Multimodale Schmerztherapie als ganzheitliche Chance

Multimodale Schmerztherapie als ganzheitliche Chance

14.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Multimodale Schmerztherapie bezeichnet ein ganzheitliches Behandlungskonzept für Menschen mit chronischen Schmerzen, bei dem verschiedene medizinische, psychologische und physiotherapeutische Methoden miteinander kombiniert werden.

Was steckt hinter dem Begriff?

Wenn Schmerzen über Wochen oder Monate bestehen bleiben und den Alltag stark beeinträchtigen, sprechen Fachleute von chronischen Schmerzen. Die Ursachen sind oft vielfältig: Manchmal steckt eine alte Verletzung dahinter, manchmal eine Erkrankung wie Arthrose, Rheuma oder ein Bandscheibenvorfall. Doch häufig lässt sich kein eindeutiger Auslöser mehr finden. Die Beschwerden verselbstständigen sich, beeinflussen das Denken, Fühlen und Handeln. Genau hier setzt die multimodale Schmerztherapie an.

Das Besondere an diesem Ansatz: Nicht nur der Körper wird behandelt, sondern auch die Psyche und das soziale Umfeld werden berücksichtigt. Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeutinnen, Psychologinnen und andere Fachkräfte arbeiten eng zusammen. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu steigern und wieder mehr Selbstständigkeit im Alltag zu ermöglichen.

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Warum reicht oft eine einzelne Behandlung nicht aus?

Viele Menschen mit chronischen Schmerzen haben bereits zahlreiche Therapien ausprobiert. Schmerzmittel, Spritzen, Massagen oder Operationen bringen oft nur vorübergehend Erleichterung. Das liegt daran, dass sich bei langanhaltenden Schmerzen die Schmerzwahrnehmung im Nervensystem verändert. Der Körper „lernt“ den Schmerz gewissermaßen, er bleibt bestehen, auch wenn die ursprüngliche Ursache längst abgeheilt ist.

Deshalb reicht es meist nicht, nur die betroffene Stelle zu behandeln oder Medikamente zu nehmen. Die multimodale Schmerztherapie setzt an mehreren Stellen gleichzeitig an. Sie hilft dabei, den Teufelskreis aus Schmerz, Schonung, Angst und sozialem Rückzug zu durchbrechen.

Wie läuft eine multimodale Schmerztherapie ab?

Vor Beginn findet eine ausführliche Untersuchung statt. Dabei werden die Beschwerden, ihre Geschichte und alle bisherigen Behandlungen genau erfasst. Auch psychische Belastungen, der Umgang mit Stress und die familiäre Situation werden besprochen. So entsteht ein umfassendes Bild, das die Grundlage für einen individuellen Behandlungsplan bildet.

In der eigentlichen Therapiephase werden verschiedene Maßnahmen kombiniert. Dazu gehören zum Beispiel:

Medizinische Behandlung: Ärztinnen und Ärzte passen die Schmerzmedikation an, führen gezielte Injektionen durch oder setzen andere Verfahren ein, um die Beschwerden zu lindern.

Physiotherapie: Gezielte Bewegungsübungen, Muskelaufbau und Schulung von Haltung und Koordination helfen, die Beweglichkeit zu verbessern und Schonhaltungen abzubauen.

Psychologische Unterstützung: Gespräche, Entspannungstechniken und Methoden wie die kognitive Verhaltenstherapie unterstützen dabei, den Umgang mit Schmerz, Stress und Ängsten zu verbessern.

Schulungen und Beratung: In speziellen Gruppen erfährst du mehr über den Zusammenhang von Körper, Psyche und Schmerz und lernst Strategien, um im Alltag besser mit den Beschwerden umzugehen.

Oft wird die multimodale Schmerztherapie stationär in spezialisierten Kliniken oder Tageskliniken durchgeführt. Es gibt aber auch ambulante Programme, bei denen du regelmäßig zu Terminen in eine Praxis oder Einrichtung kommst.

Was sind typische Inhalte und Ziele?

Im Mittelpunkt steht immer das Ziel, wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen. Schmerzen lassen sich nicht immer vollständig beseitigen, aber sie können in den Hintergrund treten. Die Behandlung hilft, die eigene Beweglichkeit zu steigern, Schlafprobleme zu verringern und depressive Verstimmungen zu lindern.

Ein wichtiger Bestandteil ist die sogenannte Aktivierung: Du lernst, dich trotz Schmerzen wieder mehr zu bewegen und den Alltag selbst zu gestalten. Das beugt einer Verschlechterung vor und bringt oft neue Lebensfreude zurück. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann entlasten, weil viele erleben, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind.

Häufige Sorgen und Fragen

Viele Menschen fragen sich, ob sie „austherapiert“ sind, wenn eine multimodale Schmerztherapie empfohlen wird. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil: Gerade weil der Schmerz so hartnäckig ist, bietet dieses Konzept neue Chancen. Es richtet sich an alle, bei denen andere Behandlungen bisher nicht ausreichend geholfen haben.

Manche haben Angst, dass ihre Schmerzen nicht ernst genommen werden, wenn auch psychologische Angebote Teil der Therapie sind. Doch das Gegenteil ist der Fall: Chronische Schmerzen sind eine anerkannte Erkrankung, die Körper und Seele gleichermaßen betrifft. Die multimodale Behandlung nimmt alle Beschwerden ernst und sucht gemeinsam nach Lösungen.

Wer übernimmt die Kosten?

In der Regel übernehmen gesetzliche und private Krankenkassen die Kosten für eine multimodale Schmerztherapie, wenn eine entsprechende ärztliche Verordnung vorliegt und die Behandlung medizinisch notwendig ist. Die genauen Voraussetzungen können je nach Kasse und Bundesland unterschiedlich sein. Oft ist eine Überweisung durch den behandelnden Arzt oder die Fachärztin nötig.

Was kannst du selbst tun?

Schon während der Therapie, aber auch danach, ist Eigeninitiative entscheidend. Regelmäßige Bewegung, kleine Entspannungsübungen und der Austausch mit anderen können helfen, Rückfällen vorzubeugen. Es lohnt sich, gemeinsam mit dem Behandlungsteam einen Plan zu entwickeln, wie du neue Gewohnheiten in den Alltag integrieren kannst.

Auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen oder das Einholen von Informationen über therapeutische Maßnahmen kann eine wertvolle Unterstützung sein.

Für wen ist diese Therapie geeignet?

Die multimodale Schmerztherapie richtet sich in erster Linie an Menschen mit chronischen Schmerzen, bei denen herkömmliche Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben. Dazu zählen Rückenschmerzen, Schmerzen nach Operationen, Fibromyalgie, Kopfschmerzen oder Schmerzen infolge rheumatischer Erkrankungen. Voraussetzung ist, dass die Beschwerden den Alltag und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.

In einem Vorgespräch klärt das Behandlungsteam, ob diese Form der Therapie sinnvoll ist und welche Inhalte am besten passen.

Zusammengefasst

Die multimodale Schmerztherapie bietet einen umfassenden Ansatz, um chronische Schmerzen zu behandeln. Sie vereint medizinische, physiotherapeutische und psychologische Methoden, fördert die Eigenverantwortung und hilft, neue Wege im Umgang mit langanhaltenden Beschwerden zu finden. Wer sich darauf einlässt, kann oft spürbare Verbesserungen im Alltag erreichen und wieder mehr Lebensfreude gewinnen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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