Muskelentzündung (Myositis): Ursachen und Behandlung

Muskelentzündung (Myositis): Ursachen und Behandlung

Myositis heißt wörtlich übersetzt Muskelentzündung: „Myo" steht für Muskel, die Endung „-itis" für eine Entzündung. Gemeint ist damit kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ganz unterschiedliche Erkrankungen, bei denen sich Muskelgewebe entzündet. Oft steckt eine Infektion dahinter, zum Beispiel ein Virus, und die Entzündung geht nach kurzer Zeit von selbst wieder vorbei. Seltener, aber ernster ist eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem die eigene Muskulatur angreift, sie mit der Zeit schwächt und die Bewegung einschränken kann.

Weil „Myositis" ein Oberbegriff ist, verbirgt sich dahinter je nach Form ein sehr unterschiedlicher Verlauf. Die allermeisten Muskelentzündungen sind harmlos und vergehen von selbst, manche Formen sind chronisch und brauchen eine gezielte Behandlung. Deshalb lohnt es sich, die Begriffe auseinanderzuhalten, die in einem Befund oder Arztbrief auftauchen können.

Zur Abgrenzung: Die „Myositis ossificans" trägt zwar denselben Wortstamm, ist aber etwas ganz anderes, nämlich eine Knochenneubildung im Muskel nach einer Verletzung oder Prellung, und nicht die hier beschriebene entzündliche Muskelerkrankung.

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Woher eine Muskelentzündung kommt

Eine Muskelentzündung kann viele Auslöser haben. Am häufigsten sind Infektionen und Medikamente, seltener steckt eine Autoimmunerkrankung dahinter.

Infektionen als häufigste Ursache

Meist ist ein Virus der Auslöser. Im Rahmen eines grippalen Infekts oder einer echten Grippe kann sich Muskelgewebe mitentzünden und schmerzen. Solche viralen Muskelentzündungen sind fast immer harmlos und heilen innerhalb weniger Tage von selbst wieder aus. Ein typisches Beispiel ist die gutartige akute Kindermyositis: Ein Kind hat gerade einen Infekt hinter sich, klagt dann plötzlich über Schmerzen in beiden Waden und läuft ein paar Tage unsicher oder auf Zehenspitzen. Das sieht für Eltern erschreckend aus, verschwindet aber von allein wieder. Deutlich seltener sind Bakterien die Ursache: Eine eitrige Muskelentzündung (Pyomyositis) kann ernster verlaufen und braucht dann Antibiotika, manchmal auch eine Entlastung des Eiters. Sehr selten sind Parasiten der Auslöser, etwa über rohes oder zu wenig gegartes Fleisch, meist im Zusammenhang mit einer bestimmten Reise.

Muskelschmerzen durch Statine

Häufig sind auch Muskelschmerzen unter einem Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine. Solche Beschwerden sind zwar oft, aber meist gar nicht vom Medikament verursacht. Rechnet man genau nach, ist im ersten Jahr nur etwa jede fünfzehnte gemeldete Muskelbeschwerde wirklich auf das Statin zurückzuführen, der große Rest hat andere Ursachen. Und wenn das Statin doch dahintersteckt, sind die Schmerzen in aller Regel harmlos und bessern sich, sobald man das Mittel absetzt oder auf ein anderes wechselt. Ein Statin sollte deshalb nicht aus Angst vor Muskelschmerzen eigenmächtig weggelassen werden, denn sein Nutzen für Herz und Gefäße überwiegt meist deutlich. Nur in seltenen Fällen kommt eine anhaltende, behandlungsbedürftige Form vor, weshalb eine starke oder nicht abklingende Muskelschwäche ärztlich abgeklärt gehört.

Autoimmune Muskelentzündungen

Seltener, aber ernster sind die autoimmunen Muskelentzündungen, bei denen sich das Immunsystem gegen die eigene Muskulatur richtet. Diese Formen sind chronisch und brauchen eine spezialisierte Behandlung. Auf einem Befund oder Arztbrief können dabei verschiedene Namen auftauchen. Die Dermatomyositis geht neben der Muskelschwäche mit typischen Hautveränderungen einher. Die Polymyositis betrifft vor allem die rumpfnahe Muskulatur ohne solche Hautzeichen. Die Einschlusskörpermyositis trifft meist ältere Menschen, schreitet langsam voran und spricht kaum auf Medikamente an. Bei der nekrotisierenden Myopathie gehen Muskelzellen zugrunde, manchmal nach jahrelanger Statin-Einnahme. Das Antisynthetase-Syndrom verbindet die Muskelentzündung häufig mit einer Beteiligung der Lunge und der Gelenke. Zu jeder dieser Formen gibt es viel Eigenes zu sagen, weshalb es sich lohnt, den genauen Namen aus dem eigenen Befund gezielt nachzuschlagen.

Wie sich eine Muskelentzündung bemerkbar macht

Das hängt stark von der Ursache ab. Bei der häufigen viralen Form stehen Muskelschmerzen und Druckempfindlichkeit im Vordergrund, oft in den Beinen und besonders in den Waden, und meist kurz nach einem Infekt. Der Muskel tut weh, ist aber im Kern nicht dauerhaft geschädigt.

Die autoimmunen Formen fühlen sich anders an: Hier steht weniger der Schmerz im Vordergrund als eine langsam zunehmende Schwäche der rumpfnahen Muskeln. Typisch ist, dass Treppensteigen, das Aufstehen aus dem Sitzen oder das Anheben der Arme über den Kopf schwerer fällt, meist auf beiden Seiten gleich. Das Gefühl in Armen und Beinen bleibt dabei erhalten, es ist wirklich die Kraft, die nachlässt. Bei der Dermatomyositis kommen sichtbare Hautzeichen dazu, etwa eine rötlich-violette Verfärbung an den Augenlidern oder über den Fingergelenken. Verändert sich das Schlucken oder das Atmen, kommt es also zu häufigem Verschlucken oder Räuspern beim Essen, sollte man das bei jeder Form ernst nehmen.

Wann eine Muskelentzündung harmlos ist und wann nicht

Die allermeisten Muskelentzündungen sind Begleiterscheinung eines Infekts und heilen von allein wieder aus, oft innerhalb weniger Tage. In diesen Fällen reicht es meist, den Körper zu schonen und abzuwarten.

Es gibt aber Zeichen, bei denen man nicht abwarten, sondern ärztlichen Rat suchen sollte. Dazu gehört eine Muskelschwäche, die anhält oder deutlich stärker wird, statt sich mit dem Infekt zu bessern. Dunkler, cola- oder teefarbener Urin kann darauf hindeuten, dass in größerem Umfang Muskelgewebe zerfällt und die Nieren belastet, was rasch abgeklärt gehört. Hohes Fieber zusammen mit einer örtlich stark geschwollenen, heißen und schmerzenden Stelle spricht eher für eine bakterielle Entzündung. Und Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen sind immer ein Grund, zeitnah eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Wie die Diagnose gestellt wird

Wenn eine Muskelentzündung klar im Rahmen eines Infekts auftritt und sich von selbst bessert, braucht es oft keine große Diagnostik. Zur ersten Orientierung wird häufig die Kreatinkinase im Blut bestimmt, kurz CK. Das ist ein Eiweiß, das aus geschädigten Muskelzellen ins Blut übertritt, weshalb der Wert bei einer Muskelentzündung erhöht sein kann, oft sogar deutlich. Ein hoher CK-Wert allein sagt aber noch nichts über die Ursache, gerade bei Kindern nach einem Virusinfekt normalisiert er sich meist innerhalb einer Woche wieder.

Erst wenn eine rumpfnahe Schwäche anhält, wird gezielt nach einer autoimmunen Form gesucht. Dann kommen weitere Bausteine dazu: bestimmte Antikörper im Blut, eine Messung der elektrischen Muskelaktivität, eine Kernspintomographie und manchmal eine kleine Gewebeprobe aus dem Muskel. Keiner dieser Bausteine entscheidet für sich allein, erst das Gesamtbild ergibt die Diagnose. Wenn dir einzelne dieser Begriffe in einem Befund begegnen und unklar bleiben, kann Onno sie dir in verständliche Worte übersetzen.

Wie eine Muskelentzündung behandelt wird

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer viralen Muskelentzündung heißt das meist: abwarten, den Körper schonen und die Beschwerden lindern, denn sie heilt von allein wieder aus. Steckt eine bakterielle Entzündung dahinter, sind Antibiotika nötig, bei einer Eiteransammlung zusätzlich eine Entlastung. Sind Muskelschmerzen auf ein Medikament wie ein Statin zurückzuführen, wird das auslösende Mittel angepasst oder gewechselt.

Bei den autoimmunen Formen geht es darum, das überaktive Immunsystem zu dämpfen. Meist beginnt das mit Kortison, oft ergänzt durch weitere Mittel, die das Immunsystem bremsen und über längere Zeit gegeben werden. Für schwerere Verläufe, etwa bei der Dermatomyositis, gibt es darüber hinaus weitere Optionen, über die das Behandlungsteam im Einzelfall entscheidet. Ein wichtiger Teil der Behandlung ist Bewegung: Statt den Muskel bis zur Unbeweglichkeit zu schonen, gehört gezielte Physiotherapie fest dazu, um Kraft und Beweglichkeit zu erhalten. Bei der Einschlusskörpermyositis, die auf Medikamente kaum anspricht, steht sie sogar im Mittelpunkt. Wie viel Bewegung im Einzelfall sinnvoll ist, stimmt man am besten mit dem Behandlungsteam ab.

Warum bei manchen Formen nach einem Tumor gesucht wird

Bei einigen autoimmunen Formen, vor allem der Dermatomyositis, gehört eine Suche nach einer möglichen Tumorerkrankung zur Standardabklärung. Gemeint ist damit eine Vorsorge, keine Diagnose. Das Risiko ist nur bei manchen Formen etwas erhöht, bei anderen kaum, und selbst dort entwickelt nur ein kleinerer Teil der Betroffenen tatsächlich einen Tumor. Der Sinn dahinter ist, etwas möglichst früh zu finden, falls es da ist. Welche Untersuchungen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet das Behandlungsteam anhand der genauen Form.

Wie die Aussichten sein können

Bei der weitaus häufigsten, viralen Muskelentzündung sind die Aussichten sehr gut: Sie heilt in aller Regel folgenlos aus, oft schon nach wenigen Tagen. Auch die harmlose Statin-bedingte Form bildet sich zurück, sobald das Mittel angepasst wird.

Bei den selteneren autoimmunen Formen ist der Verlauf unterschiedlich. Viele sprechen gut auf die Behandlung an, sodass sich die Kraft bessert oder die Erkrankung zur Ruhe kommt, auch wenn das oft eine längere Therapie über ein bis mehrere Jahre bedeutet. Eine heilbare Erkrankung im Sinne von „einmal behandeln, dann weg" ist das meist nicht, wohl aber eine, die sich in vielen Fällen gut in Schach halten lässt. Eine Ausnahme ist die Einschlusskörpermyositis, die langsam voranschreitet und auf die verfügbaren Medikamente kaum anspricht, weshalb hier Physiotherapie und Hilfen im Alltag im Vordergrund stehen. Wie die persönliche Aussicht ist, hängt stark von der genauen Form ab, das kann am besten die Ärztin oder der Arzt einschätzen, die den Verlauf kennen.

Quellen

Wiendl H, Schmidt J, et al. Myositissyndrome. S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 2022. Quelle.

Alghamdi NA, et al. Benign acute childhood myositis: a retrospective cohort study. Front Pediatr, 2025. PubMed.

Cholesterol Treatment Trialists' Collaboration. Effect of statin therapy on muscle symptoms: an individual participant data meta-analysis. Lancet, 2022. PubMed.

Ngor C, et al. Factors associated with pyomyositis: a systematic review and meta-analysis. Trop Med Int Health, 2021. PubMed.

Lundberg IE, et al. EULAR/ACR classification criteria for idiopathic inflammatory myopathies. Ann Rheum Dis, 2017. PubMed.

Aggarwal R, et al. Trial of Intravenous Immune Globulin in Dermatomyositis. N Engl J Med, 2022. PubMed.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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