Kompressionsverband – Wirkung und Einsatzgebiete

Kompressionsverband – Wirkung und Einsatzgebiete

06.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein Kompressionsverband ist ein spezieller Verband, der mit gezieltem Druck um einen Arm oder ein Bein gewickelt wird, um Schwellungen zu verringern und den Blutfluss zu unterstützen. In der Medizin wird dieses Verfahren häufig eingesetzt, um Beschwerden wie Krampfadern, Thrombosen oder Schwellungen nach Verletzungen zu behandeln.

Wie funktioniert ein Kompressionsverband?

Das Prinzip hinter einem Kompressionsverband ist einfach: Durch das feste, aber kontrollierte Anlegen des Verbandmaterials wird von außen Druck auf das Gewebe ausgeübt. Dadurch werden die Blutgefäße leicht zusammengedrückt und das Blut kann besser zum Herzen zurückfließen. Gleichzeitig hilft der Druck, Flüssigkeit, die sich im Gewebe angesammelt hat, wieder abzutransportieren. Das ist besonders wichtig, wenn zum Beispiel nach einer Verletzung oder Operation eine Schwellung (Ödem) entsteht.

Das Material für einen Kompressionsverband besteht meist aus elastischen Binden oder speziellen Strümpfen. Je nachdem, wie stark der Druck sein soll, werden verschiedene Techniken und Materialien verwendet. Wichtig ist, dass der Verband gleichmäßig und nicht zu locker, aber auch nicht zu fest sitzt. Ein zu starker Druck kann die Durchblutung behindern, während ein zu lockerer Verband seine Wirkung verliert.

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Wann kommt ein Kompressionsverband zum Einsatz?

Ein Kompressionsverband wird in ganz unterschiedlichen Situationen angewendet. Sehr häufig findet er bei Krampfadern (Varizen) oder einer Venenschwäche Verwendung. Durch die Unterstützung der Venen können Beschwerden wie schwere, geschwollene Beine gelindert werden. Auch nach einer Thrombose, also einem Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen, ist die Kompressionstherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Sie verhindert, dass sich weitere Gerinnsel bilden und unterstützt die Heilung.

Nach Verletzungen wie Zerrungen, Prellungen oder Verstauchungen sorgt ein Kompressionsverband dafür, dass sich weniger Flüssigkeit im Gewebe ansammelt. Das kann Schmerzen und Schwellungen deutlich reduzieren. Sogar bei bestimmten Herzerkrankungen oder nach einer Operation wird das Verfahren eingesetzt, um Komplikationen vorzubeugen.

Manchmal wird ein Kompressionsverband auch zur Blutstillung verwendet, etwa nach einer Blutabnahme oder kleineren chirurgischen Eingriffen. In solchen Fällen bleibt der Verband aber meist nur kurzzeitig angelegt.

Was ist beim Anlegen zu beachten?

Damit ein Kompressionsverband seine Wirkung entfalten kann, ist die richtige Technik entscheidend. Der Verband wird in der Regel von unten nach oben, also von den Zehen oder Fingern in Richtung Körper, gewickelt. So wird der Rückfluss des Blutes optimal unterstützt. Das Material sollte faltenfrei und gleichmäßig angelegt werden, damit keine Druckstellen entstehen.

Am besten übernimmt das Anlegen eine medizinisch geschulte Person, zum Beispiel eine Pflegekraft, Ärztin oder ein Physiotherapeut. In manchen Fällen kann nach Anleitung auch selbst gewickelt werden. Wichtig ist, auf Warnzeichen zu achten: Wenn die Haut unter dem Verband blass oder blau wird, ein Taubheitsgefühl entsteht oder starke Schmerzen auftreten, sollte der Verband sofort entfernt und ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie lange bleibt ein Kompressionsverband dran?

Die Tragedauer hängt davon ab, warum der Verband angelegt wurde. Bei akuten Schwellungen nach Verletzungen bleibt er meist nur einige Stunden bis wenige Tage. Bei chronischen Beschwerden, etwa bei Venenerkrankungen, kann die Kompressionstherapie auch dauerhaft notwendig sein. Viele Betroffene tragen dann spezielle Kompressionsstrümpfe statt eines klassischen Verbandes.

Der Verband sollte regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf neu angelegt werden, damit der Druck nicht nachlässt oder sich das Material lockert. Manchmal ist es sinnvoll, den Verband über Nacht abzunehmen, das entscheidet aber immer die behandelnde Fachperson.

Wer sollte keinen Kompressionsverband bekommen?

Es gibt Situationen, in denen ein Kompressionsverband nicht empfohlen wird. Bei schweren Durchblutungsstörungen der Arterien, offenen Wunden oder bestimmten Hauterkrankungen kann der Druck mehr schaden als nutzen. Auch bei einer akuten Herzschwäche oder allergischen Reaktionen auf das Material sollte von einer Kompression abgesehen werden. Vor dem Anlegen prüft die Ärztin oder der Arzt deshalb immer, ob der Verband sicher ist.

Tipps für den Alltag mit Kompressionsverband

Mit einem Kompressionsverband lässt sich der Alltag meist gut bewältigen. Bewegung ist sogar ausdrücklich erwünscht, denn sie unterstützt die Wirkung des Verbandes. Längeres Sitzen oder Stehen sollte möglichst vermieden werden, da sich sonst Blut und Flüssigkeit in den Beinen stauen können. Hochlagern der betroffenen Gliedmaße entlastet zusätzlich.

Die Haut unter dem Verband sollte regelmäßig kontrolliert werden, damit keine Druckstellen oder Reizungen entstehen. Bei Juckreiz, Schmerzen oder ungewöhnlichen Veränderungen empfiehlt es sich, medizinischen Rat einzuholen. Beim Duschen oder Baden muss der Verband meist abgenommen oder geschützt werden, damit er nicht nass wird.

Was ist der Unterschied zu Kompressionsstrümpfen?

Kompressionsstrümpfe erfüllen einen ähnlichen Zweck wie der klassische Kompressionsverband, sind aber oft leichter anzulegen und im Alltag komfortabler. Sie werden individuell angepasst und bieten einen gleichmäßigen Druckverlauf. In vielen Fällen werden sie nach einer akuten Behandlung mit Verband als Dauertherapie eingesetzt, etwa bei chronischen Venenleiden.

Ein Kompressionsverband ist also ein bewährtes Hilfsmittel, das gezielt eingesetzt wird, um Schwellungen zu reduzieren, die Heilung zu fördern und Komplikationen zu vermeiden. Die richtige Anwendung sorgt für eine spürbare Erleichterung bei vielen Beschwerden rund um Venen, Lymphsystem und nach Verletzungen.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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