Ösophaguskarzinom – Folgen, Symptome und Therapieoptionen

Ösophaguskarzinom – Folgen, Symptome und Therapieoptionen

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Ösophaguskarzinom ist eine bösartige Tumorerkrankung der Speiseröhre, also des Muskelschlauchs, der Mund und Magen miteinander verbindet.

Was steckt hinter dem Begriff?

Das Wort setzt sich aus zwei Teilen zusammen: „Ösophagus“ ist die medizinische Bezeichnung für die Speiseröhre. Mehr dazu findest du hier. „Karzinom“ steht für eine spezielle Form von Krebs, die aus Zellen der Haut oder Schleimhaut hervorgeht. Eine ausführliche Erklärung zu diesem Begriff gibt es hier. Wenn im Arztbrief also von einem Ösophaguskarzinom die Rede ist, liegt ein bösartiger Tumor im Bereich der Speiseröhre vor. Manchmal wird auch von Speiseröhrenkrebs gesprochen. In medizinischen Texten taucht auch der Begriff Malignom auf, der einfach „bösartiger Tumor“ bedeutet – mehr dazu hier.

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Wie entsteht ein Tumor in der Speiseröhre?

Die Speiseröhre ist ein etwa 25 Zentimeter langer Muskelschlauch, der Nahrung vom Rachen in den Magen transportiert. Ihre Innenwand ist mit einer Schleimhaut ausgekleidet. Genau dort kann sich ein Karzinom entwickeln, wenn sich Zellen unkontrolliert teilen und zu wachsen beginnen. Mit der Zeit entsteht eine Geschwulst, die das Organ einengen oder sogar in umliegendes Gewebe einwachsen kann.

Es gibt zwei Hauptformen: das Plattenepithelkarzinom, das meist im oberen Teil der Speiseröhre zu finden ist, und das Adenokarzinom, das eher im unteren Abschnitt entsteht. Beide Typen unterscheiden sich in ihrer Entstehung und den Risikofaktoren, aber beide sind bösartig und können sich im Körper ausbreiten.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren können das Risiko für ein Ösophaguskarzinom erhöhen. Besonders häufig betroffen sind Menschen, die über viele Jahre regelmäßig Alkohol trinken oder rauchen. Auch chronische Entzündungen der Speiseröhre, wie sie bei starkem Sodbrennen (Refluxkrankheit) auftreten, gelten als Risikofaktor. Übergewicht, eine Ernährung mit wenig Obst und Gemüse sowie bestimmte Vorerkrankungen wie Achalasie (eine Bewegungsstörung der Speiseröhre) können das Risiko ebenfalls steigern.

Das Adenokarzinom, also die Krebsform im unteren Abschnitt, tritt häufiger bei Menschen auf, die unter langjährigem Sodbrennen leiden. Dabei kann es zu Veränderungen der Schleimhaut kommen, die als Barrett-Ösophagus bezeichnet werden. Diese Veränderungen gelten als Vorstufe für ein Karzinom.

Symptome: Woran lässt sich ein Ösophaguskarzinom erkennen?

Im frühen Stadium verursacht ein Tumor in der Speiseröhre meist keine Beschwerden. Erst wenn die Geschwulst größer wird, können erste Anzeichen auftreten. Typisch ist das Gefühl, dass das Schlucken schwieriger wird, besonders bei festen Speisen. Manche berichten von Schmerzen beim Schlucken oder einem Druckgefühl hinter dem Brustbein. Im weiteren Verlauf kann es zu ungewolltem Gewichtsverlust, Heiserkeit, Husten oder sogar Erbrechen von Blut kommen. Diese Symptome sind zwar nicht immer ein Hinweis auf Krebs, sollten aber unbedingt ärztlich abgeklärt werden, wenn sie länger anhalten.

Diagnose: Wie wird Speiseröhrenkrebs festgestellt?

Um ein Ösophaguskarzinom sicher zu erkennen, kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz. Die wichtigste ist die Spiegelung der Speiseröhre, auch Gastroskopie genannt. Dabei führt die Ärztin oder der Arzt einen dünnen Schlauch mit Kamera durch den Mund in die Speiseröhre ein und schaut sich die Schleimhaut genau an. Verdächtige Stellen können direkt mit einer kleinen Zange biopsiert werden. Das entnommene Gewebe wird anschließend unter dem Mikroskop untersucht, um festzustellen, ob tatsächlich Krebszellen vorliegen.

Ergänzend werden bildgebende Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt. Damit lässt sich überprüfen, ob und wie weit sich der Tumor im Körper ausgebreitet hat. Das ist wichtig, um die passende Behandlung zu planen.

Wie schlimm ist ein Ösophaguskarzinom?

Die Diagnose Speiseröhrenkrebs löst bei vielen Menschen große Sorgen aus. Tatsächlich handelt es sich um eine ernsthafte Erkrankung, die ohne Behandlung meist fortschreitet und sich auf andere Organe ausbreiten kann. Die Heilungschancen hängen davon ab, wie früh der Tumor entdeckt wird und ob er sich bereits in andere Bereiche ausgebreitet hat. Leider wird ein Ösophaguskarzinom oft erst spät bemerkt, weil die Symptome anfangs sehr unauffällig sind.

Trotzdem gibt es heute viele Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln und das Fortschreiten zu verlangsamen. Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, sodass auch bei fortgeschrittenen Tumoren oft noch Linderung möglich ist.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach Größe, Lage und Ausbreitung des Tumors sowie nach dem allgemeinen Gesundheitszustand. In frühen Stadien kann eine Operation helfen, bei der der betroffene Teil der Speiseröhre entfernt wird. Manchmal ist es möglich, den Tumor mit einer speziellen Endoskopie-Technik herauszuschneiden, wenn er noch sehr klein ist.

In fortgeschrittenen Fällen kommen häufig eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung zum Einsatz. Diese Verfahren können den Tumor verkleinern oder sein Wachstum aufhalten. Wenn eine Operation nicht mehr möglich ist, stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, um Beschwerden zu lindern. Dazu zählen das Einsetzen von kleinen Röhrchen (Stents), um die Speiseröhre offen zu halten, oder die gezielte Behandlung von Schmerzen und Schluckbeschwerden.

Die Auswahl der richtigen Therapie erfolgt immer individuell und wird im Team von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten besprochen.

Was kannst du selbst tun?

Auch wenn die Diagnose belastend ist, gibt es einige Dinge, die helfen können. Eine ausgewogene, möglichst weiche und gut schluckbare Ernährung ist wichtig, um den Körper zu stärken. Bei Problemen mit dem Essen oder Trinken kann eine Ernährungsberatung wertvolle Tipps geben. Rauchen und Alkohol sollten ganz gemieden werden, da sie die Schleimhaut zusätzlich reizen und das Risiko für Komplikationen erhöhen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die enge Zusammenarbeit mit dem Behandlungsteam sind entscheidend. Viele Menschen profitieren auch von psychologischer Unterstützung, um mit der Diagnose und den Veränderungen im Alltag besser umgehen zu können.

Häufige Fragen und Ängste

Viele Betroffene fragen sich, wie es nach der Diagnose weitergeht und ob eine vollständige Heilung möglich ist. Die Antwort hängt davon ab, wie früh der Tumor entdeckt wurde und wie gut er auf die Behandlung anspricht. Auch wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, gibt es oft noch Wege, die Lebensqualität zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

Ein weiteres Thema ist die Angst vor Schmerzen oder dem Verlust der Selbstständigkeit. Hier kann das Behandlungsteam gezielt helfen, zum Beispiel mit Schmerztherapie oder speziellen Hilfsmitteln für den Alltag. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann entlasten und Mut machen.

Zahlen und Fakten

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 5.000 bis 6.000 Menschen an einem Ösophaguskarzinom. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei etwa 65 Jahren. Die Heilungschancen sind umso besser, je früher der Tumor entdeckt wird. Deshalb ist es wichtig, anhaltende Schluckbeschwerden oder andere Warnzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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