Einsatz.
Ein zentraler Baustein ist die Physiotherapie. Hier werden gezielte Bewegungsübungen, Dehnungen und Techniken zur Muskelentspannung angewendet. Auch Ergotherapie kann helfen, alltägliche Fähigkeiten wie das Greifen, Anziehen oder Gehen zu trainieren. In manchen Fällen kommen spezielle Hilfsmittel wie Schienen oder Lagerungskissen zum Einsatz, um Fehlstellungen vorzubeugen.
Medikamentös können sogenannte Muskelrelaxanzien verschrieben werden. Diese Medikamente senken die Muskelspannung im ganzen Körper oder gezielt an einzelnen Stellen. Bei sehr ausgeprägten Spastiken kann auch Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, direkt in den betroffenen Muskel gespritzt werden. Das entspannt die Muskulatur für mehrere Monate.
In seltenen Fällen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen, kommen operative Eingriffe in Betracht. Dabei können zum Beispiel Nervenbahnen durchtrennt oder Pumpen implantiert werden, die Medikamente direkt ins Rückenmark abgeben.
Was kannst du selbst tun?
Regelmäßige Bewegung und gezielte Dehnübungen sind entscheidend, um die Muskulatur geschmeidig zu halten. Auch wenn es manchmal schwerfällt, hilft es, die betroffenen Gliedmaßen möglichst oft zu bewegen und nicht in einer Position verharren zu lassen. Wärmeanwendungen, Massagen oder das Baden können die Muskeln entspannen und Schmerzen lindern. Wichtig ist, gemeinsam mit Fachleuten einen individuellen Trainingsplan zu entwickeln, der zur eigenen Situation passt.
Werden neue Beschwerden bemerkt, etwa eine Verschlimmerung der Steifigkeit, Schmerzen oder Probleme bei alltäglichen Aktivitäten, sollte das immer ärztlich abgeklärt werden. Je früher eine Anpassung der Therapie erfolgt, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden.
Eine Spastik ist zwar eine dauerhafte Folge einer Nervenschädigung, doch mit der richtigen Behandlung und etwas Geduld kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden. Unterstützung durch Physiotherapie, Medikamente und ein gutes Selbstmanagement helfen, die Kontrolle über den eigenen Körper Stück für Stück zurückzugewinnen.