Escherichia coli ist eine Bakterienart, die natürlicher Bestandteil des menschlichen Darms ist und dort wichtige Aufgaben übernimmt. In medizinischen Befunden taucht der Begriff oft auf, wenn es um Laboruntersuchungen oder Infektionen geht.
Was steckt hinter dem Namen?
Der Name stammt von dem deutschen Bakteriologen Theodor Escherich, der das Bakterium im 19. Jahrhundert entdeckte. Escherichia coli, häufig auch als E. coli abgekürzt, gehört zu den sogenannten Darmbakterien. Im gesunden Darm hilft es bei der Verdauung und der Produktion bestimmter Vitamine. Es zählt zu den wichtigsten Mikroorganismen, die das Gleichgewicht im Darm aufrechterhalten.
Wann wird Escherichia coli zum Problem?
Obwohl E. coli im Darm nützlich ist, kann es außerhalb des Darms zu Infektionen führen. Besonders häufig wird das Bakterium bei Harnwegsinfekten nachgewiesen. Gelangt E. coli etwa durch Schmierinfektion in die Harnröhre, kann es dort eine Entzündung verursachen. Auch in anderen Körperregionen, zum Beispiel in Wunden oder bei bestimmten Lungenentzündungen, kann das Bakterium eine Rolle spielen. In seltenen Fällen gelangen krankmachende E. coli-Stämme über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser in den Körper und verursachen Durchfallerkrankungen.
Wie erkennt das Labor Escherichia coli?
Im Labor wird das Bakterium meist durch eine Urinprobe, Stuhlprobe oder einen Abstrich nachgewiesen. Der Nachweis erfolgt, indem die Probe auf einem speziellen Nährboden angezüchtet wird. Nach einigen Stunden bis Tagen lässt sich erkennen, welche Bakterien wachsen. E. coli ist dabei einer der häufigsten Befunde, sowohl im Urin als auch im Stuhl. Im Befund steht dann zum Beispiel: „Nachweis von Escherichia coli im Urin.“
Muss man sich Sorgen machen?
Die bloße Anwesenheit von E. coli ist nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Im Stuhl ist es völlig normal und sogar wünschenswert, weil das Bakterium dort wichtige Aufgaben erfüllt. Wird E. coli jedoch an Stellen gefunden, wo es normalerweise nicht hingehört, wie im Urin oder in einer Wunde, kann das auf eine Infektion hindeuten. Typische Beschwerden bei einem Harnwegsinfekt sind Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und manchmal Fieber. Bei Durchfallerkrankungen durch E. coli kommt es zu wässrigem Stuhl, Bauchschmerzen und gelegentlich zu Übelkeit.
Es gibt verschiedene Stämme von E. coli. Die meisten sind harmlos, doch manche können giftige Substanzen (Toxine) bilden und schwere Erkrankungen auslösen. Ein bekannter Erreger ist der sogenannte EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli), der blutige Durchfälle und in seltenen Fällen Komplikationen wie das hämolytisch-urämische Syndrom verursachen kann. Solche schweren Verläufe sind jedoch insgesamt selten.
Behandlung und was selbst getan werden kann
Ob eine Behandlung nötig ist, hängt davon ab, ob Beschwerden bestehen und wo das Bakterium nachgewiesen wurde. Ein unkomplizierter Harnwegsinfekt kann oft mit viel Trinken und eventuell einem Antibiotikum behandelt werden. Bei schweren Infektionen, zum Beispiel einer Nierenbeckenentzündung, ist eine gezielte Therapie mit Antibiotika notwendig. Bei Durchfallerkrankungen steht vor allem der Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts im Vordergrund. Nur selten wird bei E. coli-Durchfällen ein Antibiotikum eingesetzt, weil dies den Verlauf manchmal sogar verschlechtern kann.
Wichtig ist, auf eine gute Hygiene zu achten, um eine Übertragung zu vermeiden. Gründliches Händewaschen, besonders nach dem Toilettengang und vor dem Essen, kann das Risiko deutlich senken. Auch beim Umgang mit rohem Fleisch oder ungewaschenem Gemüse ist Sorgfalt gefragt. Wer Beschwerden wie starke Bauchschmerzen, blutigen Durchfall, Fieber oder Anzeichen eines Harnwegsinfekts bemerkt, sollte ärztlichen Rat einholen.
Wie häufig ist Escherichia coli bei Infektionen?
E. coli ist der häufigste Erreger von Harnwegsinfektionen. In Deutschland gehen etwa 70 bis 80 Prozent aller unkomplizierten Blasenentzündungen auf dieses Bakterium zurück. Auch bei anderen Infektionen, etwa nach Operationen oder bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, kann E. coli eine Rolle spielen. Die meisten gesunden Menschen tragen das Bakterium jedoch dauerhaft im Darm, ohne dass es zu Problemen kommt.
Praktische Tipps für den Alltag
Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung unterstützen die Darmgesundheit und stärken das Immunsystem. Wer zu Harnwegsinfekten neigt, sollte auf eine gute Intimhygiene achten und nach dem Toilettengang von vorne nach hinten wischen, um eine Verschleppung von Darmbakterien in die Harnröhre zu vermeiden. Bei Durchfall hilft es, ausreichend zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Besonders bei kleinen Kindern, älteren Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen ist bei anhaltenden Beschwerden ärztliche Abklärung sinnvoll.
Escherichia coli ist also ein alltäglicher Begleiter im menschlichen Körper, der in den meisten Fällen harmlos ist. Erst wenn das Bakterium an den falschen Ort gelangt oder ein besonders aggressiver Stamm beteiligt ist, kann es zu Problemen kommen. Die richtige Hygiene und ein bewusster Umgang mit Lebensmitteln helfen, Infektionen vorzubeugen.