Rektummukosaprolaps – Wenn Schleimhaut austritt

Rektummukosaprolaps – Wenn Schleimhaut austritt

18.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Rektummukosaprolaps bezeichnet das Hervortreten der inneren Schleimhaut des Enddarms durch den After nach außen, ohne dass die gesamte Darmwand betroffen ist.

Was steckt hinter dem Begriff?

Der Ausdruck setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: „Rektum“ steht für den Enddarm, also das letzte Stück des Dickdarms, das direkt zum After führt. „Mukosa“ bedeutet Schleimhaut, die innere Auskleidung des Darms. „Prolaps“ beschreibt in der Medizin das Herausfallen oder Hervortreten eines Organs oder Gewebes aus seiner normalen Position. Im Fall eines Rektummukosaprolaps schiebt sich also ausschließlich die Schleimhaut des Enddarms, nicht aber die gesamte Darmwand, nach außen. Das kann vorübergehend beim Stuhlgang passieren oder auch dauerhaft bestehen bleiben.

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Wie zeigt sich ein Mukosaprolaps am Enddarm?

Oft fällt auf, dass beim Pressen oder nach dem Toilettengang ein feuchtes, rötliches Gewebe aus dem After sichtbar wird. Manchmal zieht sich dieses von selbst wieder zurück, in anderen Fällen bleibt es vorübergehend oder dauerhaft außen sichtbar. Das Hervortreten beschränkt sich auf die Schleimhaut, im Unterschied zum vollständigen Rektumprolaps, bei dem alle Schichten des Enddarms betroffen sind. Viele bemerken zusätzlich Schleimabsonderungen, leichte Blutungen oder ein unangenehmes Druckgefühl am After.

Ist das gefährlich?

Ein Rektummukosaprolaps ist meist nicht akut bedrohlich, kann aber lästig sein und die Lebensqualität beeinträchtigen. In vielen Fällen verursacht er keine starken Schmerzen, kann aber zu Reizungen, Juckreiz oder kleinen Einrissen der Haut führen. Selten treten stärkere Blutungen auf. Die Gefahr einer ernsthaften Komplikation ist gering, solange keine Einklemmung oder Durchblutungsstörung entsteht. Dennoch sollte das Phänomen ärztlich abgeklärt werden, um andere Erkrankungen wie Hämorrhoiden, Polypen oder einen vollständigen Rektumprolaps auszuschließen.

Wie wird ein Rektummukosaprolaps festgestellt?

Die Diagnose erfolgt vor allem durch eine körperliche Untersuchung. Dabei betrachtet die Ärztin oder der Arzt den Afterbereich im Sitzen oder Liegen und bittet oft darum, wie beim Stuhlgang zu pressen. So lässt sich erkennen, ob und wie viel Schleimhaut hervortritt. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Enddarmspiegelung (Proktoskopie) durchgeführt, um die Schleimhaut von innen zu beurteilen und andere Ursachen auszuschließen. Bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht notwendig. Wichtig ist, die Abgrenzung zu anderen Formen des Prolaps zu klären, insbesondere zur Prolabierung, bei der sich verschiedene Gewebearten oder Organe nach außen stülpen können.

Was begünstigt einen Mukosaprolaps?

Mehrere Faktoren können das Entstehen eines Rektummukosaprolaps fördern. Häufig sind wiederholtes starkes Pressen beim Stuhlgang, chronische Verstopfung oder anhaltender Durchfall beteiligt. Auch eine Schwäche des Beckenbodens, die im Alter oder nach mehreren Geburten auftreten kann, begünstigt das Hervortreten der Schleimhaut. Menschen mit Bindegewebsschwäche oder erhöhtem Druck im Bauchraum, etwa durch Übergewicht, sind ebenfalls häufiger betroffen. Manchmal tritt ein Mukosaprolaps auch bei Kindern auf, meist im Zusammenhang mit starker Verstopfung.

Was kannst du selbst tun?

Oft hilft es bereits, die Auslöser zu vermeiden. Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung fördern einen weichen Stuhlgang und verringern den Druck beim Toilettengang. Starkes Pressen sollte vermieden werden. Auch gezielte Beckenbodenübungen können unterstützend wirken, um die Muskulatur rund um den Enddarm zu stärken. Bei anhaltenden Beschwerden empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, um die genaue Ursache festzustellen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen einzuleiten.

Wann ist ärztliche Hilfe nötig?

Immer dann, wenn das herausgetretene Gewebe nicht mehr von allein zurückgleitet, starke Schmerzen, anhaltende Blutungen oder Entzündungszeichen auftreten, sollte zügig eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn Unsicherheit über die Ursache besteht oder die Beschwerden zunehmen, ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll. Nur so lässt sich feststellen, ob es sich tatsächlich um einen reinen Mukosaprolaps handelt oder eine andere Erkrankung vorliegt.

Begriffliche Abgrenzung

In medizinischen Berichten findet sich manchmal auch die Bezeichnung „partieller Rektumprolaps“ oder „Schleimhautprolaps des Rektums“. Wichtig ist die Unterscheidung zum vollständigen Rektumprolaps, bei dem alle Schichten des Enddarms betroffen sind. Auch die Prolabierung beschreibt ein ähnliches Phänomen, ist aber ein übergeordneter Begriff für das Hervortreten von Gewebe oder Organen aus ihrer normalen Lage.

Ein Rektummukosaprolaps ist also das Hervortreten der Enddarmschleimhaut durch den After. Meist ist das nicht gefährlich, aber für Betroffene oft unangenehm. Eine gezielte Untersuchung hilft, die Ursache zu klären und passende Maßnahmen zu finden.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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