Wann eine CT der Nasennebenhöhlen gemacht wird und wann nicht
Nicht jede verstopfte, schmerzende Nase braucht ein Bild. Die Leitlinie zur Nasennebenhöhlenentzündung, also die gemeinsame Empfehlung der deutschen Fachgesellschaften für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Allgemeinmedizin, ist an dieser Stelle sehr deutlich.
Bei einer unkomplizierten akuten Entzündung ist Bildgebung nicht vorgesehen
Bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung, in der Fachsprache akute Rhinosinusitis, sollen laut Leitlinie routinemäßig keine bildgebenden Verfahren erfolgen. Der Grund ist einfach: Eine solche Entzündung heilt meist von selbst aus, und ein Bild würde die Behandlung nicht ändern, wohl aber Strahlung kosten. Wenn du also mit dicker Nase und Druck über der Stirn in der Praxis sitzt und kein CT bekommst, ist das kein Versäumnis, sondern genau das empfohlene Vorgehen.
Bei langem oder wiederkehrendem Verlauf hilft das Schnittbild
Anders sieht es aus, wenn die Beschwerden nicht weggehen. Bei einer chronischen Rhinosinusitis, also einer Entzündung, die mindestens zwölf Wochen anhält, gehört eine Schnittbildgebung zur Abklärung dazu, und vor einer Operation ist die Computertomografie das Verfahren der Wahl. Auch bei immer wiederkehrenden Entzündungen kann eine Aufnahme sinnvoll sein, dann aber bevorzugt im beschwerdefreien Zeitraum dazwischen, um andere Ursachen auszuschließen oder einen Eingriff zu planen. Dass du einen Termin bekommst, spricht also nicht dafür, dass etwas Schlimmes vermutet wird. Es spricht dafür, dass die bisherigen Untersuchungen die Frage nicht beantwortet haben.
Wie die Untersuchung abläuft
Du legst dich auf eine schmale Liege, dein Kopf wird bequem gelagert und die Liege fährt langsam durch eine kurze, ringförmige Öffnung. Darin kreist die Röntgenröhre um deinen Kopf und nimmt dabei die vielen Einzelschichten auf. Die eigentliche Aufnahme ist kurz, der ganze Termin dauert nur wenige Minuten, und deine wichtigste Aufgabe dabei ist, ruhig liegen zu bleiben, damit die Bilder scharf werden. Spüren wirst du nichts, Röntgenstrahlen sind weder zu sehen noch zu fühlen.
Ein Standard-CT der Nasennebenhöhlen läuft ohne Kontrastmittel, also ohne das Mittel, das sonst über die Vene gespritzt wird, um Gewebe besser voneinander abzugrenzen. Für die Beurteilung von Knochen, Schleimhaut und Belüftung braucht es das nicht. Kontrastmittel kommt nur in besonderen Situationen ins Spiel, etwa bei dem Verdacht, dass sich eine Entzündung über die Nasennebenhöhlen hinaus ausgebreitet hat, oder bei der Frage nach einer Eiteransammlung oder einem Tumor. Welches Verfahren dann gewählt wird, ein CT mit Kontrastmittel oder eine Magnetresonanztomografie, richtet sich nach der Fragestellung. Meist wird die Magnetresonanztomografie bevorzugt; ein CT mit Kontrastmittel kommt vor allem dann infrage, wenn eine Aufnahme im Magnetfeld nicht möglich ist oder es besonders eilig ist.
Wer die Kosten trägt
Wenn eine ärztliche Begründung für die Untersuchung vorliegt, übernimmt die Krankenkasse die Kosten, gesetzlich wie privat. Anders ist es, wenn du eine Aufnahme ohne medizinischen Anlass wünschst, etwa als Selbstzahlerleistung. Dann musst du sie selbst bezahlen. Eine seriöse Zahl lässt sich hier nicht nennen, weil der Betrag von der Abrechnungsart und von der Praxis abhängt. Frag den konkreten Preis am besten direkt dort nach, wo die Aufnahme gemacht werden soll.
Wie hoch die Strahlenbelastung ist
Die Strahlenmenge bei dieser Untersuchung ist klein. Eine CT der Nasennebenhöhlen wird heute in Niedrigdosistechnik durchgeführt, also mit einem Aufnahmeprogramm, das bewusst so wenig Strahlung wie möglich verwendet. Die Leitlinie rechnet dabei für einen typischen Aufnahmebereich von etwa zehn Zentimetern Länge mit einer wirksamen Dosis von 0,03 bis 0,15 Millisievert. Millisievert ist dabei die Maßeinheit dafür, wie stark eine Strahlendosis auf den Körper wirkt.
Damit diese Zahl greifbar wird, hilft ein Vergleich mit der Strahlung, der du ohnehin ausgesetzt bist. Durch Gestein, Höhenstrahlung und Nahrung kommen in Deutschland im Schnitt etwa 2,1 Millisievert pro Jahr zusammen, je nach Wohnort auch mehr oder weniger. Grob umgerechnet entspricht eine Niedrigdosis-Aufnahme der Nasennebenhöhlen damit ungefähr der natürlichen Strahlung von 5 bis 26 Tagen, also deutlich weniger als einem Monat. Diese Umrechnung ist eine Orientierungsgröße und keine amtliche Angabe. Moderne Aufnahmeprogramme können sogar noch darunter bleiben: In einer Studie an 129 Personen ließ sich die Dosis mit einer zusätzlichen Filterung des Strahls auf unter 0,05 Millisievert drücken, ohne dass die Knochen schlechter zu beurteilen waren. Du darfst vor dem Termin ruhig fragen, ob nach einem solchen Niedrigdosisprogramm gearbeitet wird.
Die digitale Volumentomografie als Alternative
Manche Praxen arbeiten mit einer digitalen Volumentomografie, kurz DVT. Dabei umkreist ein kegelförmiger Röntgenstrahl den Kopf einmal, und aus diesem Umlauf wird das Bild berechnet. Knochen stellt dieses Verfahren genauso fein dar wie eine Computertomografie, Weichteile dagegen schlechter, und bei manchen Geräten dauert die Aufnahme länger. Bei der Strahlendosis nennt die Leitlinie beide Verfahren vergleichbar, während eine Vergleichsstudie für die digitale Volumentomografie einen messbaren Vorteil fand. Eine feste Prozentzahl lässt sich daraus nicht ableiten, denn Geräte und Aufnahmeprogramme unterscheiden sich stark. Für dich heißt das vor allem: Beide Wege sind strahlenarm, und welcher passt, hängt davon ab, worauf geschaut werden soll.
Was im Befund steht
Der schriftliche Befund beschreibt meist mehrere Beobachtungen nebeneinander. Diese Formulierungen liest du besonders oft.
Verschattung und Schleimhautschwellung
Verschattung, manchmal auch Opazifikation genannt, ist ein Sammelbegriff für alles, was auf dem Bild dichter erscheint als die normale, luftgefüllte Höhle. Dahinter kann verdickte Schleimhaut stecken, aber auch Sekret, ein Polyp oder eine Zyste. Eine Schleimhautschwellung bedeutet, dass die dünne Auskleidung der Höhle entzündlich angeschwollen ist.
Spiegelbildung
Damit ist eine waagerechte Grenzlinie zwischen Luft und Flüssigkeit gemeint, wie in einem halb gefüllten Glas. Sie zeigt, dass sich Sekret in der Kieferhöhle oder einer anderen Höhle gesammelt hat, und spricht eher für eine frische, aktive Entzündung.
Polypen
Polypen der Nase sind gutartige Wucherungen der Schleimhaut. Sie treten häufig bei einer chronischen Entzündung auf und können die schmalen Gänge zwischen Nase und Nebenhöhlen verlegen.
Anatomische Varianten
Eine Nasenseptumdeviation ist eine Verbiegung der Nasenscheidewand, also der Trennwand zwischen den beiden Nasenhälften. Eine Concha bullosa ist eine mittlere Nasenmuschel, die innen eine kleine Lufthöhle enthält. Beides ist sehr verbreitet, und wenn du eine dieser Formulierungen liest, beschreibt sie zunächst nur, wie deine Nase gebaut ist, und keine Krankheit.
Warum ein auffälliger Befund oft harmlos ist
Veränderungen an der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen sind auf Schnittbildern die Regel und nicht die Ausnahme. In einer norwegischen Bevölkerungsstudie wurden 982 zufällig ausgewählte Erwachsene untersucht, unabhängig davon, ob sie Beschwerden hatten. Die Aufnahmen entstanden im Magnetresonanztomografen, zeigen aber dieselbe Schleimhaut, die auch ein CT abbildet. Bei zwei von drei Teilnehmenden fand sich irgendeine Verschattung, bei etwa der Hälfte eine verdickte Schleimhaut und bei rund einem Drittel Polypen oder kleine Zysten, meist in der Kieferhöhle.
Wenn in deinem Befund also eine Schleimhautverdickung oder eine leichte Verschattung beschrieben ist, heißt das für sich genommen noch nicht, dass du krank bist. Ob eine Beobachtung Gewicht hat, entscheidet sich erst im Zusammenspiel mit deinen Beschwerden und der Untersuchung in der Praxis. Genau danach kannst du im Gespräch fragen: Passt das, was auf den Bildern zu sehen ist, zu dem, was du spürst, und ändert es etwas an der geplanten Behandlung.
Quellen
S2k-Leitlinie Rhinosinusitis. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) / Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). AWMF-Register-Nr. 017/049 und 053-012. Quelle
Bundesamt für Strahlenschutz. In welchem Maße sind wir in Deutschland Strahlung ausgesetzt? Quelle
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