Muskelatrophien sind ein medizinischer Fachbegriff für den Abbau oder Schwund von Muskelgewebe, bei dem Muskeln an Masse und Kraft verlieren.
Was steckt hinter dem Begriff?
Wenn von Muskelatrophie die Rede ist, bedeutet das, dass Muskeln dünner werden und an Substanz verlieren. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und beschreibt wörtlich einen „ohne Nahrung“ bleibenden Muskel. In der Praxis zeigt sich das zum Beispiel durch schmalere Gliedmaßen, weniger Kraft oder Schwierigkeiten bei alltäglichen Bewegungen. Es gibt verschiedene Ursachen und Verlaufsformen, doch gemeinsam ist allen, dass das Muskelgewebe abnimmt und durch Bindegewebe oder Fett ersetzt werden kann. In manchen Fällen spricht man auch von Muskelabbau, Muskelschwund oder Muskelrückbildung.
Wie entsteht eine Muskelatrophie?
Die Gründe für Muskelatrophien sind sehr unterschiedlich. Häufig entsteht der Abbau durch Bewegungsmangel, etwa nach einer längeren Ruhigstellung von Arm oder Bein im Gipsverband. Auch eine längere Bettlägerigkeit, wie sie nach schweren Krankheiten oder Operationen vorkommt, kann dazu führen, dass Muskeln deutlich an Volumen verlieren. Neben Bewegungsmangel gibt es aber auch Erkrankungen, die direkt die Muskulatur oder die sie versorgenden Nerven schädigen. Dazu zählen zum Beispiel bestimmte Muskelerkrankungen (Muskeldystrophien), Nervenkrankheiten wie Amyotrophe Lateralsklerose oder auch Stoffwechselstörungen.
Nicht zu vergessen: Mit steigendem Alter verlieren viele Menschen langsam Muskelmasse, was als altersbedingte Muskelatrophie bezeichnet wird. Dieser Prozess kann durch regelmäßige Bewegung deutlich verlangsamt werden.
Wie macht sich Muskelabbau bemerkbar?
Muskelatrophien zeigen sich meist durch eine Abnahme des Muskelumfangs. Oft wirkt ein Arm oder Bein schmaler als das andere, besonders wenn nur eine Seite betroffen ist. Die Kraft lässt nach, Bewegungen werden schwerer und die Ausdauer sinkt. In manchen Fällen treten auch Schmerzen auf, vor allem wenn die Muskelatrophie mit einer Erkrankung der Nerven einhergeht. Bei fortgeschrittenem Verlauf kann es zu Problemen beim Gehen, Aufstehen oder Greifen kommen.
Manchmal ist der Muskelabbau nicht sofort sichtbar, sondern macht sich erst durch eine erhöhte Sturzgefahr oder Unsicherheit beim Laufen bemerkbar. Besonders im Alter können Stürze durch schwache Muskulatur gefährlich werden.
Ist Muskelatrophie gefährlich?
Ob eine Muskelatrophie bedrohlich ist, hängt stark von der Ursache und dem Ausmaß ab. Wer nach einer Verletzung oder Operation für einige Wochen einen Gips trägt, erlebt meist nur einen vorübergehenden Muskelabbau, der sich mit gezieltem Training wieder zurückbilden lässt. Anders sieht es aus, wenn eine chronische Erkrankung dahintersteckt, die fortschreitend den Muskelapparat oder die Nerven schädigt. Hier kann der Verlust an Muskelmasse dauerhaft sein und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.
Viele Menschen sorgen sich, ob der Muskelabbau wieder rückgängig gemacht werden kann. In vielen Fällen ist das tatsächlich möglich, vor allem wenn keine schwere Grunderkrankung vorliegt. Entscheidend ist, die Ursache zu kennen und möglichst früh gegenzusteuern.
Wie wird eine Muskelatrophie festgestellt?
Die Diagnose beginnt meist mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Dabei achtet die Ärztin oder der Arzt auf sichtbare Unterschiede im Muskelumfang und prüft die Muskelkraft. Häufig werden auch spezielle Messungen durchgeführt, etwa die Messung der Muskelmasse mit Ultraschall oder bioelektrischer Impedanzanalyse. Blutuntersuchungen helfen, Stoffwechselstörungen oder Entzündungen zu erkennen. In manchen Fällen sind weitere Tests wie eine Muskelbiopsie oder bildgebende Verfahren nötig, um die Ursache genauer zu bestimmen.
Was kann man gegen den Muskelabbau tun?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Wenn Bewegungsmangel der Auslöser ist, hilft gezieltes Training unter Anleitung von Physiotherapeutinnen oder -therapeuten. Schon regelmäßige Alltagsbewegung, Spazierengehen oder leichtes Krafttraining können den Muskelabbau stoppen und die Muskulatur wieder aufbauen. Bei schwereren Fällen, etwa nach langer Bettlägerigkeit, sind oft spezielle Reha-Maßnahmen nötig.
Falls eine Erkrankung der Nerven oder Muskeln vorliegt, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Medikamente, Ergotherapie und in manchen Fällen auch Hilfsmittel wie Gehhilfen oder Orthesen können den Alltag erleichtern und Folgeschäden verhindern.
Ernährung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Ausreichend Eiweiß und eine ausgewogene Kost unterstützen den Muskelaufbau. Bei älteren Menschen ist es besonders wichtig, auf eine ausreichende Versorgung mit Kalorien und Nährstoffen zu achten.
Was lässt sich selbst tun?
Wer bemerkt, dass Muskeln dünner werden oder die Kraft nachlässt, sollte möglichst früh aktiv werden. Bewegung ist der wichtigste Schlüssel, um Muskelabbau aufzuhalten. Schon kleine Veränderungen im Alltag, wie Treppensteigen statt Fahrstuhl oder regelmäßige Spaziergänge, können viel bewirken. Wer sich unsicher fühlt oder bereits Schwierigkeiten beim Gehen oder Aufstehen hat, sollte sich Unterstützung holen, zum Beispiel durch eine Physiotherapie.
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, viel Gemüse und gesunden Fetten ist wichtig für den Muskelstoffwechsel. Bei Fragen zur Ernährung oder bei ungewolltem Gewichtsverlust kann eine Ernährungsberatung helfen.
Verschiedene Formen des Muskelabbaus
Nicht jede Muskelatrophie sieht gleich aus. Es gibt zum Beispiel die sogenannte fettige Atrophie, bei der das Muskelgewebe durch Fett ersetzt wird. Mehr dazu findest du hier: Fettige Atrophie Bedeutung. Auch andere Formen wie die neurogene Atrophie, bei der die Nerven geschädigt sind, kommen vor.
Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden?
Wenn der Muskelabbau schnell voranschreitet, Schmerzen auftreten oder andere Beschwerden wie Taubheitsgefühle oder Lähmungen dazukommen, ist ein Arztbesuch ratsam. Besonders bei einseitigem Muskelabbau oder wenn keine klare Ursache vorliegt, sollte die Ursache abgeklärt werden. In vielen Fällen lässt sich durch eine frühzeitige Diagnose und gezielte Maßnahmen der Verlauf positiv beeinflussen.