Colitis ulcerosa – Wenn der Darm leidet

Colitis ulcerosa – Wenn der Darm leidet

12.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Colitis ulcerosa ist eine chronische Entzündung des Dickdarms, bei der sich die Schleimhaut entzündet und Geschwüre bildet. Diese Erkrankung zählt zu den sogenannten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und verläuft meist in Schüben, das heißt, es wechseln sich Phasen mit Beschwerden und Zeiten ohne Symptome ab.

Was genau steckt hinter dieser Diagnose?

Bei Colitis ulcerosa ist vor allem die innere Auskleidung des Dickdarms betroffen, vom Enddarm aus kann sich die Entzündung weiter ausbreiten. Anders als bei Morbus Crohn, einer ähnlichen Erkrankung, bleibt die Entzündung auf den Dickdarm beschränkt und dringt nicht in tiefere Schichten der Darmwand vor. Die Schleimhaut wird dabei so gereizt, dass sie leicht bluten kann und kleine Wunden, sogenannte Ulzera, entstehen. Diese Veränderungen sind typisch und werden oft bei einer Darmspiegelung sichtbar.

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Typische Beschwerden und erste Anzeichen

Am auffälligsten ist meist häufiger, teils sehr plötzlicher Stuhldrang, der mit Durchfällen einhergeht. Der Stuhl kann Schleim oder Blut enthalten und manchmal fällt es schwer, den Stuhlgang zu kontrollieren. Viele Menschen spüren krampfartige Bauchschmerzen, besonders im linken Unterbauch. In schweren Schüben kommen auch Fieber, allgemeines Unwohlsein und Gewichtsverlust dazu. Einige Betroffene fühlen sich dauerhaft erschöpft, was sich auf den Alltag und das Berufsleben auswirken kann.

Wie wird Colitis ulcerosa festgestellt?

Die Diagnose beginnt meist mit einem Gespräch über die Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung. Bluttests können Hinweise auf Entzündungen liefern, etwa wenn die sogenannten Entzündungswerte erhöht sind oder eine Blutarmut vorliegt. Besonders wichtig ist die Darmspiegelung, bei der die Ärztin oder der Arzt die Schleimhaut direkt betrachtet und kleine Proben entnimmt. Im Labor werden diese Proben auf typische Veränderungen untersucht. Manchmal werden zusätzlich Stuhlproben auf Erreger getestet, um andere Ursachen wie Infektionen auszuschließen.

Ist Colitis ulcerosa gefährlich?

Viele machen sich Sorgen, wenn sie diese Diagnose hören. Die Erkrankung ist nicht lebensbedrohlich, kann aber die Lebensqualität stark beeinträchtigen. In den meisten Fällen lässt sie sich mit Medikamenten gut kontrollieren. Unbehandelt oder bei schweren Verläufen kann es allerdings zu Komplikationen kommen. Dazu zählen starke Blutungen, ein plötzlich stark aufgeblähter Bauch oder in seltenen Fällen ein Durchbruch der Darmwand. Langfristig steigt das Risiko für Darmkrebs etwas an, vor allem wenn die Entzündung viele Jahre besteht. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine gute medizinische Betreuung wichtig.

Was hilft bei Colitis ulcerosa?

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Beschwerden. Ziel ist immer, die Entzündung zu beruhigen und Schübe möglichst zu verhindern. Am häufigsten kommen Medikamente zum Einsatz, die gezielt im Darm wirken und die Entzündung hemmen. Dazu zählen sogenannte 5-ASA-Präparate, Kortison oder bei schweren Fällen auch stärkere Mittel wie Immunsuppressiva oder sogenannte Biologika. In seltenen Fällen, wenn Medikamente nicht ausreichen oder Komplikationen auftreten, kann eine Operation notwendig werden, bei der der erkrankte Darmabschnitt entfernt wird.

Umgang mit Ängsten und Unsicherheiten

Viele fragen sich, ob sie mit Colitis ulcerosa ein normales Leben führen können. Die Antwort ist in den meisten Fällen ja, auch wenn die Erkrankung immer wieder Anpassungen im Alltag erfordert. Die Angst vor plötzlichen Durchfällen oder Schmerzen begleitet viele, vor allem in der Anfangszeit nach der Diagnose. Mit der Zeit entwickeln viele individuelle Strategien, um mit den Beschwerden umzugehen. Dazu zählt, immer einen Notfallplan zu haben, die Ernährung anzupassen oder sich Unterstützung zu holen – etwa durch Selbsthilfegruppen oder psychologische Beratung.

Was kann man selbst tun?

Eine gesunde Lebensweise kann helfen, den Verlauf positiv zu beeinflussen. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und das Vermeiden von Stress, soweit möglich. Es gibt keine spezielle Diät, die für alle passt, aber viele merken, dass sie bestimmte Lebensmittel schlechter vertragen. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen. Wichtig ist zudem, die Medikamente regelmäßig einzunehmen und Kontrolltermine wahrzunehmen. Bei Anzeichen eines Schubs, etwa wenn Blut im Stuhl auftritt oder die Beschwerden deutlich zunehmen, sollte frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden.

Leben mit Colitis ulcerosa

Die Erkrankung begleitet oft ein Leben lang. Mit der richtigen Behandlung und etwas Geduld gelingt es jedoch vielen, längere beschwerdefreie Phasen zu erreichen und aktiv am Leben teilzunehmen. Es lohnt sich, offen mit dem Umfeld über die Erkrankung zu sprechen und Hilfe anzunehmen, wenn Unsicherheit oder Überforderung auftreten. Die Forschung entwickelt zudem ständig neue Therapien, sodass die Aussichten für Betroffene heute deutlich besser sind als noch vor einigen Jahren.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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