PD-L1 im Befund: Was der Wert bedeutet

PD-L1 im Befund: Was der Wert bedeutet

PD-L1 ist ein Eiweiß, das manche Krebszellen an ihrer Oberfläche tragen, um sich vor dem körpereigenen Abwehrsystem zu verstecken. Der PD-L1-Wert auf deinem Befund sagt nichts darüber aus, wie viel Krebs da ist, sondern schätzt ab, wie gut eine bestimmte Immuntherapie bei dir anschlagen könnte.

Wofür dieser Wert im Befund steht

Dein Immunsystem hat eingebaute Bremsen, damit es nicht aus Versehen gesundes Gewebe angreift. Eine dieser Bremsen läuft über PD-L1. Zeigt eine Zelle dieses Eiweiß, sendet sie den Abwehrzellen im Grunde ein "Lass mich in Ruhe"-Signal, und die Abwehrzelle zieht sich zurück.

Genau das machen sich manche Tumore zunutze. Sie bilden besonders viel PD-L1 und schalten die Abwehrzellen damit gezielt ab, obwohl diese den Krebs eigentlich bekämpfen sollten. Der Tumor macht sich für das Immunsystem sozusagen unsichtbar. Wie viel PD-L1 eine Krebsprobe trägt, misst das Labor an einem Stück Gewebe, das bei einer Biopsie oder einer Operation entnommen wurde. Dieses Färbeverfahren heißt Immunhistochemie.

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Ist ein hoher Wert gut oder schlecht?

PD-L1 ist kein Maß dafür, wie aggressiv oder wie fortgeschritten eine Krebserkrankung ist. Ein hoher Wert heißt nicht "schlimmer" und ein niedriger nicht "harmlos".

Im Gegenteil gilt ein hoher Wert eher als gute Nachricht. Denn je mehr PD-L1 ein Tumor zeigt, desto größer ist die Chance, dass eine Immuntherapie greift, die genau diese Bremse wieder löst. Der Wert beschreibt also nicht die Schwere der Erkrankung, sondern eine Behandlungschance.

Was positiv und negativ bedeuten

"PD-L1 positiv" heißt, dass in deiner Gewebeprobe genug PD-L1 gefunden wurde, um eine Immuntherapie sinnvoll in Betracht zu ziehen. "Negativ" heißt, dass wenig oder keins nachweisbar war.

Dabei gibt es keinen einzigen, überall gültigen Grenzwert. Was als positiv oder als hoch zählt, hängt von der Krebsart und vom jeweiligen Medikament ab, und je nach Tumor wird auch unterschiedlich gezählt. Beim Lungenkrebs schaut man darauf, wie viel Prozent der Krebszellen PD-L1 tragen, das nennt sich TPS. Bei Magen- und Speiseröhrenkrebs rechnet man auch die Abwehrzellen mit ein, das ist der CPS. Bei Blasenkrebs kommt es aufs Medikament an, mal zählen vor allem die Immunzellen, mal die Tumorzellen. Deshalb steht auf deinem Befund immer dazu, welche Zählweise verwendet wurde.

Ein positiver Wert ist keine Garantie, er verschiebt die Wahrscheinlichkeit nur zu deinen Gunsten. Insgesamt sprechen etwa ein Drittel der behandelten Patient:innen deutlich auf eine Immuntherapie an. Umgekehrt schließt ein niedriger Wert einen Nutzen nicht völlig aus, oft wird die Immuntherapie dann mit einer Chemotherapie kombiniert.

Der Unterschied zwischen PD-1 und PD-L1

PD-1 und PD-L1 werden oft verwechselt, weil sie so ähnlich heißen, doch sie sitzen an unterschiedlichen Stellen. Stell dir ein Schloss und einen Schlüssel vor: PD-L1 sitzt auf der Krebszelle, PD-1 sitzt auf der Abwehrzelle des Immunsystems. Passen die beiden zusammen, wird die Abwehrzelle ausgebremst.

Für die Behandlung heißt das: Manche Medikamente setzen am Schloss an, andere am Schlüssel. Beide unterbrechen dieselbe Verbindung und erreichen dasselbe Ziel, nämlich die Abwehr wieder scharf zu stellen.

Ist das ein Tumormarker?

Nein, auch wenn der Begriff danach klingt. Ein klassischer Tumormarker ist ein Wert aus dem Blut, der grob anzeigt, wie viel Tumor im Körper aktiv ist, und der oft im Verlauf beobachtet wird.

PD-L1 ist etwas anderes. Es wird nicht im Blut, sondern direkt am Tumorgewebe bestimmt, und es sagt nichts über die Menge des Krebses aus. Fachleute nennen es einen prädiktiven Biomarker, also einen Wert, der eine Behandlung vorhersagt. Er beantwortet die Frage: Wie wahrscheinlich hilft dir eine Immuntherapie?

Was der Wert bei Lungenkrebs heißt

Am häufigsten begegnet Menschen der PD-L1-Wert beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Hier gehört die Bestimmung fest zur Diagnostik, bevor die Behandlung geplant wird. Die deutsche Leitlinie stuft diese Testung als unverzichtbar ein, weil sich daran mit entscheidet, welche Therapie infrage kommt.

Bei einem hohen Wert, also wenn mindestens die Hälfte der Krebszellen PD-L1 tragen, kann in fortgeschrittenen Fällen eine Immuntherapie allein als erste Behandlung ausreichen, ganz ohne Chemotherapie. Diese Möglichkeit geht auf eine große Zulassungsstudie zurück, in der der Krebs unter der Immuntherapie im Schnitt länger in Schach blieb als unter einer Chemotherapie, und das mit weniger schweren Nebenwirkungen. Bei niedrigeren Werten wird die Immuntherapie meist mit einer Chemotherapie kombiniert. Einen so hohen Wert hat nur ein Teil der Betroffenen, jeder Fall wird einzeln beurteilt.

Was PD-L1-Inhibitoren sind

PD-L1-Inhibitoren gehören zu den sogenannten Checkpoint-Inhibitoren. Das sind Medikamente, die genau die Bremse lösen, über die sich der Tumor versteckt. Sie blockieren die Verbindung zwischen PD-L1 und PD-1, sodass die Abwehrzellen den Krebs wieder erkennen und angreifen können.

Bekannte Wirkstoffe sind zum Beispiel Pembrolizumab und Nivolumab, die am Schlüssel PD-1 ansetzen, sowie Atezolizumab, das am Schloss PD-L1 ansetzt. Welcher Wirkstoff für dich passt, hängt von der Krebsart, vom PD-L1-Wert und von deiner Gesamtsituation ab.

Warum ein einzelnes Ergebnis nicht alles zeigt

Ein PD-L1-Wert ist eine Momentaufnahme einer bestimmten Gewebeprobe. Zwei Dinge spielen dabei eine Rolle.

Zum einen sind die verschiedenen Labortests nicht beliebig austauschbar. Für unterschiedliche Medikamente wurden eigene Testverfahren entwickelt, und dieselbe Probe kann je nach Test etwas anders ausfallen. Deshalb ist es sinnvoll, dass im Befund steht, welcher Test verwendet wurde. Zum anderen kann PD-L1 innerhalb desselben Tumors schwanken. Beim Nierenkrebs ist gut belegt, dass sich der Wert zwischen dem Haupttumor und einer Metastase unterscheiden kann. Eine einzelne Probe zeigt also nicht immer das ganze Bild. All das ordnet am besten deine behandelnde Ärztin oder dein behandelnder Arzt gemeinsam mit dir in deine persönliche Situation ein.

Quellen

Onkopedia-Leitlinie Lungenkarzinom, nicht-kleinzellig (NSCLC), Stand April 2025, DGHO. Quelle

Pembrolizumab versus Chemotherapy for PD-L1-Positive Non-Small-Cell Lung Cancer. New England Journal of Medicine, 2016. PubMed

Regulation of PD-L1 expression in the tumor microenvironment. Journal of Hematology & Oncology, 2021. PubMed

PD-L1 testing by immunohistochemistry in immuno-oncology. Biomolecules & Biomedicine, 2023. PubMed

PD1 and PD-L1 Inhibitors for the Treatment of Kidney Cancer: The Role of PD-L1 Assay. Current Drug Targets, 2020. PubMed

Immunotherapy and Targeted Therapy for Advanced Gastroesophageal Cancer: ASCO Guideline. Journal of Clinical Oncology, 2023. PubMed

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
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