Dyspareunie bezeichnet Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und wird in der Medizin verwendet, wenn das Zusammensein mit einem Partner oder einer Partnerin körperlich unangenehm oder schmerzhaft ist. Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausfallen und sowohl Frauen als auch Männer betreffen, wobei Frauen deutlich häufiger darunter leiden.
Wenn Intimität zur Belastung wird
Nicht selten bleibt Dyspareunie lange unerkannt oder wird verschwiegen, weil das Thema mit Scham besetzt ist. Viele Menschen erleben die Schmerzen als sehr belastend, da sie die Partnerschaft und das eigene Wohlbefinden stark beeinträchtigen können. Die Beschwerden zeigen sich meist direkt beim Eindringen oder während der Bewegung, manchmal aber auch noch Stunden nach dem Geschlechtsverkehr. Die Schmerzen können brennend, stechend, ziehend oder krampfartig sein und treten häufig im Bereich der Scheide, des Damms oder im Unterbauch auf. Bei Männern äußern sich die Beschwerden meist als Schmerzen am Penis, im Bereich der Eichel oder beim Samenerguss.
Oft ist die Sorge groß, dass die Schmerzen ein Hinweis auf eine schwerwiegende Erkrankung sein könnten. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen steckt keine bedrohliche Ursache dahinter, doch eine ärztliche Abklärung ist immer sinnvoll.
Was steckt dahinter?
Dyspareunie kann viele verschiedene Ursachen haben. Häufig sind körperliche Veränderungen oder Erkrankungen verantwortlich. Dazu zählen Infektionen der Scheide oder Harnwege, Pilzinfektionen, Entzündungen, hormonelle Veränderungen (zum Beispiel in den Wechseljahren), Endometriose oder Narben nach Operationen und Geburten. Auch Hauterkrankungen, Allergien, eine zu trockene Scheide oder Verletzungen können Schmerzen auslösen.
Aber nicht immer ist eine körperliche Ursache zu finden. Auch psychische Belastungen, Stress, Ängste oder negative Erfahrungen spielen eine große Rolle. Manchmal verstärken sich die Beschwerden, wenn Unsicherheit oder Anspannung hinzukommen. In manchen Fällen entsteht ein Teufelskreis: Die Angst vor Schmerzen führt zu noch mehr Verspannung, wodurch die Beschwerden zunehmen.
Wie wird Dyspareunie festgestellt?
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch. Dabei werden die genaue Art und der Zeitpunkt der Schmerzen, mögliche Auslöser und Begleitsymptome erfragt. Eine gynäkologische oder urologische Untersuchung kann helfen, Infektionen, Entzündungen oder andere körperliche Ursachen zu erkennen. Je nach Befund können weitere Untersuchungen wie ein Abstrich, Ultraschall oder Bluttests sinnvoll sein.
Bei Frauen wird besonders auf die Schleimhaut, den Beckenboden und die umliegenden Organe geachtet. Bei Männern richtet sich der Blick auf die Vorhaut, die Harnröhre und den Genitalbereich. Wenn keine körperliche Ursache gefunden wird, kann auch ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten weiterhelfen, um seelische Belastungen als Auslöser zu erkennen.
Ist Dyspareunie gefährlich?
Viele Betroffene sorgen sich, dass hinter den Schmerzen beim Sex eine schwere Krankheit steckt. In den meisten Fällen ist Dyspareunie zwar sehr unangenehm, aber nicht gefährlich für die Gesundheit. Dennoch sollte die Ursache immer ärztlich abgeklärt werden, um Infektionen oder andere behandlungsbedürftige Erkrankungen auszuschließen. Manchmal sind die Beschwerden auch ein Warnsignal für andere Probleme, zum Beispiel für eine chronische Entzündung oder eine hormonelle Störung.
Die größte Belastung entsteht oft durch die Auswirkungen auf das eigene Wohlbefinden und die Partnerschaft. Die Angst vor Schmerzen kann zu Rückzug, Unlust oder Problemen in der Beziehung führen. Deshalb ist es wichtig, offen über die Beschwerden zu sprechen und sich Unterstützung zu holen.
Was kann dagegen helfen?
Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache. Liegt eine Infektion oder Entzündung vor, helfen meist Medikamente wie Antibiotika oder Antipilzmittel. Bei hormonellen Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, kann eine lokale Hormontherapie die Beschwerden lindern. Ist die Scheide zu trocken, schaffen Gleitmittel oder spezielle Pflegeprodukte Erleichterung.
Wenn psychische Belastungen eine Rolle spielen, kann eine Sexualberatung oder Psychotherapie helfen, Ängste abzubauen und den Umgang mit den Beschwerden zu erleichtern. Auch eine Beckenbodentherapie oder gezielte Entspannungsübungen sind manchmal sinnvoll. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen und gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin nach Lösungen zu suchen.
Manche Menschen profitieren davon, neue Wege der Intimität zu entdecken, bei denen der Fokus nicht auf dem Geschlechtsverkehr liegt. Offenheit, Geduld und gegenseitiges Verständnis können helfen, die Belastung zu verringern und wieder mehr Freude an Nähe zu finden.
Was lässt sich selbst tun?
Wer unter Dyspareunie leidet, kann einiges selbst ausprobieren, um die Beschwerden zu lindern. Viel Feuchtigkeit beim Sex, etwa durch Gleitgel, kann helfen, Schmerzen zu vermeiden. Ein ausgiebiges Vorspiel, Entspannung und eine angenehme Atmosphäre unterstützen dabei, sich wohlzufühlen. Bei Unsicherheit oder Angst vor Schmerzen kann es helfen, mit dem Partner oder der Partnerin offen zu reden und gemeinsam neue Wege zu suchen.
Regelmäßige Intimpflege, das Vermeiden von reizenden Seifen oder Duschgels und das Tragen von atmungsaktiver Unterwäsche schützen die empfindliche Haut. Bei wiederkehrenden Beschwerden sollte jedoch immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um ernste Ursachen auszuschließen.
Dyspareunie ist weit verbreitet und kein Grund, sich zu schämen. Mit der richtigen Unterstützung und etwas Geduld lassen sich die meisten Beschwerden gut behandeln, sodass Nähe und Sexualität wieder Freude bereiten können.