Soor ist eine Infektion, die durch Hefepilze der Gattung Candida verursacht wird und meist die Schleimhäute im Mund, Rachen oder Genitalbereich betrifft. Besonders häufig tritt sie als weißlicher Belag auf der Zunge, im Mundraum oder an anderen feuchten Körperstellen auf.
Was steckt hinter Soor?
Die Bezeichnung Soor wird in der Medizin verwendet, wenn sich Pilze unkontrolliert auf den Schleimhäuten vermehren. Dabei handelt es sich meist um den Erreger Candida albicans, einen Hefepilz, der bei vielen Menschen sogar ganz natürlich auf Haut und Schleimhaut vorkommt. Erst wenn das Gleichgewicht gestört ist, etwa durch eine geschwächte Abwehr oder bestimmte Medikamente, kann es zu einer Infektion kommen. Typisch ist ein weißlicher, manchmal abwischbarer Belag, der von Rötungen oder kleinen Rissen begleitet sein kann. Viele sprechen in diesem Zusammenhang auch von Mundsoor oder vaginalem Soor, je nachdem, welche Körperstelle betroffen ist.
Wie erkennt man die Infektion?
Am bekanntesten ist die Form im Mund, der sogenannte Mundsoor. Hier zeigen sich meist weiße, teils schmierige Beläge auf der Zunge, am Gaumen oder an der Innenseite der Wangen. Wird versucht, diese Beläge abzuwischen, kommt es oft zu leichten Blutungen und die darunterliegende Schleimhaut ist gerötet. Bei Erwachsenen kann Soor auch im Genitalbereich auftreten und dort Juckreiz, Brennen oder Ausfluss verursachen. Bei Babys ist der Pilzbefall im Mund besonders häufig und fällt oft beim Stillen auf, weil das Trinken schmerzhaft werden kann. Auch Windelsoor, eine Pilzinfektion im Windelbereich, ist bei Säuglingen weit verbreitet.
Wer bekommt Soor und warum?
Soor entwickelt sich vor allem dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Das kann zum Beispiel nach einer Antibiotikabehandlung passieren, weil dabei auch nützliche Bakterien abgetötet werden, die normalerweise das Pilzwachstum in Schach halten. Auch Menschen mit Diabetes, Krebs, HIV oder nach Organtransplantationen sind anfälliger. Bei älteren Menschen und kleinen Kindern ist die Abwehr ebenfalls oft weniger stark ausgeprägt. Daneben begünstigt eine trockene Mundschleimhaut, etwa durch bestimmte Medikamente oder eine geringe Speichelproduktion, das Wachstum von Hefepilzen. Im Genitalbereich kann Soor durch hormonelle Veränderungen, etwa in der Schwangerschaft oder durch die Einnahme der Pille, auftreten.
Ist Soor gefährlich?
Viele fragen sich, ob eine solche Pilzinfektion bedrohlich ist. Für gesunde Erwachsene ist Soor meist harmlos und gut behandelbar. Problematisch kann es werden, wenn das Immunsystem stark geschwächt ist, zum Beispiel bei schweren Grunderkrankungen. Dann kann sich die Infektion ausbreiten und andere Organe betreffen. Besonders bei Neugeborenen, älteren Menschen oder Patientinnen und Patienten mit chronischen Krankheiten sollte Soor daher immer ernst genommen und behandelt werden. Eine unbehandelte Infektion kann im Mund zu Schmerzen, Schluckbeschwerden und Problemen beim Essen führen. Im Genitalbereich können Brennen, Juckreiz und Hautreizungen die Lebensqualität beeinträchtigen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Meist reicht schon der typische Befund im Mund oder an den Schleimhäuten aus, um die Diagnose zu stellen. Ärztinnen und Ärzte erkennen Soor oft auf den ersten Blick. In manchen Fällen wird ein Abstrich genommen und im Labor untersucht, um den Pilz nachzuweisen und andere Ursachen auszuschließen. Bei wiederkehrenden oder besonders hartnäckigen Infektionen können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, um eine zugrunde liegende Erkrankung wie Diabetes zu erkennen. Bei Verdacht auf eine Ausbreitung in tiefere Gewebe, etwa die Speiseröhre, kann eine Spiegelung notwendig sein. Mehr Informationen dazu gibt es im Artikel Soorösophagitis.
Behandlungsmöglichkeiten bei Soor
Für die Therapie stehen verschiedene Antipilzmittel zur Verfügung, sogenannte Antimykotika. Diese gibt es als Gel, Suspension, Lutschtablette, Creme oder Zäpfchen, je nachdem, welche Körperstelle betroffen ist. Die Behandlung dauert meist wenige Tage bis maximal zwei Wochen. Wichtig ist, die Mittel so lange anzuwenden, wie es die Ärztin oder der Arzt empfiehlt, auch wenn die Beschwerden schon früher nachlassen. Bei Babys sollte zusätzlich auf eine sorgfältige Mundpflege und die Reinigung von Schnullern oder Fläschchen geachtet werden. Im Genitalbereich hilft es, auf milde Hygieneprodukte zu setzen und luftdurchlässige Kleidung zu tragen. Bei wiederkehrendem Soor wird geprüft, ob eine Grunderkrankung vorliegt oder bestimmte Medikamente umgestellt werden können.
Was kann man selbst tun?
Eine gute Mundhygiene ist entscheidend, um das Risiko für Soor zu senken. Dazu gehört das regelmäßige Zähneputzen, das Reinigen von Zahnprothesen und das Vermeiden von zuckerhaltigen Lebensmitteln, die das Pilzwachstum fördern. Wer Antibiotika einnehmen muss, sollte auf Anzeichen von Soor achten und bei ersten Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat suchen. Im Genitalbereich hilft es, auf atmungsaktive Unterwäsche zu achten und auf aggressive Intimhygiene zu verzichten. Bei Babys ist es wichtig, Windeln häufig zu wechseln und den Windelbereich trocken zu halten.
Typische Sorgen und Fragen
Viele machen sich Sorgen, ob Soor ansteckend ist. Im Alltag ist das Risiko für eine Übertragung gering, da der Pilz ohnehin bei vielen Menschen vorhanden ist. Eine Übertragung kann jedoch bei engem Kontakt, zum Beispiel beim Stillen zwischen Mutter und Kind, vorkommen. Auch fragen sich viele, ob die Infektion immer wiederkommt. Das ist nur dann wahrscheinlich, wenn das Immunsystem dauerhaft geschwächt ist oder bestimmte Risikofaktoren bestehen bleiben. Wer immer wieder Soor bekommt, sollte sich ärztlich beraten lassen, um die Ursache zu klären.
Soor ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Entscheidend ist, die Anzeichen früh zu erkennen und die Therapie konsequent durchzuführen. Bei Unsicherheiten oder wiederkehrenden Beschwerden lohnt sich ein offenes Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.