1-0-0-0: Den Medikamentenplan richtig lesen

1-0-0-0: Den Medikamentenplan richtig lesen

Die Ziffernfolge 1-0-0-0 auf einem Rezept, einem Beipackzettel oder einem Einnahmeplan bedeutet: eine Einheit morgens, mittags nichts, abends nichts, zur Nacht nichts. Geschrieben wird sie mal mit Bindestrichen, mal mit Schrägstrichen, mal einfach als 1 0 0 0, gemeint ist immer dasselbe. Die vier Zahlen stehen für dieselben vier Tageszeiten in genau dieser Reihenfolge, und die Ziffer sagt, wie viele Einheiten du zu diesem Zeitpunkt nehmen sollst.

So weit ist die Schreibweise schnell erklärt. Nur beantwortet diese Zahlenreihe längst nicht alles, was du für eine sichere Einnahme wissen musst, und genau an den Lücken entstehen die meisten Fehler. Deshalb geht es auf dieser Seite weniger um Medizin als um das richtige Lesen eines Plans.

Ganzen Befund übersetzen?

Du hast einen Arztbericht oder Befund den du nicht verstehst? Dann nutze Simply Onno, um dir diesen in einfache Sprache übersetzen und erklären zu lassen.

Mehr Infos

Wofür die vier Felder stehen

Tageszeit und Menge

Die Schreibweise heißt Vier-Felder-Schema, und die vier Felder sind morgens, mittags, abends und zur Nacht. "Abends" und "zur Nacht" sind dabei nicht dasselbe: Abends meint ungefähr die Zeit des Abendessens, zur Nacht die Einnahme kurz vor dem Schlafengehen. Diese Aufteilung ist die Grundlage des bundeseinheitlichen Medikationsplans, also des standardisierten Einnahmeplans, den es in Deutschland seit 2016 in einheitlicher Form gibt.

Die Ziffer selbst zählt Einheiten, nicht Milligramm. Eine 1 heißt eine Tablette oder Kapsel, eine 2 heißt zwei davon, eine 0,5 oder ½ eine halbe. Bei Tropfen, Sprühstößen oder Insulineinheiten steht dort entsprechend die Zahl dieser Einheiten. Wenn du wissen willst, wie viel Wirkstoff das ist, findest du das nicht in den vier Zahlen, sondern in der Spalte mit der Stärke des Präparats.

Die häufigsten anderen Kombinationen

Nach demselben Muster liest du jede andere Zahlenreihe. 1-0-1-0 heißt morgens und abends je eine Einheit, 0-0-0-1 nur eine zur Nacht, und 1-1-1-1 eine zu jeder der vier Tageszeiten. Steht irgendwo eine 0, ist zu dieser Tageszeit nichts vorgesehen, auch wenn zu den anderen Zeiten etwas eingenommen wird. Fällt dir auf, dass dein Plan im Lauf der Zeit an einer Stelle eine andere Ziffer bekommen hat, ist das eine Änderung der Dosis und kein Schreibfehler, den du selbst korrigieren solltest.

Wenn nur drei Zahlen dastehen

In vielen Praxen ist auch eine Kurzform mit drei Zahlen üblich, also zum Beispiel 1-0-0 statt 1-0-0-0. Dann fehlt das Feld für die Nacht, und die drei Zahlen stehen für morgens, mittags und abends. Die offizielle Norm im bundeseinheitlichen Medikationsplan ist die vierstellige Form, die dreistellige ist eine verbreitete Nebenvariante.

Für dich hat das eine praktische Folge: Zähl kurz nach, wie viele Zahlen dastehen, bevor du die letzte Ziffer deutest. Eine 1 an letzter Stelle heißt bei vier Feldern "zur Nacht", bei drei Feldern "abends". Bist du unsicher, welche Vorlage vor dir liegt, ist das eine schnelle Frage an die Apotheke.

Der Medikationsplan, auf den du ein Recht hast

Dieser Plan ist kein freiwilliger Service der Praxis, sondern ein gesetzlicher Anspruch. Nach § 31a des Fünften Sozialgesetzbuchs haben gesetzlich Versicherte einen Anspruch auf einen Medikationsplan, sobald sie über einen längeren Zeitraum gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden. Erstellt wird er von einer Ärztin oder einem Arzt aus der vertragsärztlichen Versorgung, in Papierform und elektronisch. Ändert sich etwas an der Dauermedikation, muss der Plan aktualisiert werden; auf deinen Wunsch darf auch die Apotheke ihn pflegen.

Auf dem Plan steht zu jedem Mittel deutlich mehr als die Zahlenreihe: der Wirkstoff, der Produktname, die Stärke, die Darreichungsform, die Dosierung, der Grund für die Einnahme und ein Feld für sonstige Hinweise. Aufgeführt werden auch frei verkäufliche Mittel, die du zusätzlich nimmst, sowie relevante Medizinprodukte.

Wenn du also regelmäßig drei oder mehr verordnete Medikamente einnimmst und noch keinen solchen Plan hast, kannst du in der Praxis danach fragen. Nimm ihn zu jedem Termin und zu jedem Apothekenbesuch mit, denn eine vollständige Medikationsliste ist die einzige verlässliche Grundlage, um Wechselwirkungen und Doppelverordnungen zu erkennen.

Was die vier Zahlen nicht sagen

Uhrzeit, Mahlzeit, Teilbarkeit

Die vier Ziffern kodieren ausschließlich Tageszeit und Menge. Ob du eine Tablette nüchtern nehmen sollst oder besser zum Essen, ob "morgens" 6 Uhr oder 10 Uhr heißt, ob ein Mindestabstand zu anderen Mitteln nötig ist und ob du die Tablette teilen darfst, steht dort nicht. Solche Angaben gehören im Medikationsplan in das getrennte Feld für Hinweise, und wenn sie dort niemand einträgt, fehlen sie ganz.

Das ist eine naheliegende Fehlerquelle, weil sie nicht durch Unaufmerksamkeit entsteht, sondern durch den Aufbau des Schemas selbst. Ein Schilddrüsenhormon mit der Angabe 1-0-0-0 wirkt schlechter, wenn es zusammen mit dem Frühstück genommen wird, und die Zahlenreihe verrät davon nichts. Genauso wenig sagt sie, ob eine Tablette einen Überzug hat, der beim Teilen kaputtgeht.

Und auch nicht, wie lange

Ebenso wenig steht in den Ziffern, über welchen Zeitraum du das Mittel nehmen sollst. Ein Antibiotikum mit 1-0-0-1 ist auf eine feste Anzahl Tage angelegt, ein Blutdruckmittel mit derselben Angabe auf Dauer. Auch Abkürzungen wie p.o. für die Einnahme über den Mund oder b. B. für "bei Bedarf" stehen neben, nicht in den vier Zahlen.

Wie oft beim Lesen solcher Pläne etwas schiefgeht

Was Untersuchungen dazu zeigen

Ein Einnahmeplan sieht einfacher aus, als er sich im Alltag umsetzen lässt. In einer Untersuchung an 165 Eltern, deren Kinder mit mindestens einem täglich einzunehmenden Medikament aus der Klinik entlassen wurden, machte gut ein Drittel bei der tatsächlichen Gabe einen Dosierungsfehler. Nachgeprüft wurde das nicht per Befragung, sondern durch Beobachtung. Je komplizierter der Plan war, desto häufiger passierten Fehler, und zwar unabhängig davon, wie gut sich die Eltern sonst mit Gesundheitsthemen auskannten.

Diese Zahl beschreibt eine Größenordnung, keine deutsche Statistik. Untersucht wurden Entlassungspläne in den USA, nicht die deutsche Ziffernschreibweise. Dasselbe gilt für eine Befragung erwachsener Patient:innen zum amerikanischen Gegenstück des Vier-Felder-Schemas, das strukturell genauso aufgebaut ist: Die Befragten empfanden reine Zahlen-Codes übereinstimmend als zu knapp, solange Anlass, Dauer und genauer Zeitpunkt fehlten. Beide Arbeiten treffen keine Aussage über Deutschland, sie zeigen aber, dass ein reduziertes Zahlenschema Nachfragen braucht, statt sie zu ersparen.

Was das für deinen Plan bedeutet

Daraus folgt vor allem eines: Die Fehleranfälligkeit steigt nachweislich mit der Zahl der Mittel und der Zahl der Einnahmezeitpunkte. Wenn du mehrere Präparate nimmst, hilft es, den Plan nach jeder Änderung neu ausdrucken zu lassen, statt handschriftlich zu ergänzen, und die Tabletten mit einer Wochenbox vorzusortieren. Und wenn dir eine Angabe unklar oder widersprüchlich vorkommt, ist Nachfragen keine Umständlichkeit, sondern genau der Schritt, der die Fehler verhindert.

Wenn du eine Einnahme vergessen hast

Hier gibt es keine allgemeine Regel, und das ist keine Ausflucht, sondern der Stand der Dinge: Für die Frage, was bei einer vergessenen Dosis zu tun ist, existiert keine übergreifende Empfehlung, die für alle Medikamente gilt. Was richtig ist, hängt vom einzelnen Wirkstoff ab, davon, wie lange er im Körper bleibt und wie eng der Abstand zwischen wirksamer und zu hoher Menge ist.

Modellrechnungen zeigen, dass schon wenige ausgelassene Dosen den Erfolg einer Behandlung gefährden können und dass in bestimmten Fällen ein Nachholen sinnvoll ist, in anderen dagegen nicht. Erfinde deshalb keine eigene Faustregel und nimm nicht auf eigene Faust die doppelte Menge. Schau in die Packungsbeilage, wo bei den meisten Mitteln genau dieser Fall beschrieben ist, und frag im Zweifel in deiner Apotheke oder in der Praxis nach.

Wenn du einen Plan neu bekommst, lohnen sich drei kurze Fragen, bevor du die Praxis verlässt: zu welcher Uhrzeit ungefähr, mit oder ohne Essen, und für wie lange. Damit ist genau das geklärt, was die vier Zahlen offenlassen.

Quellen

Deutschland. Sozialgesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) – Gesetzliche Krankenversicherung, § 31a Medikationsplan. Bundesministerium der Justiz / gesetze-im-internet.de. Stand: Zugriff 24.08.2026. https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__31a.html

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Bundeseinheitlicher Medikationsplan. Berlin: KBV; Stand 30.07.2026 (Seite laufend aktualisiert). https://www.kbv.de/html/medikationsplan.php

Bailey SC, Wolf MS, Lopez A, Russell A, Chen AH, Schillinger D, Moy G, Sarkar U. Expanding the Universal Medication Schedule: a patient-centred approach. BMJ Open. 2014;4(1):e003699. doi:10.1136/bmjopen-2013-003699

Glick AF, Farkas JS, Mendelsohn AL, Fierman AH, Tomopoulos S, Rosenberg RE, Dreyer BP, Melgar J, Varriano J, Yin HS. Discharge Instruction Comprehension and Adherence Errors: Interrelationship Between Plan Complexity and Parent Health Literacy. J Pediatr. 2019;214:193-200.e3. doi:10.1016/j.jpeds.2019.04.052

Tung HR, Lawley SD. How Missed Doses of Antibiotics Affect Bacteria Growth Dynamics. Bull Math Biol. 2025;87(5):58. doi:10.1007/s11538-025-01430-4

BITTE BEACHTEN

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und kann nicht das persönliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt ersetzen. Für eine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung und Behandlung konsultieren Sie bitte immer medizinisches Fachpersonal.

Mit dem Latein am Ende?

Du willst einfach nur wissen, was dein Befund bedeutet?
Wir erklären ihn dir. Kostenlos, anonym und ärztlich geprüft.

Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person die fragend ein medizinisches Dokument betratchtet.
Illustration einer Person, die fragend ein medizinisches Dokument betrachtet.

Simply Onno

Datenschutz

Impressum

AGB

Deutsch