Interstitieller Riss: Gewebe verletzt, was nun?

Interstitieller Riss: Gewebe verletzt, was nun?

14.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Ein interstitieller Riss bezeichnet in der Medizin einen feinen Einriss im Bindegewebe zwischen den Zellen eines Organs oder Gewebes, ohne dass dabei die äußere Begrenzung oder Oberfläche durchtrennt wird.

Was steckt hinter dem Begriff?

Der Ausdruck stammt von dem Wort „Interstitium“, das den Raum zwischen den eigentlichen Zellen eines Gewebes beschreibt. In diesem Zwischenraum verlaufen feine Blutgefäße, Lymphbahnen und Bindegewebsfasern, die für die Versorgung und Stabilität des Gewebes sorgen. Ein interstitieller Riss bedeutet, dass es in genau diesem Bereich zu einer kleinen Verletzung gekommen ist. Anders als bei einem kompletten Riss, bei dem eine Struktur ganz durchtrennt wird, bleibt bei der interstitiellen Variante die äußere Hülle oder Oberfläche meist intakt.

Solche Risse können in unterschiedlichen Organen oder Geweben auftreten. Häufig findet sich der Begriff im Zusammenhang mit Sehnen, Muskeln oder Organen wie der Niere oder der Lunge. In bildgebenden Verfahren wie dem MRT oder Ultraschall werden sie manchmal als feine, linienförmige Veränderungen sichtbar.

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Wie entsteht ein interstitieller Riss?

Die Ursachen sind vielfältig. Oft entstehen diese feinen Einrisse durch Überlastung, plötzliche Bewegungen oder einen Unfall. Besonders bei Sportarten mit schnellen Richtungswechseln oder starker Belastung ist das Gewebe im Zwischenraum anfällig. Auch altersbedingte Veränderungen, bei denen das Bindegewebe an Elastizität verliert, können eine Rolle spielen. In seltenen Fällen begünstigen bestimmte Erkrankungen, die das Bindegewebe schwächen, das Entstehen solcher Risse.

Welche Bedeutung hat das für den Körper?

Ein interstitieller Riss ist meist eine kleine, umschriebene Veränderung im Gewebe. In vielen Fällen bleibt er unbemerkt und verursacht keine Beschwerden. Bei größeren oder ungünstig gelegenen Rissen kann es jedoch zu Schmerzen, Schwellungen oder einer eingeschränkten Funktion des betroffenen Organs oder Körperteils kommen. Typisch ist das zum Beispiel bei einem interstitiellen Sehnenriss, der sich durch Druckempfindlichkeit oder Bewegungsschmerzen äußern kann.

Meist ist die Heilung unkompliziert, da die Durchblutung im Interstitium relativ gut ist. Das Gewebe kann sich so meist rasch regenerieren. Kommt es jedoch wiederholt zu solchen Rissen oder bestehen Vorerkrankungen, kann es länger dauern, bis die volle Belastbarkeit wiederhergestellt ist.

Wie wird ein interstitieller Riss festgestellt?

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus Gespräch, körperlicher Untersuchung und bildgebenden Verfahren. Bei Verdacht auf einen solchen Riss kann ein Arzt gezielt nach Schmerzen, Schwellungen oder Bewegungseinschränkungen fragen. Ein Ultraschall oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilft dabei, den feinen Einriss im Gewebe sichtbar zu machen. Besonders bei Sehnen oder Muskeln ist das MRT oft die Methode der Wahl, da es auch kleine Veränderungen gut erkennen kann.

Ist ein interstitieller Riss gefährlich?

In den meisten Fällen ist ein interstitieller Riss kein Grund zur Sorge. Er zählt zu den eher leichten Verletzungen und heilt in der Regel ohne bleibende Schäden aus. Eine Ausnahme besteht, wenn das betroffene Gewebe sehr stark beansprucht wird oder andere Erkrankungen vorliegen, die die Heilung verzögern. Dann kann es sinnvoll sein, das betroffene Areal vorübergehend zu schonen und die Heilung durch gezielte Maßnahmen zu unterstützen.

Was kann zur Heilung beitragen?

Ruhe und Schonung sind die wichtigsten Maßnahmen, um dem Gewebe Zeit zur Regeneration zu geben. In den ersten Tagen kann es helfen, das betroffene Areal zu kühlen, um Schwellungen und Schmerzen zu lindern. Bei Bedarf kommen schmerzlindernde oder entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Sobald die Beschwerden nachlassen, kann eine vorsichtige Mobilisation und gegebenenfalls gezielte Physiotherapie helfen, die Beweglichkeit und Kraft wiederherzustellen.

Aktive Belastung oder Sport sollten erst dann wieder aufgenommen werden, wenn die Beschwerden vollständig abgeklungen sind und die Belastbarkeit ärztlich bestätigt wurde. In seltenen Fällen, wenn es zu wiederholten oder besonders ausgeprägten Rissen kommt, kann eine weiterführende Diagnostik oder Therapie notwendig werden.

Wann ist ärztlicher Rat sinnvoll?

Sollte ein interstitieller Riss mit starken Schmerzen, einer deutlichen Schwellung oder Bewegungseinschränkung einhergehen, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung. Auch wenn nach einem Unfall Unsicherheit besteht, ob weitere Verletzungen vorliegen, ist eine Untersuchung ratsam. Bleiben die Beschwerden über längere Zeit bestehen oder verschlimmern sich, kann das auf eine größere Verletzung oder eine Begleiterkrankung hinweisen.

Zusammengefasst

Ein interstitieller Riss ist eine kleine Verletzung im Bindegewebe zwischen den Zellen, die meist harmlos verläuft und gut heilt. Sie entsteht häufig durch Überlastung oder plötzliche Bewegungen und lässt sich mit einfachen Maßnahmen wie Schonung und gegebenenfalls Physiotherapie meist gut behandeln. Bleiben Beschwerden bestehen oder treten Unsicherheiten auf, hilft eine ärztliche Untersuchung weiter.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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