Naevus – Muttermale richtig verstehen

Naevus – Muttermale richtig verstehen

05.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Naevus ist ein medizinischer Begriff für einen gutartigen Fleck oder eine Veränderung der Haut, die meist angeboren ist oder sich im Laufe des Lebens entwickelt.

Was steckt hinter dem Begriff Naevus?

Das Wort Naevus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Muttermal“. In der Medizin beschreibt es eine sichtbare Veränderung der Haut, die sich in Farbe, Form oder Struktur von der umgebenden Haut unterscheidet. Der Begriff wird oft verwendet, wenn Ärztinnen und Ärzte einen auffälligen Fleck oder eine Erhebung auf der Haut dokumentieren, der von Geburt an besteht oder später entstanden ist. Im Alltag sind Naevi vor allem als Muttermale oder Leberflecken bekannt.

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Verschiedene Arten von Naevi

Nicht jedes Muttermal sieht gleich aus. Es gibt viele verschiedene Formen, die sich nach Aussehen, Entstehung und Zelltyp unterscheiden. Pigmentnaevi sind die bekanntesten Vertreter – sie entstehen durch eine Ansammlung von pigmentbildenden Zellen, den sogenannten Melanozyten. Diese Muttermale können hellbraun, dunkelbraun oder sogar fast schwarz erscheinen. Manche Naevi sind flach und kaum tastbar, andere leicht erhaben oder sogar knotig.

Neben den pigmentierten Formen gibt es auch Naevi ohne Farbstoff, zum Beispiel sogenannte Blutschwämmchen (Hämangiome) oder Naevus flammeus (Feuermal). Diese entstehen durch eine Fehlbildung von Blutgefäßen in der Haut und zeigen sich meist als rötliche oder bläuliche Flecken.

Wann treten Naevi auf und wie häufig sind sie?

Muttermale sind weit verbreitet. Die meisten Menschen haben mehrere davon, oft schon seit der Kindheit. Im Laufe des Lebens können neue Naevi hinzukommen, insbesondere während der Pubertät oder Schwangerschaft, wenn sich der Hormonhaushalt verändert. Durchschnittlich trägt ein Erwachsener zwischen 10 und 40 Muttermale am Körper. Die Verteilung ist dabei ganz unterschiedlich – manche Menschen haben nur wenige, andere sehr viele.

Ist ein Naevus gefährlich?

Die allermeisten Naevi sind harmlos und verändern sich über Jahre kaum. Sie verursachen keine Beschwerden und müssen in der Regel nicht behandelt werden. Dennoch gibt es einige Situationen, in denen eine ärztliche Kontrolle sinnvoll ist. Besonders dann, wenn ein Muttermal plötzlich wächst, seine Farbe oder Form verändert, unregelmäßige Ränder bekommt, juckt, blutet oder Schmerzen verursacht, sollte es genauer untersucht werden. In seltenen Fällen kann sich aus einem Naevus ein Hautkrebs entwickeln, vor allem aus sogenannten atypischen oder dysplastischen Naevi. Das Risiko ist insgesamt aber gering.

Wie wird ein Naevus erkannt und beurteilt?

Bei der Hautuntersuchung achtet die Ärztin oder der Arzt auf bestimmte Merkmale, um harmlose Naevi von auffälligen Veränderungen zu unterscheiden. Die sogenannte ABCDE-Regel hilft dabei: Asymmetrie, Begrenzung, Color (Farbe), Durchmesser und Entwicklung. Ein Muttermal, das plötzlich wächst, mehrere Farben aufweist oder unscharfe Ränder hat, fällt unter diese Kriterien und wird meist genauer begutachtet. Oft kommt eine spezielle Lupe, das Dermatoskop, zum Einsatz. Nur in seltenen Fällen wird eine kleine Gewebeprobe entnommen, um die Zellen unter dem Mikroskop zu betrachten.

Was tun mit einem Naevus?

Solange ein Muttermal keine auffälligen Veränderungen zeigt, besteht kein Grund zur Sorge. Viele Menschen lassen Naevi regelmäßig beim Hautarzt kontrollieren, besonders wenn sie sehr viele davon haben oder eine familiäre Vorbelastung für Hautkrebs besteht. Wer selbst auf Veränderungen achtet und einmal im Jahr zur Hautkrebsvorsorge geht, ist gut geschützt.

Eine Entfernung ist meist nur dann nötig, wenn ein Naevus stört, zum Beispiel an einer ungünstigen Stelle sitzt, immer wieder aufscheuert oder kosmetisch als belastend empfunden wird. In diesen Fällen kann das Muttermal unter örtlicher Betäubung entfernt werden. Bei Verdacht auf eine bösartige Veränderung wird der Naevus zur Sicherheit vollständig herausgeschnitten und untersucht.

Tipps für den Alltag

Ein bewusster Umgang mit der Sonne hilft, die Entstehung neuer Naevi zu begrenzen und bestehenden Muttermalen zu schützen. Sonnenschutzmittel, Kleidung und das Meiden der prallen Mittagssonne sind dabei die wichtigsten Maßnahmen. Auch regelmäßiges Selbstbeobachten ist sinnvoll: Wer seine Haut kennt, bemerkt Veränderungen früh und kann rechtzeitig reagieren.

Insgesamt gilt: Muttermale sind ganz normale Begleiter im Leben. Sie sollten nicht beunruhigen, sondern einfach im Blick behalten werden. Bei Unsicherheiten oder auffälligen Veränderungen ist eine ärztliche Einschätzung immer die beste Wahl.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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