Coiling ist ein minimalinvasives Verfahren, bei dem feine Platinspiralen über einen Katheter in ein krankhaft erweitertes Blutgefäß, meist ein Aneurysma im Gehirn, eingebracht werden, um dieses von innen zu verschließen und Blutungen zu verhindern.
Wie funktioniert das Verfahren?
Bei einem Aneurysma handelt es sich um eine Ausbuchtung oder Erweiterung einer Gefäßwand, die vor allem im Gehirn gefährlich werden kann. Reißt so ein Aneurysma, kommt es zu einer oft lebensbedrohlichen Blutung. Coiling bietet eine Möglichkeit, diese Gefäßaussackung von innen zu behandeln, ohne den Schädel öffnen zu müssen. Über einen kleinen Zugang, meist in der Leiste, wird ein dünner Katheter bis zum betroffenen Gefäß vorgeschoben. Durch diesen Katheter werden dann winzige, flexible Spiralen aus Platin direkt in das Aneurysma eingebracht. Diese Spiralen sorgen dafür, dass sich das Blut in der Ausbuchtung nicht mehr frei bewegen kann. Das Aneurysma wird so nach und nach durch ein Blutgerinnsel verschlossen.
Das Ziel: Das Aneurysma wird „aus dem Blutkreislauf genommen“, sodass es nicht mehr platzen kann. Die Behandlung dauert in der Regel einige Stunden und wird unter Vollnarkose durchgeführt.
Wann kommt Coiling zum Einsatz?
Coiling wird vor allem bei Aneurysmen im Gehirn angewandt, besonders dann, wenn das Risiko einer Blutung besteht oder bereits eine Blutung aufgetreten ist. Auch bei bestimmten Gefäßmissbildungen oder Gefäßverletzungen kann das Verfahren eingesetzt werden. Ärztinnen und Ärzte entscheiden individuell, ob Coiling oder andere Methoden wie das sogenannte Clipping (operative Ausschaltung des Aneurysmas mit einer Klammer) besser geeignet sind. Die Entscheidung hängt von Größe, Lage und Form des Aneurysmas, aber auch vom allgemeinen Gesundheitszustand ab.
Vorteile und mögliche Risiken
Ein großer Vorteil des Coilings ist, dass der Eingriff ohne große Operation und ohne Öffnen des Schädels auskommt. Die Erholungszeit ist oft kürzer, und die Belastung für den Körper ist geringer als bei einer offenen Operation. Trotzdem handelt es sich um einen Eingriff am Gehirn und damit um eine ernsthafte Behandlung.
Mögliche Risiken sind zum Beispiel Nachblutungen, Gefäßverschlüsse oder das erneute Auftreten eines Aneurysmas. In seltenen Fällen kann es auch zu Schlaganfällen oder Infektionen kommen. Die Komplikationsrate ist insgesamt gering, aber nie ganz auszuschließen. Deshalb werden Betroffene nach dem Eingriff engmaschig überwacht.
Häufige Sorgen und Fragen rund um Coiling
Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie von einem Aneurysma oder dem geplanten Coiling hören. Die Angst vor einer Hirnblutung, bleibenden Schäden oder Komplikationen ist verständlich. Wichtig ist zu wissen, dass Coiling seit den 1990er Jahren etabliert ist und sich als sichere Methode bewährt hat. In spezialisierten Zentren werden jährlich tausende solcher Eingriffe durchgeführt.
Die Erfolgsrate ist hoch: In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle lässt sich das Aneurysma dauerhaft verschließen. Manchmal sind allerdings Nachkontrollen oder sogar weitere Eingriffe nötig, wenn sich das Aneurysma wieder füllt oder neue Veränderungen auftreten.
Viele fragen sich, wie es nach dem Eingriff weitergeht. In der Regel erfolgt zunächst eine Überwachung auf einer spezialisierten Station. Die meisten können nach einigen Tagen wieder nach Hause. Die volle Erholung dauert je nach Ausgangslage und Allgemeinzustand unterschiedlich lang. Wichtig sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen, meist mit einer speziellen Gefäßdarstellung, um sicherzugehen, dass das Aneurysma verschlossen bleibt.
Was kannst du selbst tun?
Vor einem geplanten Coiling ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und offene Fragen mit dem behandelnden Team zu besprechen. Nach dem Eingriff hilft es, auf Warnzeichen wie plötzliche Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen zu achten und im Zweifel sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Rauchen, Bluthochdruck und andere Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen sollten konsequent behandelt werden, um das Risiko für neue Aneurysmen zu senken. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und Verzicht auf Nikotin unterstützt die Gefäßgesundheit zusätzlich.
Coiling ist heute eine bewährte und schonende Methode, um gefährliche Aneurysmen im Gehirn zu behandeln und das Risiko schwerer Komplikationen zu verringern. Wer einen solchen Eingriff vor sich hat, sollte sich nicht scheuen, Fragen zu stellen und sich über alle Abläufe und Möglichkeiten aufklären zu lassen. So lässt sich die Zeit vor und nach dem Eingriff bestmöglich gestalten.