Lumbosakrale Übergangsanomalie und ihre Folgen

Lumbosakrale Übergangsanomalie und ihre Folgen

PD Dr. med. Witold Polanski

Eine lumbosakrale Übergangsanomalie beschreibt eine angeborene Besonderheit im Bereich der Wirbelsäule, bei der der Übergang zwischen der Lendenwirbelsäule und dem Kreuzbein anders ausgebildet ist als üblich.

Was steckt hinter einer lumbosakralen Übergangsanomalie?

Im unteren Rücken treffen die Lendenwirbelsäule und das Kreuzbein aufeinander. Normalerweise gibt es fünf Lendenwirbel, die beweglich sind, und darunter das Kreuzbein, das aus mehreren miteinander verschmolzenen Wirbeln besteht. Bei einer lumbosakralen Übergangsanomalie ist diese Grenze nicht so klar. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass der unterste Lendenwirbel teilweise oder ganz mit dem Kreuzbein verwachsen ist. Manchmal sieht der oberste Teil des Kreuzbeins auch eher wie ein zusätzlicher Lendenwirbel aus. Diese Veränderungen sind meist angeboren und entstehen schon während der Entwicklung im Mutterleib.

Fachleute sprechen auch von einer Sakralisation, wenn ein Lendenwirbel mit dem Kreuzbein verbunden ist, oder von einer Lumbalisation, wenn ein Teil des Kreuzbeins wie ein zusätzlicher Lendenwirbel erscheint. Solche Varianten sind gar nicht so selten. Je nach Studie findet man sie bei etwa 4 bis 30 Prozent der Menschen.

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Wie wird eine lumbosakrale Übergangsanomalie entdeckt?

In den meisten Fällen bleibt diese Besonderheit lange unbemerkt, weil sie keine Beschwerden macht. Oft fällt sie erst durch Zufall auf, zum Beispiel bei einer Röntgenuntersuchung des Rückens aus anderen Gründen. Ärztinnen und Ärzte erkennen die Veränderung dann auf den Bildern, weil die Wirbel anders aussehen oder an ungewöhnlicher Stelle miteinander verbunden sind.

Manchmal wird die Anomalie auch entdeckt, wenn Menschen mit Rückenschmerzen zum Arzt gehen und dabei bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie oder ein CT gemacht werden. Es ist wichtig zu wissen, dass eine lumbosakrale Übergangsanomalie nicht automatisch zu Beschwerden führen muss.

Was bedeutet das für den Alltag?

Wer eine lumbosakrale Übergangsanomalie hat, muss sich in der Regel keine Sorgen machen. Die allermeisten Menschen bemerken davon ihr Leben lang nichts. Nur in manchen Fällen kann es sein, dass die veränderte Wirbelsäulenstruktur Auswirkungen auf die Beweglichkeit oder die Belastbarkeit des Rückens hat. Es gibt Hinweise darauf, dass manche Menschen mit dieser Besonderheit ein etwas erhöhtes Risiko für Rückenschmerzen im unteren Rückenbereich haben könnten. Das ist aber nicht immer so und hängt von der genauen Form der Anomalie ab.

Sehr selten kann es passieren, dass die veränderte Struktur die Nerven beeinträchtigt, die in diesem Bereich aus der Wirbelsäule austreten. Dann können Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder sogar Lähmungen auftreten. Das ist aber eher die Ausnahme.

Muss etwas unternommen werden?

In den allermeisten Fällen besteht kein Anlass für eine Behandlung. Die lumbosakrale Übergangsanomalie ist zunächst einfach eine anatomische Variante, also eine normale Abweichung von der üblichen Form. Sie ist keine Krankheit. Erst wenn tatsächlich Beschwerden auftreten, die eindeutig mit der Anomalie im Zusammenhang stehen, wird gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt überlegt, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Das kann zum Beispiel Krankengymnastik sein, um die Rückenmuskulatur zu stärken und die Wirbelsäule beweglich zu halten.

Operationen oder andere Eingriffe sind nur in ganz seltenen Fällen notwendig, wenn wirklich starke Beschwerden bestehen, die sich anders nicht bessern lassen.

Was kann im Alltag helfen?

Für den Alltag gilt: Bewegung ist gut für den Rücken. Regelmäßige Aktivität, gezieltes Training der Muskulatur und das Vermeiden von einseitigen Belastungen helfen, die Wirbelsäule gesund zu halten – ganz unabhängig davon, ob eine Übergangsanomalie vorliegt oder nicht. Wer gelegentlich Rückenschmerzen hat, kann mit moderater Bewegung, Wärme und einfachen Übungen oft schon viel erreichen.

Wenn im Arztbrief oder Befund der Begriff lumbosakrale Übergangsanomalie auftaucht, ist das in den meisten Fällen einfach eine Beschreibung einer harmlosen Besonderheit. Es bedeutet nicht automatisch, dass Beschwerden auftreten müssen oder eine Behandlung nötig ist. Bei Unsicherheit oder anhaltenden Schmerzen lohnt es sich aber, noch einmal gezielt nachzufragen und gemeinsam mit Fachleuten abzuklären, ob die Beschwerden wirklich im Zusammenhang mit der Anomalie stehen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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