Bronchiektasen: Wenn die Bronchien sich erweitern

Bronchiektasen: Wenn die Bronchien sich erweitern

27.01.2026

PD Dr. med. Witold Polanski

Bronchiektasen sind krankhafte, dauerhafte Erweiterungen der Bronchien, also der größeren Atemwege in der Lunge. Dabei verlieren die betroffenen Bereiche ihre normale, röhrenförmige Struktur und sind stattdessen sackartig oder zylindrisch erweitert. Das führt dazu, dass Schleim schlechter abtransportiert wird und sich immer wieder Entzündungen oder Infektionen bilden können.

Wie entstehen diese Veränderungen in der Lunge?

Normalerweise sorgen die Bronchien mit ihren feinen Flimmerhärchen dafür, dass Schleim und eingeatmete Partikel nach außen befördert werden. Bei einer Bronchiektasie ist die Wand der Bronchien jedoch dauerhaft geschädigt. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Häufig liegen wiederholte oder schwere Infektionen zugrunde, zum Beispiel durch Lungenentzündungen im Kindesalter oder chronische Erkrankungen wie Mukoviszidose. Auch eine angeborene Störung der Flimmerhärchen, sogenannte primäre ziliäre Dyskinesie, kann eine Rolle spielen. In manchen Fällen führen auch Abwehrschwächen, eingeatmete Fremdkörper oder eine chronische Bronchitis zu dieser dauerhaften Erweiterung.

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Welche Beschwerden können auftreten?

Typisch ist ein anhaltender Husten, oft begleitet von Auswurf, der manchmal auch eitrig sein kann. Besonders morgens nach dem Aufstehen bemerken viele Betroffene, dass sie viel Schleim abhusten. Immer wiederkehrende Infekte, zum Teil mit Fieber, sind ebenfalls häufig. Bei ausgeprägten Bronchiektasen kann es auch zu Atemnot kommen, vor allem bei Belastung. Manche Menschen berichten über ein pfeifendes Atemgeräusch oder unangenehmen Geruch des Auswurfs. In schweren Fällen treten sogar Blutbeimengungen im abgehusteten Schleim auf.

Ist das gefährlich?

Viele Menschen fragen sich, wie bedrohlich eine solche Diagnose ist. Bronchiektasen selbst sind keine akute Lebensgefahr, können aber die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Die ständige Entzündung schwächt das Lungengewebe, wodurch die Anfälligkeit für weitere Infektionen steigt. Unbehandelt kann sich die Lungenfunktion verschlechtern und es kann zu Komplikationen wie Lungenblutungen oder einer chronischen Sauerstoffunterversorgung kommen. Wichtig ist: Je früher die Erkrankung erkannt und behandelt wird, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Der Verdacht ergibt sich meist durch die typischen Beschwerden und eine gründliche Befragung. Ein Lungenfacharzt oder eine Lungenfachärztin wird zunächst die Lunge abhören und eine Lungenfunktionsprüfung durchführen. Entscheidend für die Diagnose ist jedoch eine Bildgebung, meist eine hochauflösende Computertomografie der Lunge. Auf diesen Bildern lassen sich die erweiterten Bronchien deutlich erkennen. Zusätzlich können spezielle Untersuchungen helfen, die Ursache zu klären, zum Beispiel Tests auf bestimmte Infektionen, die Analyse des abgehusteten Schleims oder Blutuntersuchungen auf seltene Grunderkrankungen.

Was steckt hinter dem Begriff „Ektasie“?

Das Wort „Ektasie“ bezeichnet allgemein eine krankhafte Erweiterung eines Hohlorgans oder Gefäßes. Bronchiektasen sind also eine spezielle Form der Ektasie, nämlich an den Bronchien. Wer mehr über die Bedeutung und Hintergründe von Ektasie erfahren möchte, findet weiterführende Informationen hier.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Beschwerden. Ziel ist es, Infektionen zu verhindern, den Schleim zu lösen und die Lunge möglichst gesund zu erhalten. Dazu werden häufig schleimlösende Medikamente und spezielle Atemtechniken eingesetzt, mit denen sich der Schleim besser abhusten lässt. Inhalationen mit Kochsalzlösung oder bronchienerweiternde Mittel können ebenfalls helfen. Bei bakteriellen Infekten kommen Antibiotika zum Einsatz, manchmal auch vorbeugend in bestimmten Fällen. Eine regelmäßige Physiotherapie, bei der spezielle Atemübungen und Klopfmassagen angewandt werden, ist besonders wirksam.

In seltenen Fällen, wenn nur ein kleiner Teil der Lunge betroffen ist und immer wieder schwere Infektionen auftreten, kann auch eine operative Entfernung des betroffenen Abschnitts erwogen werden. Eine vollständige Heilung ist meist nicht möglich, aber mit einer konsequenten Behandlung lassen sich die Beschwerden oft deutlich lindern und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen.

Was kann man selbst tun?

Eine gute Selbstfürsorge ist entscheidend. Das regelmäßige Anwenden der empfohlenen Atemtechniken und das tägliche Abhusten helfen, den Schleim aus der Lunge zu entfernen und Infektionen vorzubeugen. Viel trinken unterstützt dabei, den Schleim flüssig zu halten. Wer raucht, sollte unbedingt mit dem Rauchen aufhören, denn Tabakrauch schädigt die Bronchien zusätzlich. Regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft, kann die Lungenfunktion stärken. Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken sind sinnvoll, da sie vor zusätzlichen Infekten schützen.

Häufige Sorgen und Fragen

Viele Menschen mit Bronchiektasen machen sich Sorgen um ihre Zukunft oder befürchten, dass sie irgendwann auf Sauerstoff angewiesen sind. Das ist verständlich, aber nicht zwangsläufig der Fall. Mit einer guten Behandlung und einer aktiven Mitarbeit lassen sich viele Komplikationen vermeiden. Auch das Risiko, andere Menschen mit einer Infektion anzustecken, ist in der Regel gering, solange keine akute, ansteckende Erkrankung wie eine Tuberkulose vorliegt. Wer unsicher ist, sollte sich an eine Lungenfachpraxis wenden und Fragen offen ansprechen.

Bronchiektasen erfordern Aufmerksamkeit, sind aber mit der richtigen Therapie und Lebensweise gut in den Griff zu bekommen. Ein verständnisvoller Umgang mit der Erkrankung und das Wissen um die eigenen Einflussmöglichkeiten helfen, die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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