ALK-positiv: Gezielte Tabletten statt Chemotherapie

ALK-positiv: Gezielte Tabletten statt Chemotherapie

"ALK-positiv" bedeutet, dass ein Tumor eine bestimmte Veränderung an einem Gen namens ALK trägt, für die es besonders gut wirksame, zielgerichtete Medikamente in Tablettenform gibt.

Dieser Befund taucht meistens im Zusammenhang mit Lungenkrebs auf, genauer beim sogenannten nicht-kleinzelligen Lungenkrebs. Wenn du das Wort auf einem Befund oder in einem Arztbrief gelesen hast, ist es zunächst einmal eine wichtige Information, die dem Behandlungsteam hilft, die passende Behandlung auszuwählen. Was dahintersteckt und warum dieser Befund heute als vergleichsweise gut behandelbar gilt, erklären wir dir hier.

Was ALK-positiv genau bedeutet

ALK ist die Abkürzung für "anaplastische Lymphomkinase". Das ist der Name eines Gens und des Eiweißes, für das dieses Gen den Bauplan liefert. Normalerweise spielt ALK vor allem in der frühen Entwicklung eine Rolle und ist im erwachsenen Lungengewebe weitgehend still.

Bei einem ALK-positiven Tumor ist etwas verrutscht: Ein Stück Erbgut hat sich umgelagert, und dabei sind zwei Gene miteinander verschmolzen. Am häufigsten verbindet sich ALK mit einem Gen namens EML4, man spricht dann von einer EML4-ALK-Fusion. Durch diese Verschmelzung steht der ALK-Schalter dauerhaft auf "an". Das Eiweiß gibt der Zelle ununterbrochen das Signal, sich zu teilen und zu wachsen. Genau dieser Dauerbefehl treibt den Krebs an. Fachleute nennen so eine Veränderung eine Genumlagerung oder Translokation, und ALK gilt als einer der zentralen Antreiber ("Treibermutation") des Tumors.

Diese Veränderung sitzt nur im Tumorgewebe. Sie ist nicht ererbt und wird nicht an die Kinder weitergegeben. Sie ist im Lauf des Lebens in den Krebszellen selbst entstanden.

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Wie häufig ist das und wen betrifft es?

Eine ALK-Genumlagerung findet sich bei etwa 3 bis 5 Prozent aller nicht-kleinzelligen Lungenkarzinome. Das klingt nach wenig, ist aber genau deshalb bedeutsam, weil für diese Gruppe eine sehr wirksame Behandlung existiert, die für andere Formen nicht in Frage kommt.

Auffällig ist, dass ALK-positiver Lungenkrebs eher jüngere Menschen betrifft und oft Personen, die nie oder nur wenig geraucht haben. Viele Betroffene passen damit nicht ins typische Bild von Lungenkrebs. Genaue Zahlen dazu lassen sich seriös schwer angeben, das Muster ist aber in der Krebsmedizin gut bekannt.

Wie wird ALK-positiv festgestellt?

Ob ein Tumor ALK-positiv ist, lässt sich nicht am Blutbild ablesen, sondern nur an einer Gewebeprobe des Tumors. Dafür gibt es mehrere Methoden. Bei der Immunhistochemie, kurz IHC, wird das Gewebe angefärbt, um das ALK-Eiweiß sichtbar zu machen. Bei der FISH-Methode werden die Gene unter dem Mikroskop mit fluoreszierenden Sonden markiert. Und bei molekularen Verfahren wie RT-PCR oder umfassenderen Sequenzierungen (NGS) liest man das Erbgut direkt aus.

Heute reicht in vielen Fällen die Immunhistochemie allein aus, um die Behandlung festzulegen. Gelegentlich kommen verschiedene Methoden zu leicht unterschiedlichen Ergebnissen. Das ist dem Behandlungsteam bekannt, und im Zweifel wird mit einem zweiten Verfahren nachgeprüft. Eine ALK-Testung gehört heute zur Standarduntersuchung, wenn ein nicht-kleinzelliger Lungenkrebs neu festgestellt wird.

Was die zielgerichtete Therapie so besonders macht

Der Grund, warum der Befund ALK-positiv eine gute Nachricht im schlechten Kontext ist, sind die Behandlungsmöglichkeiten. Weil man den Antreiber des Tumors genau kennt, kann man ihn gezielt blockieren. Die Medikamente dafür heißen ALK-Tyrosinkinase-Inhibitoren, kurz ALK-TKI. Es sind Tabletten, die den überaktiven ALK-Schalter ausbremsen. Man nennt das eine zielgerichtete Therapie, weil sie genau am krankmachenden Mechanismus ansetzt und nicht, wie eine klassische Chemotherapie, breit alle sich teilenden Zellen angreift.

Der erste Wirkstoff dieser Art war Crizotinib. Er hat die Behandlung damals grundlegend verändert. Inzwischen stehen modernere Wirkstoffe der nächsten Generation an erster Stelle, vor allem Alectinib, Brigatinib und Lorlatinib. Sie halten den Tumor länger in Schach und, das ist ein entscheidender Vorteil, sie wirken deutlich besser im Gehirn. Das ist wichtig, weil ALK-positiver Lungenkrebs relativ häufig Ableger im Gehirn bildet und diese neueren Tabletten die Blut-Hirn-Schranke gut überwinden. Oft lässt sich damit sogar eine Bestrahlung des Kopfes hinauszögern oder vermeiden.

Unter diesen neueren Wirkstoffen bremst Lorlatinib den Tumor nach heutigem Stand am längsten. In der großen Zulassungsstudie war der Tumor bei mehr als der Hälfte der Behandelten auch nach fünf Jahren noch nicht weitergewachsen. So lange hielt bei fortgeschrittenem Lungenkrebs zuvor keine einzelne zielgerichtete Tablette (Stand 2026). Einen direkten Vergleich mit Alectinib oder Brigatinib in einer eigenen Studie gibt es allerdings nicht. Dass Lorlatinib vorn liegt, stützt sich auf indirekte Auswertungen. Dafür bringt Lorlatinib etwas andere Nebenwirkungen mit, zum Beispiel auf die Blutfette und die Konzentration. Welcher Wirkstoff der richtige ist, hängt deshalb von der persönlichen Situation ab und entscheidet das Behandlungsteam. Wurde der Tumor operiert und besteht ein hohes Rückfallrisiko, kann Alectinib auch ergänzend nach der Operation gegeben werden, um einen Rückfall zu verhindern.

Wie jedes Medikament haben diese Tabletten Nebenwirkungen, die sich aber meist gut steuern lassen. Je nach Wirkstoff können zum Beispiel Verdauungsbeschwerden, veränderte Leberwerte, erhöhte Blutfette oder Wirkungen auf Stimmung und Konzentration auftreten. Vieles davon lässt sich durch eine angepasste Dosis oder zusätzliche Medikamente in den Griff bekommen, ohne dass die Wirkung gegen den Tumor verloren geht. Solche Beschwerden anzusprechen lohnt sich, weil sich meist eine Lösung findet.

Wenn ein Medikament nicht mehr wirkt

Zur Behandlung gehört auch, dass diese Tabletten bei fast allen Menschen mit der Zeit an Wirkung verlieren. Der Tumor verändert sich und lernt, das Medikament zu umgehen. Das kann direkt am ALK-Schalter passieren oder über einen anderen Umweg im Zellstoffwechsel.

Das bedeutet aber nicht das Ende der Behandlung. Meist steht dann ein weiterer ALK-Tyrosinkinase-Inhibitor bereit, oder es kommen andere Optionen in Frage. Häufig wird an diesem Punkt erneut eine Gewebeprobe entnommen, um herauszufinden, warum der Tumor ausweicht. So lässt sich der nächste Schritt gezielt planen. Behandelnde beschreiben ALK-positiven Lungenkrebs deshalb oft als bewegliches Ziel, dem man Schritt für Schritt folgt.

Lebenserwartung und Aussichten

ALK-positiver Lungenkrebs gilt heute als eine der am besten behandelbaren Formen von Lungenkrebs. Genau weil man den Antreiber kennt und mit den zielgerichteten Tabletten gezielt angreifen kann, lässt sich die Erkrankung bei vielen Menschen über lange Zeit gut kontrollieren, oft über Jahre, auch dann, wenn bereits Ableger vorhanden sind.

Eine feste Zahl, wie lange man mit dieser Diagnose lebt, lässt sich seriös nicht nennen. Solche Statistiken sind immer nur Durchschnittswerte über sehr unterschiedliche Verläufe und Menschen und kein Urteil über den einzelnen Verlauf. Was wirklich zählt, sind die konkrete Situation, wie der Tumor auf die Behandlung anspricht und welche Möglichkeiten das Behandlungsteam im Einzelfall sieht. Für ALK-positiven Lungenkrebs gibt es außerdem aktive internationale Patient:innen-Netzwerke, die Austausch und Unterstützung bieten. Die persönlichen Aussichten kann die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt am besten einschätzen.

Quellen

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). S3-Leitlinie Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms, Langversion 5.01, AWMF-Registernummer 020-007OL, April 2026 (Living Guideline). Quelle.

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Barton C, Al Achkar M, Blender JA, Farmen SH, Hall RB, Konidari AM, et al. Patient-led advocacy in ALK-positive lung cancer. Transl Lung Cancer Res. 2023;12(6):1303–1319. DOI: 10.21037/tlcr-22-713.

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

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Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
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