Was in der Liegebescheinigung steht und was nicht
Auf dem Papier stehen dein Name und der Zeitraum deines Aufenthalts, also das Aufnahmedatum und das Entlassungsdatum. Wird die Bescheinigung schon während des Aufenthalts ausgestellt, steht dort statt des tatsächlichen Entlassungstags ein voraussichtliches Datum, das sich später noch verschieben kann.
Warum du im Krankenhaus warst, steht nicht darin. Die Bescheinigung belegt ausschließlich die Zeit, in der du dort aufgenommen warst, sie ist ein Zeitnachweis und kein medizinischer Bericht. Was während des Aufenthalts medizinisch passiert ist, steht stattdessen im vorläufigen Arztbrief, den du bei der Entlassung bekommst.
Der Name führt dabei leicht in die Irre. Er klingt nach ärztlich angeordneter Bettruhe, gemeint ist aber allein die Zeit, in der du im Krankenhaus aufgenommen warst.
Der Unterschied zur Krankschreibung
Die Krankschreibung heißt offiziell Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz AU. Sie bestätigt, dass du wegen einer Krankheit deine Arbeit vorübergehend nicht ausüben kannst, und nennt dazu die voraussichtliche Dauer und eine Diagnose. Ausgestellt wird sie grundsätzlich von einer Ärztin oder einem Arzt mit Kassenzulassung, also in einer normalen Praxis.
Im Krankenhaus gibt es diesen Praxisbesuch nicht. Die Behandlung läuft dort über die Klinikärztinnen und Klinikärzte, und niemand stellt nebenbei laufend eine Krankschreibung aus. Für den Nachweis ist das kein Nachteil, denn sobald du stationär im Krankenhaus liegst, gilt der Aufenthalt selbst als Beleg dafür, dass du nicht arbeiten kannst. Die Aufnahme- und Entlassdaten des Krankenhauses genügen als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit, und die Liegebescheinigung ist die Fassung davon, die du in die Hand bekommst.
Sie ersetzt für die Zeit im Krankenhaus also die Krankschreibung, ohne selbst eine zu sein.
Was sich seit 2025 geändert hat
Krankschreibungen laufen inzwischen digital. Seit Oktober 2021 schicken Arztpraxen sie elektronisch an die Krankenkasse, als elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung oder kurz eAU. Seit Juli 2022 holt sich der Arbeitgeber diese Daten nicht mehr bei dir, sondern ruft sie direkt bei der Kasse ab.
Für Krankenhausaufenthalte kam 2025 ein weiterer Schritt dazu. Hatte die Kasse dem Arbeitgeber zunächst nur ein voraussichtliches Entlassdatum gemeldet, schickt sie ihm inzwischen auch das tatsächliche Ende des vollstationären Aufenthalts hinterher. Früher musste der Arbeitgeber dieses Enddatum eigens anfragen, häufig bei dir selbst. Damit ist die Liegebescheinigung gegenüber dem Arbeitgeber in vielen Fällen überflüssig geworden (Stand: August 2026).
Die Techniker Krankenkasse schreibt dazu offen, sie brauche die Bescheinigung nur noch in zwei Situationen: für einen Krankengeldantrag, also den Antrag auf die Lohnersatzleistung der Kasse, und bei einem Krankenhausaufenthalt wegen einer Organspende, die ohne Komplikationen verlaufen ist. In diesem zweiten Fall wird sie weiterhin dem Arbeitgeber vorgelegt. Ob dein Arbeitgeber darüber hinaus noch ein Papier möchte, klärt eine kurze Nachfrage in der Personalabteilung.
Wofür die Liegebescheinigung heute noch gebraucht wird
Krankengeld
Krankengeld ist das Geld, das die gesetzliche Krankenkasse zahlt, wenn eine Krankheit so lange dauert, dass der Arbeitgeber das Gehalt nicht mehr weiterzahlt. Bei einer stationären Behandlung im Krankenhaus entsteht der Anspruch darauf vom ersten Tag an, ohne Wartezeit.
Damit das Geld ohne Lücke weiterläuft, muss die Arbeitsunfähigkeit durchgehend festgestellt sein. Das Gesetz verlangt, dass eine weitere Arbeitsunfähigkeit wegen derselben Krankheit spätestens am nächsten Werktag nach dem zuletzt bescheinigten Ende ärztlich festgestellt wird. Ein Samstag zählt dabei nicht als Werktag, endet die Bescheinigung also an einem Freitag, bleibt bis Montag Zeit.
Früher musste die Krankmeldung außerdem innerhalb einer Woche bei der Kasse eingehen, sonst gab es für die Zeit davor kein Krankengeld. Diese Wochenfrist ist mit der eAU entfallen. Für die Liegebescheinigung selbst gibt es keine eigene Frist, innerhalb derer du sie einreichen müsstest, sinnvoll ist es trotzdem, sie zeitnah nach der Entlassung bei der Kasse zu haben.
Ob deine Krankenkasse die Bescheinigung überhaupt von dir braucht oder die Daten inzwischen direkt vom Krankenhaus bekommt, handhaben die Kassen unterschiedlich. Eine einheitliche Regelung dazu gibt es nicht, ein kurzer Anruf bei deiner Kasse erspart dir hier das Rätselraten.
Private Krankentagegeldversicherung
Wer zusätzlich privat ein Krankentagegeld versichert hat, also eine Versicherung, die bei längerer Krankheit einen vereinbarten Betrag pro Tag zahlt, muss den Krankenhausaufenthalt meist gesondert nachweisen. Viele Versicherer arbeiten dafür mit einem eigenen Formular und verlangen die Liegebescheinigung zusätzlich. Was genau nötig ist, steht im jeweiligen Vertrag und unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter, eine gesetzliche Vorgabe gibt es dafür nicht.
Kita, Schule und andere Stellen
Manchmal soll ein Krankenhausaufenthalt auch woanders belegt werden, etwa in einer Kita, in der Schule oder bei einer Behörde. Dazu gibt es keine einheitliche Regelung, die die Liegebescheinigung als Nachweis vorschreibt, das entscheidet die jeweilige Stelle für sich. Im Zweifel fragst du dort vorher kurz nach, welcher Nachweis gewünscht ist.
Wie du an das Papier kommst
Wer sie ausstellt
Ausgestellt wird die Bescheinigung vom Krankenhaus, und zwar als Teil der normalen Entlassdokumentation. Anders als bei der Krankschreibung muss sie nicht zwingend von der Ärztin oder dem Arzt kommen, die dich behandelt haben. Wer im Haus dafür zuständig ist, ist von Klinik zu Klinik verschieden: In manchen Häusern gibt die Station sie bei der Entlassung mit, in anderen kommt sie aus der Patientenaufnahme oder der Verwaltung. Eine bundesweit einheitliche Zuständigkeit dafür gibt es nicht, deshalb fragst du am besten direkt auf der Station oder in der Patientenverwaltung nach.
Wenn du sie erst später brauchst
Fällt dir erst zu Hause auf, dass du die Bescheinigung benötigst, lässt sich das nachholen. Du kannst sie auch im Nachhinein bei der Verwaltung des Krankenhauses anfordern, denn Aufnahme- und Entlassdatum sind dort ohnehin dokumentiert. Einige Kliniken bieten inzwischen eine elektronische Fassung an, ein bundesweiter Standard wie bei der eAU ist das aber nicht.
Ob die Ausstellung etwas kostet
Eine öffentlich geregelte, für alle Häuser gültige Vorgabe dazu gibt es nicht. Üblicherweise gehört die Bescheinigung zur normalen Entlassung dazu und wird ohne gesonderte Rechnung mitgegeben, verlassen kannst du dich darauf aber nicht. Wenn es dir wichtig ist, klärst du es mit einer kurzen Nachfrage im Krankenhaus.
Wie es nach der Entlassung weitergeht
Die Liegebescheinigung deckt nur die Tage ab, an denen du im Krankenhaus aufgenommen warst. Kannst du danach noch nicht arbeiten, dürfen dich die Klinikärztinnen und Klinikärzte für bis zu sieben Kalendertage nach der Entlassung krankschreiben. Das gehört zum Entlassmanagement, also zur geregelten Übergabe in die Weiterbehandlung nach dem Aufenthalt. Danach übernimmt die Hausarztpraxis, und dieselbe Regel gilt auch für medizinische Reha-Einrichtungen.
Noch im Krankenhaus lohnt sich deshalb die Frage, ob du eine Krankschreibung für die Tage nach der Entlassung mitbekommst und ob dir die Liegebescheinigung gleich mitgegeben wird. Geht es um Krankengeld, ruf zusätzlich bei deiner Krankenkasse an und frag, ob sie die Bescheinigung von dir braucht oder die Daten schon vom Krankenhaus hat. Damit hast du beides beisammen, den Nachweis für die Zeit im Krankenhaus und die lückenlose Krankschreibung für die Zeit danach.
Quellen
Richtlinie über die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit und die Maßnahmen zur stufenweisen Wiedereingliederung (Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie), §§ 4a und 5. Gemeinsamer Bundesausschuss, Fassung vom 7. Dezember 2023, in Kraft seit 21. Februar 2024. Quelle
§ 46 Entstehen des Anspruchs auf Krankengeld. Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V), Gesetzliche Krankenversicherung. Quelle
Ich war im Krankenhaus, braucht die TK die Liegebescheinigung? Die Techniker, 2026. Quelle
Online-Datenabruf der eAU: die Rückmeldegründe. Die Techniker, Firmenkunden, 2026. Quelle
Krankengeld: Anspruch und Berechnung. BARMER, 2026. Quelle
Aufenthaltsbescheinigung Krankenhaus als Nachweis der Arbeitsunfähigkeit. Haufe Sozialwesen, Fachbeitrag Sozialversicherung. Quelle