Die Kortikalis ist die medizinische Bezeichnung für die äußere, harte Schicht eines Knochens, die dem Knochen seine Festigkeit und Stabilität gibt. Sie wird auch als Knochenschale oder Kompakta bezeichnet und ist im Gegensatz zum schwammartigen Inneren (Spongiosa) besonders dicht und widerstandsfähig.
Aufbau und Funktion der Kortikalis
Im menschlichen Körper besteht jeder Knochen aus mehreren Schichten. Die Kortikalis bildet dabei die äußere Hülle. Sie ist wie eine schützende Rüstung, die verhindert, dass der Knochen leicht bricht oder sich verformt. Besonders in den langen Röhrenknochen, wie etwa im Oberschenkel oder Oberarm, ist diese Schicht sehr dick und stabil. In flachen Knochen, zum Beispiel am Schädel, ist die Kortikalis dagegen etwas dünner, erfüllt aber die gleiche Aufgabe.
Die Hauptfunktion der Kortikalis besteht darin, den Knochen vor Belastungen zu schützen und ihm seine Form zu geben. Ohne diese dichte Schicht wäre der Knochen zu weich, um das Körpergewicht zu tragen oder Bewegungen zu ermöglichen. Außerdem schützt die Kortikalis das empfindliche Knochenmark, das im Inneren des Knochens liegt und für die Blutbildung zuständig ist.
Wo findet sich die Kortikalis im Körper?
Jeder Knochen besitzt eine Kortikalis, doch ihre Dicke und Festigkeit kann je nach Knochenart und Körperregion unterschiedlich sein. Besonders kräftig ist sie an Stellen, die viel Druck oder Zug aushalten müssen, etwa an den langen Knochen der Beine und Arme. In den Wirbeln oder an den Rippen ist sie meist dünner, da dort andere Strukturen für Stabilität sorgen.
Auch im Bereich der Zähne taucht der Begriff auf. Dort bezeichnet die Kortikalis die harte Außenschicht des Kieferknochens, die die Zahnwurzeln fest umschließt und schützt.
Kortikalis im medizinischen Befund
In Arztbriefen, Röntgenberichten oder bei einer Knochendichtemessung taucht der Begriff Kortikalis häufig auf. Ärztinnen und Ärzte beschreiben damit, wie gesund und stabil ein Knochen ist. Ist die Kortikalis intakt und gleichmäßig, gilt der Knochen als stabil. Zeigen sich Auffälligkeiten, wie eine Verdünnung oder Unterbrechung, kann das auf eine Erkrankung oder Verletzung hinweisen.
Ein typisches Beispiel ist die sogenannte Kortikalisunterbrechung. Hierbei ist die äußere Knochenschicht an einer Stelle nicht mehr durchgängig, was in der Regel auf einen Bruch oder eine andere Schädigung hindeutet. Mehr dazu findest du im Artikel Kortikalisunterbrechung.
Bedeutung für die Knochengesundheit
Die Dicke und Festigkeit der Kortikalis ist ein wichtiger Hinweis auf die Stabilität des gesamten Knochens. Mit zunehmendem Alter oder bei bestimmten Erkrankungen wie Osteoporose kann diese Schicht dünner werden. Das erhöht das Risiko für Knochenbrüche, weil der Knochen dann weniger Belastung aushält.
Auch nach Unfällen, etwa bei einem Sturz, wird genau geprüft, ob die Kortikalis verletzt wurde. Ist sie durchbrochen, spricht das für einen Knochenbruch. Bleibt sie erhalten, handelt es sich meist nur um eine Prellung oder einen sogenannten Haarriss, der weniger schwerwiegend ist.
Wann spielt die Kortikalis eine Rolle?
Vor allem bei bildgebenden Untersuchungen wie Röntgen, CT oder MRT achten Fachleute auf den Zustand der Kortikalis. Sie suchen nach Veränderungen, die auf Krankheiten, Verletzungen oder altersbedingten Abbau hinweisen könnten. Auch bei der Planung von Operationen, etwa beim Einsetzen eines künstlichen Gelenks, ist die Beurteilung der Kortikalis entscheidend. Nur wenn diese Schicht stabil genug ist, können Implantate sicher verankert werden.
In der Zahnmedizin ist die Kortikalis ebenfalls wichtig. Bei Zahnimplantaten etwa muss geprüft werden, ob die Knochenschale im Kiefer ausreichend dick und fest ist, damit das Implantat langfristig hält.
Was bedeutet eine Auffälligkeit der Kortikalis?
Nicht immer ist eine Veränderung der Kortikalis ein Grund zur Sorge. Manche Menschen haben von Natur aus eine etwas dünnere Knochenschale, ohne dass das Beschwerden verursacht. Erst wenn die Stabilität des Knochens gefährdet ist oder Beschwerden auftreten, wird genauer untersucht und gegebenenfalls behandelt.
Ob eine Auffälligkeit behandelt werden muss, hängt immer vom Einzelfall ab. Entscheidend sind das Alter, die Vorgeschichte, mögliche Beschwerden und das Risiko für Knochenbrüche. Bei Unsicherheiten hilft ein Gespräch mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt, um die individuelle Situation besser einschätzen zu können.
Zusammengefasst
Die Kortikalis ist die äußere, harte Schicht des Knochens und sorgt für Stabilität und Schutz. Sie spielt eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Knochengesundheit und ist ein wichtiger Begriff in vielen medizinischen Befunden. Veränderungen oder Unterbrechungen dieser Schicht können Hinweise auf Verletzungen oder Erkrankungen geben, müssen aber nicht immer behandlungsbedürftig sein. Wer mehr über spezielle Veränderungen wie eine Kortikalisunterbrechung wissen möchte, findet weitere Informationen im verlinkten Artikel.