Retrospondylophyten sind knöcherne Anbauten, die an der Rückseite eines Wirbelkörpers entstehen und bei bildgebenden Untersuchungen wie Röntgen oder MRT sichtbar werden. Sie zählen zu den sogenannten Osteophyten, also Knochenneubildungen, die sich meist infolge von Verschleiß oder anderen Veränderungen an der Wirbelsäule bilden.
Was genau sind Retrospondylophyten?
Der Begriff setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen: „retro“ bedeutet „hinten“ oder „rückseitig“, „spondylo“ bezieht sich auf den Wirbel, und „phyten“ steht für „Wucherung“ oder „Anbau“. Gemeint sind damit knöcherne Ausziehungen, die sich an der hinteren Fläche eines Wirbelkörpers ausbilden. Sie werden häufig zufällig bei einer Untersuchung entdeckt, etwa wenn Rückenschmerzen oder andere Beschwerden abgeklärt werden sollen.
Solche Veränderungen sind ein Teil des normalen Alterungsprozesses der Wirbelsäule. Sie entstehen, wenn sich die Bandscheiben oder die kleinen Wirbelgelenke abnutzen, was wiederum den Körper dazu anregt, an den Rändern der Wirbel zusätzliche Knochensubstanz zu bilden. Dadurch versucht der Körper, die Wirbelsäule zu stabilisieren. Diese knöchernen Ausziehungen werden auch als Spondylophyten bezeichnet. Mehr dazu findest du im Artikel Spondylophytäre Anbauten.
Wie entstehen solche knöchernen Anbauten?
Im Laufe des Lebens ist die Wirbelsäule vielen Belastungen ausgesetzt. Die Bandscheiben verlieren mit den Jahren an Elastizität, die kleinen Wirbelgelenke nutzen sich ab, und das gesamte Stützsystem wird weniger flexibel. Der Körper reagiert darauf, indem er an den Rändern der Wirbel neue Knochensubstanz bildet, um die Stabilität zu erhöhen. Wenn diese Neubildungen an der Rückseite des Wirbels auftreten, spricht man von Retrospondylophyten.
Diese Veränderungen sind ein Zeichen für eine sogenannte Osteophytenbildung. Ein ausführlicher Überblick zu Ursachen und möglichen Symptomen findet sich im Artikel Osteophytenbildung.
Sind Retrospondylophyten gefährlich?
Knöcherne Anbauten an der Wirbelsäule sind zunächst eine altersbedingte Anpassung und müssen nicht zwangsläufig Beschwerden verursachen. Viele Menschen haben solche Veränderungen, ohne davon zu wissen oder jemals Symptome zu entwickeln. Erst wenn die Retrospondylophyten so groß werden, dass sie auf benachbarte Strukturen wie Nerven oder das Rückenmark drücken, können Beschwerden entstehen. Typische Anzeichen wären dann Rückenschmerzen, Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Armen oder Beinen, manchmal auch eine Schwäche der Muskulatur.
In den meisten Fällen bleiben diese knöchernen Ausziehungen jedoch unauffällig und werden nur zufällig im Rahmen einer Bildgebung entdeckt. Ein Anlass zur Sorge besteht meist nicht, solange keine Beschwerden auftreten.
Wie werden Retrospondylophyten festgestellt?
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren. Ein Röntgenbild, eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) zeigen die knöchernen Anbauten deutlich. Der Befund „Retrospondylophyten“ im Arztbrief beschreibt also lediglich das Vorhandensein solcher Veränderungen an der Rückseite eines oder mehrerer Wirbelkörper. Ob diese tatsächlich Beschwerden verursachen, lässt sich nur durch die Kombination von Bildgebung und den geschilderten Symptomen beurteilen.
Gibt es Behandlungsmöglichkeiten?
Solange Retrospondylophyten keine Beschwerden verursachen, ist keine spezielle Behandlung notwendig. Sie gelten als normale Altersveränderung. Erst wenn durch die knöchernen Ausziehungen Nerven eingeengt werden und dadurch Schmerzen oder andere Symptome auftreten, kann eine gezielte Therapie sinnvoll sein. Die Behandlung richtet sich dann nach den jeweiligen Beschwerden und kann von Physiotherapie über Schmerzmittel bis hin zu gezielten Eingriffen reichen. In den allermeisten Fällen reichen jedoch konservative Maßnahmen aus.
Was bedeutet das im Alltag?
Für die meisten ist der Befund „Retrospondylophyten“ zunächst kein Grund zur Sorge. Es handelt sich um eine typische Begleiterscheinung des natürlichen Alterungsprozesses der Wirbelsäule. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Bewegung, regelmäßigen Dehnübungen und einer kräftigen Rückenmuskulatur kann helfen, die Wirbelsäule zu entlasten und möglichen Beschwerden vorzubeugen. Auch das Vermeiden von Übergewicht und das richtige Heben im Alltag tragen dazu bei, die Wirbelsäule zu schützen.
Wer unsicher ist, ob die eigenen Rückenschmerzen mit solchen knöchernen Veränderungen zusammenhängen, sollte dies mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen. Nur so lässt sich klären, ob die Retrospondylophyten tatsächlich die Ursache sind oder ob andere Auslöser vorliegen.
Weitere Informationen zu verwandten Themen finden sich unter Osteophytenbildung und Spondylophytäre Anbauten.