Fazekas 2 ist eine Stufe auf einer Skala, mit der im Bericht zu einer Kernspinaufnahme des Kopfes (Magnetresonanztomografie, kurz MRT) beschrieben wird, wie ausgeprägt helle Flecken im sogenannten Marklager sind. Das Marklager ist der Bereich tief im Gehirn, in dem die Nervenfasern verlaufen, die die einzelnen Hirnregionen miteinander verbinden. Grad 2 heißt, dass diese Flecken nicht mehr nur als einzelne Punkte verstreut liegen, sondern an manchen Stellen anfangen zusammenzufließen. Der Befund liegt damit zwischen Grad 1 mit vereinzelten Punkten und Grad 3 mit großen, flächig verschmolzenen Bereichen. Liest du diese Zahl in deinem MRT-Befund, steht dort also keine eigene Diagnose, sondern eine grobe Beschreibung dessen, was auf den Bildern zu sehen ist.

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Mehr InfosWas die Zahl 2 im Befund beschreibt
Die Skala geht auf eine Arbeit des Neurologen Franz Fazekas und seines Teams aus dem Jahr 1987 zurück, in der beschrieben wurde, wie sich solche Flecken auf MRT-Bildern einheitlich einordnen lassen. Ursprünglich wurden zwei Bereiche des Gehirns getrennt beurteilt, und in beiden steht die 2 für einen mittleren Ausprägungsgrad.
Rund um die Hirnkammern, also um die mit Flüssigkeit gefüllten Hohlräume im Inneren des Gehirns, beschrieb Grad 1 einen hauchdünnen Saum oder kleine Kappen an den Enden der Kammern. Grad 2 ist dort ein gleichmäßiger, ringförmiger Hof um die Kammern herum, während bei Grad 3 unregelmäßige Ausläufer weit in das umliegende Gewebe hineinreichen. Tiefer im Marklager, weiter von den Kammern entfernt, bedeutet Grad 1 einzelne punktförmige Herde, Grad 2 den beginnenden Zusammenfluss dieser Herde und Grad 3 große, zusammenhängende Flächen. Fachlich heißt dieses Zusammenfließen konfluierend, im Befund liest sich das oft als "beginnend konfluierende Läsionen".
In der Praxis steht heute meist nur noch ein einziger Gesamtgrad im Befund, der beide Bereiche zusammenfasst oder sich am stärker betroffenen Bereich orientiert. Das Gerüst dahinter bleibt aber die ursprüngliche Logik: von punktförmig über beginnend zusammenfließend bis großflächig zusammengeflossen. Die Skala beschreibt also ein Muster und nicht eine gemessene Menge an verändertem Gewebe.
Warum die Stufe eine Schätzung mit dem Auge ist
Anders als ein Laborwert wird der Fazekas-Grad nicht gemessen, sondern vergeben: Eine erfahrene Person schaut sich die Bilder an und ordnet das Gesehene einer der vier Stufen zu. Das funktioniert erstaunlich gut, bringt aber eine Unschärfe mit sich, die beim Lesen des eigenen Befunds hilfreich zu kennen ist.
Zwei Befundende kommen nicht immer auf dieselbe Zahl
In einer europäischen Studie mit mehreren Zentren beurteilten drei Befundende mit unterschiedlich viel Erfahrung dieselben Aufnahmen. Bei einer einzelnen Momentaufnahme lagen sie meist nah beieinander, die Übereinstimmung galt als ausreichend bis gut, aber eben nicht als perfekt. Dasselbe Bild kann also je nach beurteilender Person auch einmal als Grad 1 oder Grad 3 statt als Grad 2 in den Bericht wandern, ohne dass jemand einen Fehler gemacht hätte.
Dazu passt ein Ergebnis aus einer großen Untersuchung an 618 selbstständig lebenden älteren Menschen mit Marklagerveränderungen: Solche optischen Skalen teilen in wenige, grobe Stufen ein, sodass Menschen mit deutlich unterschiedlich viel tatsächlichem Befund in derselben Stufe landen können. Eine feine Vermessung des betroffenen Volumens trennte Gruppen mit und ohne Beschwerden besser als die Stufeneinteilung. Für den Alltag heißt das: Die Fazekas-Stufe ist ein praktisches, grobes Vergleichswerkzeug und kein präziser Risikorechner für eine einzelne Person.
Eine Stufe mehr als beim letzten Mal ist noch kein Beweis
Am stärksten fällt diese Unschärfe ins Gewicht, wenn du einen älteren Befund mit einem neuen vergleichst. Genau dort war die Übereinstimmung in derselben europäischen Studie am schlechtesten: Die Frage, ob sich zwischen zwei Aufnahmen wirklich etwas verändert hat, beantworteten die Befundenden deutlich uneinheitlicher als die Frage nach dem Grad auf einem einzelnen Bild. Steht im letzten Bericht eine 1 und jetzt eine 2, ist das deshalb kein Beleg dafür, dass sich im Gewebe etwas verschlechtert hat. Es kann auch an einer anderen beurteilenden Person, einem anderen Gerät oder einer anderen Schnittführung liegen. Verlässlicher wird die Aussage, wenn beide Aufnahmen nebeneinandergelegt und von derselben Person direkt verglichen werden. Danach kannst du in der Praxis ausdrücklich fragen.
Ist Fazekas 2 schlimm?
Grad 2 ist nicht nichts, denn die Flecken zeigen Veränderungen an den kleinen Gefäßen im Gehirn an. Eine Schwelle, an der das Risiko plötzlich umspringt, ist diese Stufe nach der vorliegenden Forschung aber nicht.
Was zum Schlaganfallrisiko bekannt ist
Eine Studie mit mehr als 1.400 Teilnehmenden hat den Fazekas-Grad und spätere Schlaganfälle nebeneinandergelegt. Wer Grad 3 hatte, erlitt in der Nachbeobachtung fast doppelt so häufig einen neuen Schlaganfall wie Menschen mit Grad 2, und ein statistisch sicher nachweisbares Mehrrisiko gegenüber den niedrigen Graden 0 und 1 zeigte sich in dieser Auswertung nur für Grad 3. Zwischen Grad 0 bis 1 und Grad 2 lagen die Häufigkeiten dagegen nah beieinander, ohne einen klaren Bruch bei der Zahl 2.
Diese Zahlen stammen allerdings von Menschen, die bereits einen Schlaganfall hinter sich hatten und bei denen eine Erkrankung der kleinen Hirngefäße gesichert war. Auf eine neurologisch unauffällige Person mit einem beiläufig entdeckten Befund lassen sie sich nicht einfach übertragen. Sie zeigen aber gut, dass Grad 2 selbst in einer bereits vorbelasteten Gruppe näher an den niedrigen Graden liegt als an Grad 3.
Was zu Gedächtnis und Denken bekannt ist
Schon die Arbeit von 1987 enthielt einen bemerkenswerten Satz der Erstbeschreiber: Punktförmige und beginnend zusammenfließende Herde, also Grad 1 und beginnende Grad-2-Veränderungen, unterschieden in ihrer eigenen Stichprobe Menschen mit einer Alzheimer-Demenz nicht von gesunden Vergleichspersonen. Auffällig war dort erst der ausgedehnte, flächige Befund, der mit einer Vorgeschichte von Bluthochdruck zusammenhing. Diese Stichprobe war mit 25 Personen sehr klein, und die Aussage taugt deshalb nicht als Entwarnung für alle. Sie zeigt aber, dass die Skala von Anfang an nicht als Frühwarnstufe für Demenz gedacht war.
Auf der anderen Seite steht eine kleinere Untersuchung an 86 älteren Menschen mit Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, die selbst das Risiko für Gefäßveränderungen im Gehirn erhöht. Dort war Grad 2 oder 3 nach zwei Jahren mit einer rund zweieinhalbfach erhöhten rechnerischen Wahrscheinlichkeit für messbare Einschränkungen im Denken oder für allgemeine körperliche Gebrechlichkeit verbunden. Das ist eine statistische Kennzahl und heißt nicht, dass diese Beschwerden zweieinhalbmal so oft auftraten. Diese Studie wertete Grad 2 und Grad 3 allerdings gemeinsam aus, die Gruppe mit dem höheren Grad war im Schnitt fast fünf Jahre älter, und die Teilnehmerzahl war klein. Als Hinweis ist das ernst zu nehmen, als Beleg speziell für Grad 2 reicht es nicht.
Was fehlt, ist eine große Studie zu genau der Situation, in der die meisten Betroffenen stecken: ein Zufallsbefund bei einer neurologisch unauffälligen Person. Diese Lücke lässt sich nicht wegdiskutieren, und sie ist ein Grund mehr, aus der Zahl allein keine Prognose abzuleiten.
Wie häufig Fazekas 2 in welchem Alter ist
Marklagerveränderungen nehmen mit den Lebensjahren zu, und zwar bei praktisch allen Menschen. In einer Untersuchung an 315 Personen im Alter von 75 Jahren hatten etwa 72 Prozent punktförmige Herde im Sinne von Grad 1, und bei rund 20 Prozent waren die Herde bereits beginnend zusammengeflossen oder ausgeprägter, also Grad 2 oder mehr. Ein Befund in dieser Größenordnung betrifft in diesem Alter damit ungefähr jede fünfte Person und ist kein Ausreißer.
Eine genaue Prozentzahl allein für Grad 2, getrennt von Grad 3 und aufgeschlüsselt nach Lebensjahrzehnten, gibt es nicht: Die vorliegenden Studien fassen die beiden höheren Stufen meist zusammen. Grob gilt, dass Grad 2 bei jüngeren Menschen selten und im höheren Alter verbreitet ist. Wie Marklagerveränderungen überhaupt entstehen und wie stark sie mit dem Alter zunehmen, ist auf der Seite zu Marklagergliosen ausführlicher beschrieben.
Was der Befund nicht aussagt
Die 2 beweist nicht, dass du Beschwerden hast oder bekommen wirst. Ob Gedächtnis, Gangbild oder Konzentration beeinträchtigt sind, wird nicht am Bild abgelesen, sondern in der Untersuchung und im Gespräch beurteilt. Auch eine Demenz ist eine Diagnose, die sich an Beschwerden im Alltag festmacht und nicht an einer Stufe im Bildbefund.
Ebenso wenig bedeutet Grad 2, dass ein Schlaganfall stattgefunden hat oder unmittelbar bevorsteht. Und die Frage, ob die Flecken eher rund um die Hirnkammern oder eher tiefer im Marklager liegen, erlaubt für sich genommen keine verlässliche Vorhersage. Für den weiteren Verlauf zählen das Gesamtausmaß, die Veränderung über die Zeit, dein Alter und deine Gefäßrisikofaktoren mehr als die Lage der Flecken.
Was sich beeinflussen lässt
An der Zahl im Bericht lässt sich nichts drehen, an den Bedingungen für die kleinen Hirngefäße dagegen schon. Bluthochdruck, ein erhöhter Blutzucker, Rauchen, eine Fettstoffwechselstörung, Übergewicht, Bewegungsmangel und Vorhofflimmern gelten als die Einflüsse, die sich behandeln oder verändern lassen, und sie sind der eigentliche Ansatzpunkt hinter einem solchen Befund. Ob dein Blutdruck gut eingestellt ist, ob du rauchst und wie viel du dich bewegst, kannst du beeinflussen, die Stufe auf dem Bild selbst nicht. Grad 2 ist deshalb kein Grund, den Alltag umzuwerfen, wohl aber ein guter Anlass, Blutdruck und Blutwerte einmal überprüfen zu lassen.
Was du bei der nächsten Vorstellung fragen kannst
Hilfreich ist die Frage, ob im Befund ein Gesamtgrad steht oder getrennte Werte für die beiden Bereiche, und ob eine ältere Aufnahme vorliegt, die direkt danebengelegt wurde. Ebenso sinnvoll ist die Frage, ob deine konkreten Beschwerden zu dem Bild passen oder ob es dafür eine andere, näherliegende Erklärung gibt. Und schließlich: Wie sind Blutdruck, Blutzucker und Blutfette aktuell eingestellt, ist eine Kontrollaufnahme überhaupt sinnvoll, und wenn ja, in welchem Abstand. Mit diesen drei Fragen wird aus einer Zahl, die erst einmal beunruhigt, ein Befund, den du einordnen kannst.
Quellen
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