Intercostalneuralgie – Wenn Nerven im Brustkorb schmerzen

Intercostalneuralgie – Wenn Nerven im Brustkorb schmerzen

06.02.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Intercostalneuralgie bezeichnet Schmerzen, die entlang der Zwischenrippennerven auftreten, also der Nerven, die zwischen den Rippen verlaufen und den Brustkorb versorgen.

Woher kommen die Schmerzen zwischen den Rippen?

Die Zwischenrippennerven ziehen von der Wirbelsäule aus rund um den Brustkorb bis zum Brustbein. Sie sorgen dafür, dass die Brustmuskulatur, Haut und Teile der Bauchwand mit Nervenreizen versorgt werden. Wenn einer dieser Nerven gereizt, entzündet oder eingeklemmt wird, entsteht eine Intercostalneuralgie. Das kann sich als stechender, brennender oder ziehender Schmerz äußern, der meist einseitig verläuft und sich beim Atmen, Husten oder bestimmten Bewegungen verstärken kann.

Oft sind die Beschwerden so stark, dass sie mit Herzschmerzen verwechselt werden. Weil die Schmerzen direkt unter der Brust oder an der Seite spürbar sind, denken viele zunächst an Herz oder Lunge. Doch bei einer Intercostalneuralgie liegt die Ursache tatsächlich an den Nerven selbst.

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Was kann eine Intercostalneuralgie auslösen?

Es gibt verschiedene Gründe, warum die Zwischenrippennerven Probleme machen. Häufig steckt eine Reizung oder Schädigung durch Verletzungen wie Prellungen, Rippenbrüche oder Operationen dahinter. Auch eine Gürtelrose, also eine Infektion mit dem Herpes Zoster Virus, kann die Nerven entzünden und starke Schmerzen hervorrufen. Manchmal führen auch Verschleißerscheinungen an der Wirbelsäule, Bandscheibenvorfälle oder Verspannungen der Muskulatur dazu, dass ein Nerv eingeengt wird. In seltenen Fällen können Tumoren, Entzündungen oder Erkrankungen der inneren Organe den Nerv reizen.

In vielen Fällen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache finden. Dann spricht man von einer sogenannten idiopathischen Intercostalneuralgie.

Wie fühlt sich das an?

Typisch für eine Intercostalneuralgie sind scharfe, brennende oder elektrisierende Schmerzen, die sich gürtelförmig um die Brust ziehen. Das Schmerzempfinden kann ganz unterschiedlich sein: Manche spüren nur ein leichtes Ziehen, andere berichten von heftigen, stechenden Attacken, die den Alltag massiv einschränken. Viele bemerken, dass sich der Schmerz beim tiefen Einatmen, Husten oder bei bestimmten Bewegungen deutlich verstärkt. Bei einigen Betroffenen kommt es zusätzlich zu Taubheitsgefühlen oder Kribbeln an der Haut.

Weil die Beschwerden so plötzlich und heftig auftreten können, machen sich viele Sorgen, dass etwas mit dem Herzen oder der Lunge nicht stimmt. Das ist verständlich, denn die Symptome können sehr ähnlich sein. Deshalb ist es wichtig, bei unklaren Brustschmerzen immer ärztlichen Rat einzuholen, um gefährliche Ursachen auszuschließen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Um eine Intercostalneuralgie sicher zu erkennen, ist zunächst ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung nötig. Ärztinnen und Ärzte fragen gezielt nach dem Verlauf der Schmerzen, möglichen Auslösern und Begleitsymptomen. Durch Abtasten und gezielte Bewegungen lässt sich oft herausfinden, ob der Schmerz tatsächlich entlang eines Zwischenrippennervs verläuft.

Um andere Erkrankungen wie Herzinfarkt, Lungenembolie oder Rippenbrüche auszuschließen, können weitere Untersuchungen wie EKG, Röntgen oder Bluttests notwendig sein. Bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie werden meist dann eingesetzt, wenn die Ursache unklar bleibt oder der Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung besteht.

Ist das gefährlich?

Die Diagnose Intercostalneuralgie klingt zunächst beunruhigend, ist aber in den meisten Fällen nicht lebensbedrohlich. Die Schmerzen können sehr stark sein und den Alltag belasten, doch das Risiko für bleibende Schäden ist gering. Wichtig ist, dass andere ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen wurden. Erst dann kann mit Sicherheit gesagt werden, dass „nur“ der Nerv betroffen ist.

Viele Betroffene fragen sich, ob die Schmerzen dauerhaft bleiben. In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Wochen, sobald die Ursache behandelt wird oder von selbst abklingt. Nur selten entwickeln sich chronische Schmerzen, etwa bei einer Gürtelrose oder anhaltender Nervenreizung.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich danach, was die Beschwerden ausgelöst hat. Steckt eine Verspannung oder Überlastung der Muskulatur dahinter, helfen oft Schmerzmittel, Wärmeanwendungen oder gezielte physiotherapeutische Übungen. Bei sehr starken Schmerzen können auch Medikamente eingesetzt werden, die gezielt auf die Nerven wirken, etwa Mittel gegen neuropathische Schmerzen.

Hat eine Gürtelrose die Intercostalneuralgie ausgelöst, kommen spezielle antivirale Medikamente zum Einsatz, um das Virus zu bekämpfen. In manchen Fällen kann eine lokale Betäubung oder eine Spritze direkt an den betroffenen Nerv sinnvoll sein, um die Schmerzen zu lindern.

Wichtig ist, die Ursache zu erkennen und gezielt zu behandeln. Oft reicht schon eine Kombination aus Schonung, Wärme und leichten Bewegungsübungen, um die Beschwerden zu bessern. Bei anhaltenden oder sehr starken Schmerzen sollte jedoch immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Was kann man selbst tun?

Auch wenn die Schmerzen belastend sind, gibt es einige Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Wärme tut vielen gut, zum Beispiel in Form von Wärmflaschen, Heizkissen oder warmen Bädern. Leichte Dehnübungen und sanfte Bewegung helfen, die Muskulatur zu lockern und Verspannungen zu lösen. Wer viel sitzt, sollte auf eine aufrechte Haltung achten und regelmäßig Pausen einlegen.

Stress und Anspannung können die Beschwerden verstärken. Entspannungsübungen, Atemtechniken oder kurze Spaziergänge bringen oft Erleichterung. Wichtig ist, sich nicht zu sehr zu schonen, sondern in Bewegung zu bleiben, ohne den Körper zu überfordern.

Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?

Bei plötzlichen, sehr starken Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Herzrasen sollte immer sofort ein Arzt aufgesucht werden. Auch wenn Unsicherheit besteht, ob es sich wirklich „nur“ um eine Intercostalneuralgie handelt, ist eine ärztliche Abklärung ratsam. So können gefährliche Ursachen ausgeschlossen und die passende Behandlung eingeleitet werden.

Mehr Informationen rund um das Thema Nervenschmerzen und deren Behandlung findest du auch im Artikel Neuralgie.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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