Ataxie bezeichnet eine Störung der Bewegungskoordination, bei der gezielte Bewegungen nicht mehr richtig ausgeführt werden können. Das Wort stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Unordnung“ oder „fehlende Ordnung“. In der Medizin beschreibt Ataxie also den Zustand, wenn Bewegungsabläufe unsicher, ungeschickt oder taumelnd wirken, obwohl die Muskeln selbst nicht gelähmt sind.
Wie zeigt sich eine Ataxie?
Typisch für eine Ataxie ist, dass Bewegungen plötzlich unpräzise werden. Beim Gehen kann das wie ein unsicherer, breitbeiniger Gang aussehen, manchmal schwanken Betroffene oder torkeln sogar, als hätten sie zu viel Alkohol getrunken. Auch gezielte Bewegungen mit Armen oder Händen, wie das Greifen nach einem Glas oder das Schreiben, fallen schwer. Die Hände zittern oft, wenn sie auf ein Ziel zusteuern, und es kommt zu Überschießern oder Danebengreifen. In manchen Fällen ist auch die Sprache betroffen: Sie klingt dann abgehackt, verwaschen oder rhythmisch gestört. Schluckstörungen können ebenso vorkommen.
Je nachdem, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind, kann sich eine Ataxie unterschiedlich äußern. Häufig ist das sogenannte Kleinhirn beteiligt, das für die Feinabstimmung von Bewegungen zuständig ist. Sind die Verbindungsbahnen im Rückenmark oder die Gleichgewichtsorgane im Innenohr gestört, kann es ebenfalls zu ataktischen Bewegungen kommen.
Was kann hinter einer Ataxie stecken?
Eine Ataxie ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Es gibt viele verschiedene Ursachen, die zu einer gestörten Bewegungskoordination führen können. Zu den häufigsten zählen Durchblutungsstörungen im Gehirn, etwa bei einem Schlaganfall, Entzündungen, Infektionen oder Verletzungen des Nervensystems. Auch bestimmte erbliche Erkrankungen, wie die Friedreich Ataxie, führen im Verlauf zu einer langsam fortschreitenden Verschlechterung der Koordination.
Vergiftungen, zum Beispiel durch Alkohol oder bestimmte Medikamente, können kurzfristig eine Ataxie auslösen. Ebenso spielen Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel (vor allem Vitamin B12 oder Vitamin E) oder Tumore eine Rolle. Bei Kindern kann eine Ataxie auch nach einer Virusinfektion auftreten, meist bildet sie sich dann aber wieder zurück.
Wie wird eine Ataxie festgestellt?
Die Diagnose beginnt mit einer genauen Schilderung der Beschwerden. Ärztinnen und Ärzte achten auf die Art der Bewegungsstörung, seit wann sie besteht und ob sie sich verändert hat. In der körperlichen Untersuchung werden verschiedene Tests durchgeführt: Zum Beispiel wird geprüft, ob die Arme beim Ausstrecken zittern, ob das Gehen auf einer Linie gelingt oder wie sicher gezielte Bewegungen ablaufen.
Um die Ursache weiter einzugrenzen, sind oft bildgebende Verfahren wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes sinnvoll. Blutuntersuchungen helfen, Mangelzustände oder Entzündungen zu erkennen. In manchen Fällen werden auch Nervenwasserproben entnommen oder genetische Tests durchgeführt, wenn ein Verdacht auf eine vererbbare Form besteht.
Ist eine Ataxie gefährlich?
Ob eine Ataxie gefährlich ist, hängt ganz von der Ursache ab. Plötzlich auftretende, schwere Koordinationsstörungen können auf einen Schlaganfall oder eine andere akute Erkrankung hinweisen und sollten immer sofort ärztlich abgeklärt werden. Gerade wenn zusätzlich Symptome wie Sprachstörungen, Lähmungen, starke Kopfschmerzen oder Bewusstseinsveränderungen auftreten, zählt jede Minute.
Langsam fortschreitende Formen, wie sie bei erblichen Ataxien vorkommen, verlaufen meist über viele Jahre. Sie können jedoch die Selbstständigkeit im Alltag stark beeinträchtigen. Häufige Sorgen drehen sich darum, ob die Bewegungsfähigkeit wieder zurückkommt und wie der weitere Verlauf zu erwarten ist. Bei reversiblen Ursachen, etwa einem Vitaminmangel oder einer Infektion, kann sich die Koordination nach Behandlung wieder vollständig normalisieren.
Was lässt sich gegen Ataxie tun?
Die Behandlung richtet sich immer nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist zum Beispiel ein Vitaminmangel verantwortlich, bessert sich die Ataxie oft nach Ausgleich des Mangels. Bei entzündlichen oder infektiösen Ursachen kommen Medikamente wie Kortison oder Antibiotika zum Einsatz. Bei genetisch bedingten Formen gibt es bisher keine ursächliche Therapie, aber gezielte Rehabilitationsmaßnahmen können helfen, die Bewegungsfähigkeit möglichst lange zu erhalten.
Wichtig ist, so früh wie möglich mit Physiotherapie, Ergotherapie und gegebenenfalls Sprachtherapie zu beginnen. Durch gezieltes Training lassen sich Bewegungsabläufe verbessern und Stürze verhindern. Alltagshilfen wie Gehstöcke, Haltegriffe oder spezielle Esshilfen können die Selbstständigkeit unterstützen. In manchen Fällen helfen auch Orthesen, also stützende Schienen, um die Bewegungen zu stabilisieren.
Was kann man selbst tun?
Auch im Alltag gibt es Möglichkeiten, die Folgen einer Ataxie abzumildern. Ein sicherer Wohnraum ohne Stolperfallen, rutschfeste Matten im Bad und gute Beleuchtung helfen, Stürze zu vermeiden. Regelmäßige Bewegung, angepasst an die eigenen Fähigkeiten, hält die Muskulatur aktiv und fördert das Gleichgewicht. Wer unsicher beim Gehen ist, sollte möglichst nicht allein unterwegs sein oder einen Rollator nutzen. Auch das offene Gespräch mit Familie, Freunden oder im Rahmen einer Selbsthilfegruppe kann entlasten und Mut machen.
Es lohnt sich, ärztliche Kontrollen regelmäßig wahrzunehmen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Bei neuen oder plötzlich schlimmer werdenden Symptomen ist es ratsam, zeitnah medizinische Hilfe zu suchen. So können Komplikationen vermieden und die bestmögliche Unterstützung organisiert werden.