Medizinische Fachbegriffe, einfach erklärt
Wer schon einmal einen Befund entziffern wollte oder sich über die Kürzel auf einer Überweisung gewundert hat, kennt das Gefühl: die Medizin steckt voller Wörter, die von außen wie eine Geheimsprache klingen. Woher diese Sprache kommt und wie du sie knackst, erklären wir dir hier.

Was sind medizinische Fachbegriffe?
Medizinische Fachbegriffe sind Wörter aus dem Lateinischen und Griechischen, mit denen Ärzt:innen Körperteile, Befunde und Behandlungen eindeutig benennen. Die meisten sind aus Vorsilbe, Wortstamm und Endung zusammengesetzt. Wer diese drei Bausteine kennt, kann die meisten Begriffe selbst herleiten.
Im Marklager beidseits zeigen sich , , , entsprechend . Kein Nachweis einer . Ventrikelweite .
ein markiertes Wort
Neun Begriffe in drei Sätzen. Genau deshalb liest sich ein Befund so schwer.
Im Gehirn sind ein paar kleine helle Punkte zu sehen, die vermutlich von den feinen Blutgefäßen kommen. Es gibt keinen Hinweis auf einen frischen Schlaganfall, und die Hohlräume im Gehirn sind normal groß.
Warum die Medizin so spricht
Medizin ist ein Fach, in dem Missverständnisse gefährlich werden. Deshalb ist eine Sprache entstanden, in der jedes Wort genau eine Bedeutung hat, in jeder Klinik dieselbe. „Der Knoten war ziemlich groß“ heißt für jeden etwas anderes. „Größenprogredient“ heißt: er ist seit der letzten Untersuchung gewachsen, Punkt.
Am deutlichsten merkst du das im Arztbrief, denn der ist eigentlich Post zwischen zwei Praxen. Die Ärztin, die dich untersucht hat, schreibt der Kollegin, die dich als Nächstes sieht. Dass du eine Kopie bekommst, ist gut und richtig, ändert aber nichts daran, für wen der Text gedacht war
Wie ist ein medizinischer Fachbegriff aufgebaut?
Die meisten Begriffe bestehen aus drei Teilen: einer Vorsilbe für Menge, Lage oder Zeit, einem Wortstamm für das Körperteil und einer Endung für das, was dort passiert. „Perikarditis" ist demnach peri für um etwas herum, kard für Herz und itis für Entzündung, zusammen also eine Entzündung des Beutels, der das Herz umgibt. Setz sie zusammen und schau, was entsteht.
Vorsilbe
Menge, Tempo oder Lage
Wortstamm
Welches Körperteil
Endung
Welcher Vorgang
Eine Entzündung im Gelenk.
Die wichtigsten Bausteine
Ungefähr dreißig dieser Teile decken einen großen Teil dessen ab, was in Arztbriefen und Befunden steht. Es lohnt sich, sie einmal gesehen zu haben, damit sie beim nächsten Mal vertraut wirken.
Vorsilben
hyper-
zu viel, über der Norm
hypo-
zu wenig, unter der Norm
a-, an-
ohne, fehlend
dys-
gestört, fehlerhaft
peri-
um etwas herum
intra-
innerhalb
poly-
viel, mehrere
brady-
zu langsam
tachy-
zu schnell
Wortstämme
kardio-
Herz
nephro-
Niere
hepato-
Leber
gastro-
Magen
osteo-
Knochen
derma-
Haut
angio-
Gefäß
myo-
Muskel
pneumo-
Lunge
Endungen
-itis
Entzündung
-ose
Veränderung ohne Entzündung
-ektomie
operative Entfernung
-skopie
Spiegelung
-pathie
Erkrankung, Leiden
-algie
Schmerz
-stenose
Verengung
-sklerose
Verhärtung, Verkalkung
-om
Geschwulst, Knoten
Wo im Körper etwas liegt
Eine zweite Gruppe von Wörtern beschreibt keine Krankheit, sondern nur einen Ort. Sie steht in praktisch jedem Befund, und sie ist harmlos, sobald man sie kennt.
Die Ärztin beschreibt die Lage immer aus Sicht der Patientin, nicht aus ihrer eigenen. „Läsion links“ heißt also: auf deiner linken Seite. Das klingt selbstverständlich, führt aber beim Lesen eines Röntgenbildes regelmäßig zu Verwirrung, weil auf dem Bild links und rechts vertauscht erscheinen.
Richtungen im Körper
anterior
vorne
posterior
hinten
lateral
seitlich, von der Mitte weg
medial
zur Mitte hin
proximal
näher am Rumpf
distal
weiter vom Rumpf weg
kranial
Richtung Kopf
kaudal
Richtung Füße
dexter
rechts
sinister
links
bilateral
beidseits
Organe auf Latein
Cor
Herz
Pulmo
Lunge
Hepar
Leber
Ren
Niere
Gaster
Magen
Vesica
Blase
Cerebrum
Großhirn
Vertebra
Wirbel
Musculus
Muskel
Vena / Arteria
Vene / Schlagader
Cutis
Haut
Ist das jetzt Latein!?
Zum Teil. Genauer sind es zwei Sprachen, die sich die Arbeit teilen. Latein liefert die Namen der Körperteile, Musculus für Muskel und Vena für Vene. Griechisch liefert alles, was mit Krankheit und Behandlung zu tun hat, also Kardiologie, Arthrose und Nephrektomie. Als Faustregel: wo etwas ist, sagt meistens Latein, was passiert, meistens Griechisch.
An europäischen Universitäten wurde jahrhundertelang auf Latein unterrichtet, und die Begriffe sind geblieben. Wichtiger ist der praktische Grund, denn der gilt bis heute: eine tote Sprache verändert sich nicht mehr. „Geil“ bedeutete vor fünfzig Jahren etwas anderes als heute, „Myokard“ nicht. Ein Befund von 1980 liest sich deshalb noch wie einer von gestern, und eine Ärztin in Lissabon meint mit „Appendizitis“ dasselbe wie ein Arzt in Helsinki.
Wörter, die im Befund am meisten verunsichern
Manche Wörter sind keine Diagnose, sondern Vorsicht. Ärzt:innen schreiben sie, wenn sie etwas gesehen haben, sich aber noch nicht festlegen wollen.
„Allenfalls diskret betont" ist keine Diagnose, das ist ein Achselzucken in Fachsprache. Übersetzt: da ist minimal etwas, wir schauen beim nächsten Mal wieder hin.
moderat
Mittelgradig, also weder leicht noch schwer.
allenfalls
Höchstens, im äußersten Fall. Meist abschwächend gemeint.
progredient
Fortschreitend, seit der letzten Untersuchung mehr geworden.
adäquat
Angemessen, passt zu dem, was erwartet wurde.
persistierend
Anhaltend, seit dem letzten Mal unverändert da.
anamnestisch
Aus dem Gespräch bekannt, nicht selbst gemessen.
inhomogen
Ungleichmäßig, das Gewebe sieht nicht überall gleich aus.
akzentuiert
Betont, etwas deutlicher als sonst. Meist harmlos.
getriggert
Ausgelöst durch etwas Bestimmtes.
diskret
Kaum sichtbar, sehr gering ausgeprägt.
unauffällig
Nichts Krankhaftes gefunden. Die beste Nachricht im Befund.
Prozedere
Wie es weitergeht, der Plan für die nächsten Schritte.
Welche Abkürzungen stehen im Arztbrief?
Arztbriefe stecken voller Abkürzungen, denn sie entstehen zwischen zwei Terminen, oft im Stehen. Zwei lohnen sich besonders. „V. a." heißt Verdacht auf, also eine Vermutung und keine Diagnose. „Z. n." heißt Zustand nach: „Z. n. Appendektomie" sagt nur, dass dir irgendwann der Blinddarm entfernt wurde.
Aber Achtung: je nach Fachbereich meint dasselbe Kürzel etwas anderes. „MS" ist in der Neurologie Multiple Sklerose, in der Kardiologie eine Mitralstenose. Schau also, aus welcher Abteilung der Brief kommt, bevor du googelst!
V. a.
Verdacht auf, noch keine Diagnose
Z. n.
Zustand nach, etwas ist schon passiert
DD
Differentialdiagnose, was es auch sein könnte
o. B.
ohne Befund, nicht auffälliges gefunden
a. e.
am ehesten, die plausibelste Erklärung
path.
pathologisch, krankhaft verändert
bds.
beidseits, auf beiden Seiten
AZ
Allgemeinzustand
LWS
Lendenwirbelsäule, der untere Rücken
p. o.
per os, durch den Mund, zum Schlucken
i. v.
intravenös,
über die Vene
KHK
koronare Herzkrankheit, verengte Herzgefäße
Wie kann ich medizinische Fachbegriffe übersetzen?
Wenn du dir das googeln sparen und einfach nur wissen, was dein Befund bedeutet? Nutze Onno. Wir erklären dir deinen Befund. Schnell, kostenlos, anonym und ärztlich geprüft.
ÜBER 3.000 ERKLÄRUNGEN
Begriffe nach Thema
Über 3.000 Begriffe haben wir einzeln erklärt, jeden mit dem, was er im Befund bedeutet, und nicht mit einer Lexikondefinition. Das hier sind die Themen, zu denen am meisten gesucht wird.

Gehirn und Kopf-MRT
Nach einem MRT vom Kopf stehen im Befund Wörter, die dramatisch klingen und es meistens nicht sind. Das ist unser größtes Thema.

Lunge und Atmung
Vom CT-Befund bis zum Geräusch, das die Ärztin beim Abhören beschreibt.

Herz und Gefäße
EKG-Begriffe, Verkalkungen und was im Ultraschall der Gefäße steht.

Bauch und Verdauung
Wo genau was liegt, und was Magen- und Darmbefunde beschreiben.

Knochen und Gelenke
Befunde von Wirbelsäule, Knie und Bruchstellen, im Röntgen und im MRT.

Nach der Operation
Was im Entlassungsbrief und auf dem Verbandwechsel-Zettel steht.

Lymphknoten und Drüsen
Geschwollene Knoten und was der Ultraschall der Schilddrüse beschreibt.

Nieren und einzelne Werte
Begriffe aus Nierenbefunden und einzelne Werte, die im Brief auftauchen.
Du suchst einen bestimmten Begriff?
Im Verzeichnis stehen über 3.000 Erklärungen von A bis Z, jede einzeln geschrieben und medizinisch geprüft.

