Pharmakologische Belastung: Stress im Körper sichtbar machen

Pharmakologische Belastung: Stress im Körper sichtbar machen

27.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Pharmakologische Belastung beschreibt die gezielte Gabe von Medikamenten, um den Körper während einer medizinischen Untersuchung oder eines Tests zu fordern und so bestimmte Funktionen oder Reaktionen sichtbar zu machen.

Was steckt hinter dem Begriff?

Im medizinischen Alltag taucht der Ausdruck pharmakologische Belastung vor allem bei sogenannten Belastungsuntersuchungen auf. Das sind Tests, bei denen überprüft wird, wie Organe oder Kreislaufsysteme unter Stress oder erhöhter Anforderung arbeiten. Häufig geht es dabei um das Herz oder die Lunge. Normalerweise würde man diesen Stress durch körperliche Aktivität, zum Beispiel auf dem Fahrradergometer oder Laufband, erzeugen. Allerdings ist das nicht immer möglich – etwa bei Menschen, die nicht ausreichend belastbar sind, sich nicht bewegen können oder deren Gesundheitszustand eine körperliche Anstrengung nicht zulässt.

In solchen Fällen greifen Ärztinnen und Ärzte auf Medikamente zurück, die im Körper ähnliche Effekte wie Sport oder Bewegung auslösen. Das ist die sogenannte pharmakologische Belastung. Die eingesetzten Wirkstoffe sorgen dafür, dass Herzschlag, Blutdruck oder Durchblutung gezielt gesteigert werden. So lässt sich beobachten, wie das Organ auf diese künstlich erzeugte Beanspruchung reagiert.

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Wo kommt pharmakologische Belastung zum Einsatz?

Die Anwendung ist besonders häufig bei Untersuchungen des Herzens zu finden. Ein klassisches Beispiel ist die pharmakologische Belastung bei einer Herzszintigrafie oder einem Belastungs-EKG, wenn eine körperliche Belastung nicht möglich ist. Hier werden Medikamente wie Dobutamin oder Adenosin genutzt, um das Herz schneller oder kräftiger schlagen zu lassen. Dadurch kann sichtbar werden, ob die Durchblutung des Herzmuskels ausreichend ist oder irgendwo Engstellen in den Herzkranzgefäßen bestehen.

Auch bei bestimmten Lungenfunktionstests oder in der Diagnostik von Durchblutungsstörungen anderer Organe kann eine solche medikamentöse Belastung helfen, Probleme aufzudecken, die im Ruhezustand verborgen bleiben würden.

Mehr Informationen dazu, wie eine Belastungsuntersuchung abläuft und wann sie sinnvoll ist, findest du im entsprechenden Artikel.

Welche Medikamente werden verwendet und wie wirken sie?

Die Auswahl des Medikaments richtet sich nach dem Ziel der Untersuchung. Für das Herz kommen zum Beispiel Substanzen wie Dobutamin, Adenosin oder Regadenoson zum Einsatz. Sie erhöhen die Herzfrequenz oder erweitern die Blutgefäße, wodurch das Herz mehr arbeiten muss. Bei Lungenuntersuchungen können andere Stoffe verwendet werden, die die Atemwege beeinflussen.

Die Medikamente werden meist als Infusion oder Injektion verabreicht. Die Wirkung setzt schnell ein und hält nur so lange an, wie es für die Untersuchung nötig ist. Nach dem Test klingt der Effekt rasch wieder ab.

Was bedeutet das für die eigene Gesundheit?

Eine pharmakologische Belastung wird immer unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt. Vor dem Test prüft das Team, ob Vorerkrankungen oder Allergien gegen die eingesetzten Medikamente bestehen. Während der Untersuchung werden Herzschlag, Blutdruck und andere wichtige Werte laufend überwacht. Kommt es zu Beschwerden wie Unwohlsein, Schwindel, Herzklopfen oder Atemnot, kann die Medikamentengabe sofort gestoppt werden.

Meist sind die eingesetzten Medikamente gut verträglich, Nebenwirkungen verschwinden nach kurzer Zeit von selbst. In seltenen Fällen kann es zu stärkeren Reaktionen kommen, etwa Herzrhythmusstörungen oder Blutdruckabfall. Deshalb finden diese Untersuchungen immer dort statt, wo im Notfall schnell medizinisch geholfen werden kann.

Warum wird nicht immer körperlich belastet?

Nicht jeder Mensch kann sich körperlich so anstrengen, wie es für eine klassische Belastungsuntersuchung nötig wäre. Gründe dafür sind zum Beispiel Gelenkprobleme, Muskelerkrankungen, schwere Herzschwäche oder auch ein hohes Alter. Die pharmakologische Belastung ist dann eine sichere und kontrollierte Alternative, um trotzdem wichtige Informationen über die Organfunktion zu erhalten. Sie erweitert die Möglichkeiten der Diagnostik, ohne dass du dich selbst körperlich verausgaben musst.

Was sollte man vor einer pharmakologischen Belastung beachten?

Vor dem Termin gibt es meist genaue Anweisungen, was gegessen, getrunken oder eingenommen werden darf. Bestimmte Medikamente, etwa Betablocker oder Koffein, können die Wirkung der Belastungsmedikamente beeinflussen und müssen eventuell vorher abgesetzt werden. Das wird aber immer individuell mitgeteilt. Es lohnt sich, alle bestehenden Vorerkrankungen und regelmäßig eingenommenen Mittel im Vorfeld offen anzugeben. So kann das Team die Untersuchung optimal vorbereiten und Risiken minimieren.

Kurz zusammengefasst

Pharmakologische Belastung ist eine Methode, um mithilfe von Medikamenten gezielt Stresssituationen im Körper zu erzeugen. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine körperliche Belastung nicht möglich oder nicht sinnvoll ist. Die Untersuchung ist sicher, wird engmaschig überwacht und liefert wichtige Hinweise auf die Funktion von Herz, Lunge oder anderen Organen. Wer Fragen zu einer anstehenden Belastungsuntersuchung hat, findet weitere Informationen im Artikel zur Belastungsuntersuchung.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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