Dorsale Muskulatur ist ein Sammelbegriff für die Muskeln auf der Rückseite des Rumpfes, also für das, was man im Alltag einfach Rückenmuskulatur nennt. "Dorsal" heißt in der Anatomie schlicht "zur Rückenseite hin", das Gegenteil ist "ventral", also zur Bauchseite hin.
Steht der Begriff in einem Befund oder Arztbrief, ist damit meist keine bestimmte Erkrankung gemeint, sondern nur die Lage, nämlich die Muskeln, die hinten am Körper liegen und den Rücken bewegen und stützen.
Welche Muskeln zur dorsalen Muskulatur gehören
Die Rückenmuskulatur lässt sich grob in zwei Schichten einteilen, die ganz unterschiedliche Aufgaben haben.
Die oberflächliche Schicht
Sie liegt weiter außen und verbindet die Wirbelsäule mit Schultern und Armen. Dazu gehören zum Beispiel der Trapezmuskel (Musculus trapezius) im Nacken- und Schulterbereich und der breite Rückenmuskel (Musculus latissimus dorsi), die vor allem Schulter und Arm bewegen, etwa beim Heben, Ziehen oder Stützen.
Die tiefe Schicht
Sie liegt direkt an der Wirbelsäule und wird auch autochthone Rückenmuskulatur oder Musculus erector spinae genannt, was so viel wie "Aufrichter der Wirbelsäule" bedeutet. "Autochthon" heißt dabei einfach, dass diese Muskeln von Haus aus zur Wirbelsäule gehören. Zu ihnen zählen unter anderem der lange Rückenmuskel (Musculus longissimus), der Darmbein-Rippen-Muskel (Musculus iliocostalis) und die Musculi multifidi, kleine Muskeln, die tief an der Wirbelsäule von Wirbel zu Wirbel ziehen.
Spannt man diese Schicht beidseitig an, richtet sich der Oberkörper auf, spannt man sie einseitig an, dreht oder neigt sich die Wirbelsäule zur Seite. Sie ist damit die eigentliche Stütze des Rückens, weil sie die Wirbelsäule bei fast jeder Bewegung stabilisiert und uns im Sitzen, Stehen und Gehen aufrecht hält, ohne dass man sie im Alltag bemerkt.
Verspannungen und Schmerzen im Rücken
Verspannungen und Schmerzen in der Rückenmuskulatur sind sehr häufig und in den allermeisten Fällen harmlos. Oft stecken einseitige Haltung, langes Sitzen, Stress oder schlicht zu wenig Bewegung dahinter und nicht ein Schaden an der Wirbelsäule. Die Muskulatur ist dann verspannt, aber nicht kaputt.
Wer bei Rückenschmerzen in eine Schonhaltung geht und sich kaum noch bewegt, schwächt die Rumpfmuskulatur mit der Zeit, wird steifer und begünstigt so, dass die Schmerzen anhalten. Die deutsche Leitlinie zum Kreuzschmerz rät bei akuten Rückenschmerzen deshalb ausdrücklich von Bettruhe ab und empfiehlt stattdessen so viel normale Bewegung wie möglich.
Was der Rückenmuskulatur guttut
Wie gut die tiefe Schicht in Form ist, hängt spürbar mit dem Rückenbefinden zusammen. Sind diese Muskeln geschwächt oder ist über die Zeit Fettgewebe in sie eingelagert, was sich in einer Magnetresonanztomografie, kurz MRT, also einer Aufnahme aus dem Körperinneren, sichtbar machen lässt, treten Rückenbeschwerden eher auf.
Bewegung und gezieltes Training helfen nachweislich gegen Rückenschmerzen und verbessern, wie gut der Rücken im Alltag funktioniert. Gut untersucht ist das sogenannte Rumpf- oder Core-Stabilisationstraining, bei dem gezielt die tiefen Rückenmuskeln angesprochen werden. Ob sich damit auch schon eingelagertes Fettgewebe im Muskel wieder abbauen lässt, ist bislang nicht sicher geklärt, doch die Beschwerden bessern sich unabhängig davon.
Für den Einstieg eignen sich alltagstaugliche Dinge wie regelmäßiges Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren, dazu einfache Kräftigungs- und Stabilisationsübungen für den Rumpf. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden ist eine ärztliche oder physiotherapeutische Anleitung sinnvoll, damit die Übungen zur eigenen Situation passen.
Quellen
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Wesselink EO, Pool JJM, Mollema J, et al. Is fatty infiltration in paraspinal muscles reversible with exercise in people with low back pain? A systematic review. Eur Spine J, 2023. Quelle
Güler MA, Demirdel E, Gezer İA, Nayman A, Tezcan EA. Effect of core stabilization exercises on lumbar multifidus morphology and functional outcomes in chronic non-specific low back pain: a randomized controlled trial. BMC Musculoskelet Disord, 2025. Quelle
Kim B, Yim J. Core Stability and Hip Exercises Improve Physical Function and Activity in Patients with Non-Specific Low Back Pain: A Randomized Controlled Trial. Tohoku J Exp Med, 2020. Quelle
Nationale VersorgungsLeitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz, Patienteninformation "Plötzliche Kreuzschmerzen, Warum Bewegung?", ÄZQ im Auftrag von Bundesärztekammer und AWMF. Quelle