Panaritium am Finger: Erkennen und handeln

Panaritium am Finger: Erkennen und handeln

PD Dr. med. Witold Polanski

Panaritium bezeichnet eine akute eitrige Entzündung am Finger oder seltener an der Zehe, die meist im Bereich des Nagelfalzes, der Fingerkuppe oder an den seitlichen Weichteilen auftritt. Ursache ist fast immer eine Infektion mit Bakterien, häufig durch kleine Verletzungen oder Risse in der Haut.

Wie entsteht eine Entzündung am Finger?

Ein Panaritium entsteht meist dann, wenn Bakterien, in den meisten Fällen sogenannte Staphylokokken – durch winzige Wunden oder Risse in die Haut eindringen. Oft reicht schon ein kleiner Schnitt, ein eingerissener Nagel oder ein Splitter. Besonders gefährdet sind Stellen rund um den Fingernagel, aber auch die Fingerkuppe oder die seitlichen Hautfalten können betroffen sein. Die Bakterien vermehren sich im Gewebe, der Körper reagiert mit einer Entzündung. Es bildet sich Eiter, die Stelle schwillt an, wird rot, schmerzt und fühlt sich oft warm an.

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Typische Beschwerden und Verlauf

Die ersten Anzeichen sind meist Rötung, Schwellung und pochender Schmerz am betroffenen Finger. Häufig bildet sich ein kleiner Eiterherd, der als gelblicher Punkt unter der Haut sichtbar werden kann. Die Entzündung kann sich rasch ausbreiten, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Besonders unangenehm ist, dass der Finger druckempfindlich wird und Bewegungen schmerzen. In manchen Fällen kann auch Fieber auftreten, wenn die Infektion stärker ausgeprägt ist.

Ein Panaritium kann an verschiedenen Stellen auftreten: Direkt am Nagelrand (dann spricht man auch von einer Paronychie), an der Fingerkuppe (als sogenanntes Umlauf) oder in tieferen Schichten, wenn die Entzündung weiter ins Gewebe vordringt.

Ist das gefährlich?

Viele Betroffene fragen sich, ob eine solche Entzündung am Finger gefährlich werden kann. Grundsätzlich gilt: Ein Panaritium ist zwar in den meisten Fällen gut behandelbar, sollte aber nicht unterschätzt werden. Bleibt die Infektion unbehandelt, kann sie sich auf Sehnen, Gelenke oder sogar den Knochen ausbreiten. In seltenen Fällen drohen schwerwiegende Komplikationen, etwa eine Ausbreitung der Bakterien über die Blutbahn (Blutvergiftung).

Besonders Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Diabetes oder Durchblutungsstörungen sollten bei ersten Anzeichen rasch ärztlichen Rat suchen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose ergibt sich meist schon durch das typische Erscheinungsbild und die Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte schauen sich die betroffene Stelle genau an und prüfen, ob sich bereits Eiter gebildet hat. In seltenen Fällen kann eine Blutuntersuchung oder ein Abstrich nötig werden, um den genauen Erreger zu bestimmen oder eine andere Ursache auszuschließen.

Wenn die Entzündung sehr tief sitzt oder der Verdacht auf eine Beteiligung von Sehnen oder Gelenken besteht, kann eine Ultraschalluntersuchung oder ein Röntgenbild hilfreich sein.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach dem Ausmaß der Entzündung. Bei kleinen, oberflächlichen Panaritien genügt oft eine konsequente Desinfektion und Ruhigstellung des Fingers. Warme Bäder mit desinfizierenden Zusätzen können helfen, die Entzündung einzudämmen. In manchen Fällen verschreibt die Ärztin oder der Arzt eine antibiotische Salbe.

Hat sich bereits Eiter angesammelt, muss dieser meist durch einen kleinen Schnitt unter örtlicher Betäubung abgelassen werden. Das klingt unangenehm, ist aber oft die schnellste und sicherste Methode, um die Heilung zu fördern. In schwereren Fällen oder bei tiefer Ausbreitung können auch Antibiotika in Tablettenform nötig werden. Nur sehr selten ist eine Operation erforderlich, etwa wenn Sehnen, Gelenke oder Knochen betroffen sind.

Was kann man selbst tun?

Wichtig ist, den betroffenen Finger möglichst ruhig zu halten und nicht weiter zu belasten. Finger regelmäßig desinfizieren und auf gute Hygiene achten, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet. Warme Handbäder mit Kamille oder einer desinfizierenden Lösung können unterstützend wirken. Keinesfalls sollte versucht werden, den Eiter selbst auszudrücken oder mit spitzen Gegenständen zu öffnen, das erhöht das Risiko einer Ausbreitung.

Wenn die Schwellung zunimmt, starke Schmerzen oder Fieber auftreten, sollte zeitnah ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie lässt sich ein Panaritium vermeiden?

Vorbeugung ist möglich: Hände regelmäßig waschen, kleine Verletzungen sofort reinigen und desinfizieren, Splitter oder Fremdkörper sorgfältig entfernen. Beim Schneiden der Nägel darauf achten, nicht zu tief in die Haut zu schneiden. Besonders Menschen, die im Alltag viel mit den Händen arbeiten, sollten auf Handschutz und gute Hautpflege achten.

Ein Panaritium ist unangenehm, aber in den meisten Fällen gut behandelbar. Mit schneller Reaktion und richtiger Pflege heilt die Entzündung meist ohne Folgen ab. Wer unsicher ist oder sich die Beschwerden verschlimmern, sollte immer ärztlichen Rat einholen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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