Mikrofrakturierung – Wenn der Knorpel schmerzt

Mikrofrakturierung – Wenn der Knorpel schmerzt

Mikrofrakturierung ist ein chirurgisches Verfahren, das eingesetzt wird, um Knorpelschäden im Gelenk – meist im Knie – zu behandeln, indem gezielt kleine Verletzungen im Knochen unterhalb des geschädigten Knorpels erzeugt werden, damit der Körper an dieser Stelle neuen Ersatzknorpel bilden kann.

Was genau passiert bei einer Mikrofrakturierung?

Bei dieser Methode wird die betroffene Gelenkfläche zunächst genau untersucht. Der beschädigte Knorpel, also das glatte Gewebe, das normalerweise die Knochenenden schützt, wird entfernt, bis der darunterliegende Knochen sichtbar ist. Anschließend werden mit einem feinen Spezialinstrument winzige Löcher in den freigelegten Knochen gestochen. Diese kleinen Öffnungen reichen wenige Millimeter tief und sollen gezielt eine leichte Verletzung verursachen.

Durch die Mikrofrakturen tritt Knochenmark aus, das sogenannte Stammzellen und Wachstumsfaktoren enthält. Diese Zellen setzen sich auf der geschädigten Fläche ab und bilden dort ein neues Gewebe, das den Knorpel zumindest teilweise ersetzt. Im besten Fall entsteht so ein faserknorpelartiger Ersatz, der zwar nicht so belastbar ist wie der ursprüngliche Gelenkknorpel, aber Schmerzen lindern und die Funktion verbessern kann.

Ganzen Befund übersetzen?

Du hast einen Arztbericht oder Befund den du nicht verstehst? Dann nutze Simply Onno, um dir diesen in einfache Sprache übersetzen und erklären zu lassen.

Mehr Infos

Wann wird die Methode angewendet?

Die Mikrofrakturierung kommt vor allem dann in Frage, wenn kleinere, umschriebene Knorpelschäden vorliegen, die nicht zu groß sind und bei denen der umliegende Knorpel noch intakt ist. Am häufigsten betrifft das das Kniegelenk, manchmal aber auch das Sprunggelenk oder das Hüftgelenk. Besonders bei jüngeren Menschen oder sportlich Aktiven, die einen Unfall oder eine Verletzung erlitten haben, kann diese Therapieform eine Option sein.

Nicht geeignet ist die Methode, wenn der Knorpelschaden sehr großflächig ist oder bereits eine ausgeprägte Arthrose, also ein fortgeschrittener Gelenkverschleiß, besteht. Auch bei älteren Menschen oder wenn der Knochen unter dem Knorpel stark geschädigt ist, wird meist auf andere Verfahren zurückgegriffen.

Wie läuft der Eingriff ab?

Die Mikrofrakturierung wird in aller Regel minimalinvasiv durchgeführt, das heißt per Arthroskopie. Dabei wird eine kleine Kamera ins Gelenk eingeführt, sodass der Operateur die betroffene Stelle genau sehen kann. Über weitere kleine Zugänge werden die benötigten Instrumente eingebracht. Der Eingriff dauert meist weniger als eine Stunde.

Nach der Operation ist eine spezielle Nachbehandlung wichtig. Das betroffene Gelenk darf für mehrere Wochen nur eingeschränkt belastet werden, damit das neue Gewebe in Ruhe heranwachsen kann. Oft werden Bewegungsschienen oder Physiotherapie eingesetzt, um die Heilung zu unterstützen und die Gelenkfunktion zu erhalten.

Was sind die Chancen und Grenzen?

Das Ziel der Mikrofrakturierung ist es, Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Studien zeigen, dass viele Menschen nach dem Eingriff wieder besser laufen oder Sport treiben können, vor allem wenn der Knorpelschaden nicht zu groß war. Allerdings ist das neu gebildete Gewebe kein vollwertiger Knorpel, sondern eher ein Ersatzgewebe, das mit der Zeit wieder verschleißen kann.

Die besten Ergebnisse werden meist bei jüngeren, aktiven Menschen mit kleinen Defekten erzielt. Bei größeren Schäden oder bei älteren Betroffenen kann die Wirkung begrenzt sein. Es besteht auch das Risiko, dass sich später erneut Beschwerden oder Verschleißerscheinungen entwickeln.

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen gewisse Risiken. Dazu zählen Infektionen, Blutergüsse oder eine vorübergehende Schwellung des Gelenks. In seltenen Fällen kann es zu einer Versteifung oder anhaltenden Schmerzen kommen. Das Hauptrisiko liegt jedoch darin, dass das neu gebildete Ersatzgewebe nicht so stabil ist wie der ursprüngliche Knorpel und sich im Laufe der Jahre wieder abbauen kann.

Was kann man selbst zur Heilung beitragen?

Nach einer Mikrofrakturierung ist Geduld gefragt. Die Gelenkbelastung muss schrittweise gesteigert werden, wie es der Arzt oder die Physiotherapeutin empfiehlt. Zu frühes oder zu starkes Belasten kann das Ergebnis verschlechtern. Regelmäßige Physiotherapie hilft, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten. Auch eine ausgewogene Ernährung, die den Knorpelstoffwechsel unterstützt, kann hilfreich sein. Übergewicht sollte vermieden werden, um das Gelenk nicht zusätzlich zu belasten.

Häufige Fragen und Sorgen rund um die Mikrofrakturierung

Viele fragen sich, ob nach einer Mikrofrakturierung wieder Sport möglich ist. In vielen Fällen kann nach einigen Monaten vorsichtig mit gelenkschonenden Aktivitäten begonnen werden, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen. Kontaktsportarten oder starke Belastungen sollten erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt wieder aufgenommen werden.

Auch die Sorge vor bleibenden Beschwerden ist verständlich. Wichtig ist, realistische Erwartungen zu haben: Die Methode kann Schmerzen lindern und die Funktion verbessern, aber sie stellt keinen vollständigen Ersatz für natürlichen Knorpel dar. In manchen Fällen kann später ein weiterer Eingriff notwendig werden, etwa wenn sich das Ersatzgewebe wieder abbaut.

Wer unsicher ist, wie die Nachbehandlung ablaufen soll oder was im Alltag erlaubt ist, sollte sich eng mit dem behandelnden Team abstimmen. Moderne Reha-Konzepte legen großen Wert auf eine individuelle Anpassung und begleiten den Heilungsprozess Schritt für Schritt.

Die Mikrofrakturierung bietet eine Möglichkeit, Knorpelschäden im Gelenk zu behandeln, wenn die Voraussetzungen günstig sind. Sie kann helfen, Beschwerden zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern, erfordert aber Geduld und eine konsequente Nachbehandlung.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

Mit dem Latein am Ende?

Du willst einfach nur wissen, was dein Befund bedeutet?
Wir erklären ihn dir. Kostenlos, anonym und ärztlich geprüft.

Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.

Simply Onno

Datenschutz

Impressum

AGB

Deutsch